Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen

Für Puppen und Menschen von Rosmarie Vogtenhuber nach James Krüss

Premiere am 22. März 2015, Altes Theater/Puppenbühne

Für Menschen ab 9

Timm Thaler hat einen ebenso einfachen wie einträglichen Handel abgeschlossen: Weil der rätselhafte Baron Lefuet ganz verrückt nach dem Lachen des Jungen war, hat Timm es ihm kurzerhand verkauft – und als Preis dafür die Fähigkeit bekommen, dass er jede Wette gewinnt. Das ist natürlich eine unschätzbare Gabe, mit der man reich und glücklich werden kann. Erst viel zu spät merkt Timm, dass er von dem Baron – dessen Namen man rückwärts lesen muss, um seinen wahren Charakter zu erkennen – übers Ohr gehauen wurde. Denn wenn man nicht mehr lachen kann, dann nützt einem auch das ganze Wettglück nichts! Auf der Jagd nach seinem verlorenen Lachen begibt sich Timm Thaler in große Gefahr, findet aber auch Verbündete, die ihm zur Seite stehen. Und nachdem er die Eigenschaft zurückgewonnen hat, die einen Menschen erst zum Menschen macht, bringt er andere Menschen zum Lachen – als Puppenspieler.

Nach ihrem großen Erfolg mit »Huckleberry Finn« kehrt Regisseurin Rosmarie Vogtenhuber an das Puppentheater des Anhaltischen Theaters zurück und inszeniert die Abenteuergeschichte von James Krüss als ein Spiel für Puppen und Menschen.


Inszenierung: Rosmarie Vogtenhuber

Regie Rosmarie Vogtenhuber
Bühne und Kostüme Anita Fuchs
Puppenbau Kerstin Dathe
Dramaturgie Sabeth Braun / Andreas Hillger
mit Uta Krieg / Helmut Parthier / Tizian Steffen

PRESSESTIMMEN

Zurück ins Spielzimmer, Mitteldeutsche Zeitung, 24.03.2015

"Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen" feiert Premiere im Alten Theater - und der Waisenjunge gewinnt verdient sein Lachen zurück."

von Thomas Altmann

"Geld täuscht nur die Freiheit vor dem, der in sich sie verlor", heißt es am glücklichen Ende. Doch verhökert wurde alles schon und immer wieder, die Seele, der Schatten. Nun wird das Lachen im Puppentheater Dessau ausgeschrieben und versetzt, um endlich gewinnbringend zurückgewonnen zu werden.

"Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen" nach James Krüss, überarbeitet für Puppen und Menschen von Rosmarie Vogtenhuber feierte am Sonntag Premiere. Die 1962 erschienene, längst verfilmte literarische Vorlage darf als moralisierendes modernes Märchen gelesen werden, ein Märchen mit klarer Scheidung zwischen Gut und Böse sowie einem fantastischen Weg des Helden zu sich selber. Zudem gilt "Timm Thaler" als Kapitalismuskritik im Spielzimmer und "Faust für Kinder" mit motivischer Anleihe an Adelbert von Chamissos "Peter Schlemihls wundersame Geschichte".

Zum zweiten Mal in Dessau

Nun legt Vogtenhuber, die in Dessau bereits "Huckleberry Finn" als Schattenriss der Menschlichkeit über rassistischer Emblematik in Schwarz und Weiß inszenierte, eine federleichte lichte Zeichnung auf die bewegte Bühne. Wie eine Fingerübung aus dem Handgelenk fließt die wiedergewonnene Wertschätzung des selbstverständlich Scheinenden. Auch wenn der Prolog quasi mit einem Klischee anhebt, mit dem gemachten Mann, mit dem Börsianer Timm Thaler, so liefert die klar skizzierte Vorbemerkung eine köstlich flinke Dekonstruktion des gemachten Mannes und setzt Timm Thaler zurück in die Kindheit, ins Spielzimmer, in die Kicherkiste. Und Thaler lacht, lacht in den engen Gassen, lacht zwischen Mauern und Armut, lacht als Waise, lacht über Blaubeer-Plätzchen, lacht und lebt. Da schwingt wohl kalkuliert eine kleine hysterische Zacke mit, doch dieses Lachen rutscht köstlich aus, bricht hervor.

Tizian Steffen spielt Timm Thaler als sei er einer Illustration entnommen direkt aus einem Kinderbuch auf die Bühne gefallen. Das ist zwischen Schiebermütze und hochgekrempelter Dreiviertel-Hose genau der Junge, für den jede Mutter immer einen Kuchen in der Pfanne hat; ein Spiel voller ansteckender Natürlichkeit, maßgeschneiderter Naivität, arglos die Grenze zur Einfalt wahrend.

Bühne spielt mit

Und die Bühne (Anita Fuchs) spielt mit, wie schlichter Schichtbeton in märchenhafter Verwachsung und Wandlungsfähigkeit, heiter, bald besinnlich, bald bedrohlich durch Licht und wenige Bewegungen. Da sind ins Kraut geschossene Straßenzüge und Stelen, die sich bald wie die enge Gasse zu Stiefmutter und -bruder auftürmen, bald als anonymer Wettschalter fungieren, oder Rahmen liefern für Besinnung und für das Spiel der Marionetten im Spiel. Der große Gegenspieler Lefuet, der Teufel rückwärts, geführt von Helmut Parthier, erscheint kantig in diabolischer Zeichnung, grundlegend und typisch. Parthier und Uta Krieg führen die Weggefährten, die köstliche Stief-Familie, die stilisierten Dämonen und natürlich die Freunde, etwa Johnny aus der Rotkohl-Dose oder den Reeder, eine Fassfigur mit losem Kopf, sowie die Bäckersfrau mit rührseligen Schneebesen-Armen. So scheinen die Puppen (Kerstin Dathe) beredt verankert in ihrem Milieu. Und dann ist da noch Kreschimir, der Leidensgenosse, der seine Augen an den Baron verkaufte, der Mitwisser, der die Rettung ermöglicht.

Thaler läuft den langen Weg in kurz gefassten, fesselnden Stationen, und immer laufen die Stimmungen im Rhythmus der Schritte mit, und immer bewahrt das volle Tempo die Liebe zum Detail, etwa das Kratzen der Feder auf dem Vertrag, der irgendwo geschrieben wird. Die letzte Wette wird in jedem Fall gewonnen, auch wenn sie verloren ginge. Kurz: Die Rettung scheint endlich einfach, simpel sogar, wie im Märchen.

INHALT Gekauftes Lachen

Egal welche, jede Wette wird Timm Thaler gewinnen. Für diese diabolische Fähigkeit gibt er sein Lachen, verschreibt es dem Teufel, der sich als Baron Lefuet auf der Pferderennbahn in das Vertrauen des Jungen schmeichelt. Timm, dessen Mutter längst gestorben ist, hat gerade seinen Vater verloren. Sein Lachen ist somit ohnehin überschattet. Mit den Wetten kann er dem Vater eine vermeintliche Referenz erweisen und zugleich die enge Gasse und die Stiefmutter verlassen. Doch wenn etwas abhanden ist, erfährt es seinen Wert. Timm sucht, sein Lachen wieder zu gewinnen. Die einfache Lösung verlangt einen langen Weg. Timm wettet schließlich um einen Pfennig, dass er sein Lachen wieder gewinne.ALT

Nächste Vorstellungen: 28. März, 18. Uhr; 30. März, 11 Uhr; 31. März, 9, 30 Uhr

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