Sommer Nacht Traum

»Der Park« von Botho Strauß und »Herr Peter Squenz« von Andreas Gryphius

NUR 8. BIS 18. JULI 2010!

Titania und Oberon sind herabgestiegen aus ihrem Athenerwald, um sich in die Niederungen der Gegenwart und die Dunkelheit des Stadtparks Dessau zu begeben. Allein, das Paar wartet vergebens auf Menschen, die sich noch von erotisch-kluger Lust, Sinnlichkeit und Poesie verzaubern lassen. Wer hier sein nächtliches Leben lebt, scheint recht verkühlt, wähnt sich aufgeklärt, sucht ohne zu finden, liebt die Oberfläche und ahnt nichts vom wahren Rausch und abgründiger Lust. Einsame Menschen üben sich hier als Paare, bürgerliche Müdigkeit treibt ihre trüben Spiele, Mädchen und Jungen suchen vergebens ihren Platz, ein schwarzer Knabe wird gejagt, mal aus Gier, mal aus Hass und der beflissene Peter Squenz probt die herzzerreißende Tragödie um Pyramus und Thisbe . Nacht um Nacht kommt er mit seinen verarmten Gesellen hierher, um mit großer Lust und trotz vollständiger Talentlosigkeit, wenigstens in der Kunst des Theaters ein wenig Glück und Anerkennung zu finden. Mittendrin hängen, im Geäst eines alten Baumes, lauernd die Könige der Nacht, Oberon und Titania. Und noch immer will sie keiner sehen oder erhören. Gegen diese Ignoranz kann nur ein kräftiges Mittel Wirkung zeigen, der uralte Zauber der Kunst soll mit betörender Klarheit die Ödnis aus diesem Menschenpark vertreiben. Doch die Götter spielen mit dem Feuer, denn, „Man rührt die graue Vorzeit nicht in jemand an, ohne dass er damit leben kann!“ Was als Befreiung erkalteter Seelen gedacht, legt unverzüglich die dunkelsten Seiten der Probanden frei. Die Götter haben versucht, die Welt der Oberflächen mit einem tiefen Sommernachtsrausch zu unterwandern, doch statt der Herzen wie gedacht, brennt bald ein ganz anderer und höchst obskurer Zunder.

Inszenierung Andrea Moses
Musikalische Leitung Harald Thiemann
Bühne und Kostüme Christian Wiehle
Dramaturgie Holger Kuhla
Helen Katja Sieder
Georg Thorsten Köhler
Helma Susanne Hessel
Wolf Sebastian Müller-Stahl
Titania Antje Weber
Oberon Stephan Korves
Cyprian Matthieu Svetchine
Ein Mädchen Eva Marianne Berger
Ein schwarzer Junge Derek Nowak
3 Jungen Dirk Meinhardt / Max Georg Nowak / Tizian Steffen / Ron Meinhardt
Peter Squenz Uwe Fischer
Pickelhäring (Piramus) Jan Kersjes
Meister Kricks (Mond) Harald Thiemann
Meister Klipperling (Löwe) Boris Malré
Gudrun vom Grill (Brunnen) Christel Ortmann
Meister Klotz-George (Thisbe) Gerald Fiedler
Bulla-Butän Hans-Jürgen Müller-Hohensee
Harry Harald Thiemann

PRESSESTIMMEN

Joachim Lange, Dresdner Neueste Nachrichten, 16.07.2010

Wenn es im Stadtpark spukt

Andrea Moses inszeniert im Dessauer Stadtpark mit „Sommer Nacht Traum“ ein lustvoll hintersinnig Nachspiel zu einer erfolgreichen Saison des Neustarts

Es ist ein Spuk, von dem man am Ende nicht so genau weiß, wie er ausgegangen ist. Dass er aber nicht im Theater selbst, sondern im Dessauer Stadtpark stattfand, muss man, trotz der bedrängten Lage des Anhaltischen Theaters, nicht gleich als böses Omen deuten. Noch spielen sie freiwilligaußer Haus. „Sommer Nacht Traum“ heißt das Freiluft- Spektakel im Park. Und so dicht wie der collagierte Titel, unter den Regisseurin Andrea Moses und Dramaturg Holger Kuhla ihre Melange aus Botho Strauß’ Shakespeare-Adaption „Der Park“ und Andreas Gryphius’ „Herr Peter Squenz“ stellen, beim populären Vorbild bleibt, so dicht bleibt auch die letzte Premiere des Anhaltischen Theater dem berühmten mittsommernächtlichem Täuschungs- und Selbsterkenntnistrip des großen Briten auf den Fersen.

Die finsteren Geister allerdings, die die sagenhafte, metaphorische Sommernacht ja auch weckt, hatten in diesem Park vor zehn Jahren zu einem ganz realen Mord am Mosambikaner Alberto Adriano geführt und die Stadt im Mark erschüttert. Jetzt ist ein smarter „schwarzer Junge“ (Derek Nowak) das Objekt der Begierde des schmierigen Showmasters Cyprian (Matthieu Svetchine), der wie ein später Nachfahre des Spielmachers Puck daherkommt, aber nicht mit Zauberkräutern, sondern mit seiner Show und modernen Voodoo-Püppchen Beziehungs- und Begierde-Verwirrung stiftet. Dass er von dem Schwarzen erschlagen wird, als er sein Begehren nach dessen Körper mit einem Bündel Geldscheinen bekräftigt, gehört zu den finsteren Pointen genau dieses Spielortes. Der Schwarze Junge ist zugleich die Projektionsfläche eines diffusen rassistischen Ressentiments jener Helen, die beim Endausscheid des von Cyprian im Baumarkt oder Billig-TV-Stil veranstalteten Sänger-Castings „Goldener Mund 2010“ gegen ihn verloren hatte, mit der das Spiel beginnt.

