Anhaltisches Theater Dessau
Vorschau221. Spielzeit 2015/16

Schauspiel

Familiengeschichten.Belgrad 

(Porodične priče)

von Biljana Srbljanović
Deutsch von Mirjana und Klaus Wittmann

»Ich bring dich um! Dann bringe ich dich um! Und ich bringe dich noch einmal um!« Zur deutschsprachigen Erstaufführung ihres Stückes, mit dem die Serbin Biljana Srbljanović 1998 schlagartig berühmt wurde, hat die Autorin ein Vorwort geschrieben, das sich wie eine Gebrauchs- anweisung liest: »Alle Helden dieses Stücks sind Kinder. Dennoch altern sie nach Bedarf oder werden jünger, und ändern gelegentlich auch ihr Geschlecht. Das sollte niemanden wundern. Die Schauspieler sind hingegen keine Kinder. Sie sind Erwachsene, die im Stück Kinder darstellen, die wiederum Erwachsene spielen. Auch das sollte niemanden wundern. Es gibt genügend andere Dinge, über die man sich wundern kann.« Erzählt wird von den Kindern Vojin, Milena und Andrija, die in der postkommunistischen Tristesse von Belgrad den ganzen Tag lang Vater, Mutter, Kind spielen – und das verstörte, stumme Mädchen Nadežda als Familienhund zähmen. Dabei geht es in ihren Familiengeschichten auch um den Krieg, der zwar vorbei ist, sich aber in den Hirnen und Herzen der Überlebenden eingenistet hat und so die familiären Verhältnisse mit Verrat und Fremdenhass, Feigheit und Egoismus dominiert. In der schnelllebigen Theaterwelt von heute scheint der Text schon fast wieder vergessen. Aber angesichts der gewaltsamen Auseinandersetzungen, die heute beispielsweise in der Ukraine ausgetragen werden, ist es an der Zeit, ihn erneut auf seine Gültigkeit zu befragen – und daran zu erinnern, dass die Leidtragenden in Kriegen immer auch die Kinder sind, selbst wenn sie ihnen scheinbar entkommen.

Inszenierung David Ortmann

Premiere 02.04.16, 20.00 Altes Theater/Studio