Anhaltisches Theater Dessau
Vorschau221. Spielzeit 2015/16

Schauspiel

Amphitryon

Ein Lustspiel nach Molière von Heinrich von Kleist

»Ich bin jetzt, was Du willst. Befiehl, was ich soll sein …« Was den Sterblichen verwehrt bleibt, ist den Göttern der Antike gegeben: Sie können buchstäblich aus der Haut fahren und fremde Identitäten annehmen – eine Fähigkeit, die vor allem Göttervater Jupiter weidlich ausnutzt, um seinen unbändigen erotischen Appetit zu stillen. Als Schwan und Stier, als goldener Regen hat er sich seinen Geliebten genähert, im Falle des Feldherrn Amphitryon aber treibt er es besonders raffiniert: Um dessen Gattin Alkmene zu verführen, nimmt er einfach die Gestalt des Kriegers an, den er noch auf einem Feldzug weiß – und lässt seinen Boten Merkur kurzerhand in die Rolle des Dieners Sosias schlüpfen. Das stiftet natürlich maximale Verwirrung – zumal sich die gedoppelten Männer selbst begegnen und über den Anblick ihres Spiegelbildes in arge Selbstzweifel geraten. Am Ende muss der Gott das Rätsel lösen, dass er Amphitryon und Alkmene (sowie natürlich auch Sosias und dessen Gemahlin Charis) aufgegeben hat … und verspricht als Entschädigung die Geburt des größten Helden, den die Welt bis dato gesehen hat! So wird die Geschichte – nach einer Vorlage des französischen Dramatikers Molière – im Lustspiel des Heinrich von Kleist erzählt, das einen langen Anlauf nehmen musste, bis es sich auf den deutschen Bühnen durchsetzen konnte. 92 Jahre vergingen nach der Veröffentlichung des Textes, ehe er 1899 uraufgeführt wurde. Doch heute ist das Stück, das nach der menschlichen Identität und nach den Masken des Begehrens fragt, aktueller denn je – auch angesichts der Avatare und künstlichen Existenzen, hinter denen sich viele Zeitgenossen in sozialen Netzen verstecken.

Inszenierung Boris Von Poser