Christan Wiehle hat seine Kussmund-Bühne mit Zungenlaufsteg mit einem Wohnwagen und einem Kiosk eingerahmt. Mit wankenden Biertrinkern und lungernden Jugendlichen gibt das eine perfekte Campingplatztristesse. Hier geistern die Feengötter Oberon (Stephan Corves) und Titania (Antje Weber) wie Außerirdische herum. Wenn auch auf ziemlich verlorenem Posten. Im göttlichen Pelz, mit nichts drunter und voller Verzweiflung über ihre abnehmende Fähigkeit, die Menschen zu irritieren und zur Sinnlichkeit zu verführen. Wobei vor allem Titania die Kontrolle über ihre Triebe verliert und mit der Frage nach der Uhrzeit so gut wie jeden Mann in ihrer Reichweite verführen will.

In dem, was sonst noch passiert an Beziehungskrisen, an Handwerker-Theaterjux im Spiel um Pyramus und Thisbe, an Verführung und entfesselter Gier, greift das Personal des Paarspezialisten Botho Strauß ebenso auf die Beziehungskrisen-Gegenwart durch, wie die schauspielernden Handwerker auf die Casting-Show-meets-HartzIV-Wirklichkeit mit ihren Du-hast-keine-Chance- darum-nutze-sie-Angeboten. Im Hin- und Her zwischen Helen (Katja Sieder) und Georg (Thorsten Köhler) und Helma (Susanne Hessel) und Wolf (Sebastian Müller-Stahl). Und bei den Okkupations- versuche der Bühne durch die schauspielernde HartzIV-Truppe, mit denen Uwe Fischer, Jan Kersjes, Hans-Jürgen Müller-Hohensee, Boris Malré, Gerald Fiedler, Harald Thiemann, Christel Ortmann natürlich nach Kräften abräumen.

Sicher ist bei diesem Spiel die Kenntnis von Shakespeares Sommernachtstraum hilfreich. Aber eine Unterforderung der Zuschauer gehört in der neuen Dessauer Dramaturgie ohnehin nicht zum Programm. Zumal sich die Schauspieler allesamt mit Komödiantenlust ins hochsommerliche Theatervergnügen werfen und selbst dann einen sinnlich packenden Theaterabend behaupten, wenn sie die Einzelszene genauer im Auge haben, als den großen Bogen.

Reinhardt Wengierek, http://www.kultiversum.de, 15.07.2010

Kolumne 41
Wengierek, was guckst du?

Ich gucke Peter Squenz. Und muss es endlich in alle Welt trompeten: Das naiv-erfinderische, selbstherrlich verspielte Schulmeisterlein Peter Squenz aus Gryphius-Rumpelskirchen oder Shakespeare-Athen ist meine ganz, ganz große Liebe; beinahe lebenslang. Durch nichts ist die Seligkeit zu erschüttern, wenn Peter kommt. Wenn der irrwitzige Schlaumeier antritt mit seinem Handwerkertrupp, alles Deppen wie wir, um das Tränenstück „Pyramus und Thisbe“ aufs Brettl zu hieven.

O ja, da ist das Peterle total herzig, und der Herr Squenz total herzzerreißend. Zum Knuddeln und zum Niederknien. Schönstes, reinstes Theaterglück! Immer wieder wisch‘ ich beim Zugucken mindestens eine Träne weg, wenn da aus grober Menschenklamotte feine Menschheitskomödie wird – und umgekehrt. Diesmal gelang Uwe Fischer das Kunststück. Im Stadtpark zu Dessau, auf knallbunter Bühne, in Affenhitze und unter Mücken-Bestechung ‑ korrekt bei Sonnenuntergang ab 21.20 Uhr. Also: Kratzen, Fecheln, Trinken und Staunen über einen scharfen Sommernachts-Cocktail aus Botho Strauß („Im Park“), Andreas Gryphius („Herr Peter Squenz“) sowie Parodien aktuellen TV-Entertainments, keck zusammen gequirlt und aufgeschäumt von Regisseurin Andrea Moses.

Immer wieder erstaunlich, was das Anhaltische Theater drauf hat. Trotzdem: Es kommt nicht runter von der Liste abwicklungsbedrohter Betriebe. Peter-Uwe Squenz-Fischer, du solltest dir, statt immer nur Handwerker, mal Kommunalpolitiker zur Brust nehmen.

Vielfältige Geschichten in der Parkmenschenwelt Volksstimme, 12. Juli 2010

von Helmut Rohm

Eine herausgestreckte Zunge - man denke nur an das weltbekannte Einstein-Porträt - hat Symbolcharakter für Frechheit, Dreistigkeit, auch Spott und Komik. So wie in der Sommer-Theaterinszenierung des Anhaltischen Theaters Dessau. Im Dessauer Stadtpark hatte "Sommer Nacht Traum" eine gefeierte Premiere.

Ein weit geöffneter Mund mit eben der langen herausgestreckten knallroten Zunge ist eine Showbühne (Ausstattung Christian Wiehle). "Hallo Dessau! ", schallt es in das Stadtparkareal. Der smarte Showmaster Cyprian (Matthieu Svetchine) ruft zum Finale Song-Contest "Goldener Mund Dessau 2010". Einen tollen Gesangsvortrag gestalten Helen (Katja Sieder) und Norman (Deren Nowak) und Band mit Harald Thiemann, Jan Kerjes und Gerald Fiedler. Sonderbar dann nur, dass statt Publikumsfavoritin Helen der dunkelhäutige Norman gewinnt.

Aus dem Gesangswettbewerb heraus entwickelt Regisseurin Andrea Moses verschiedene eigenständige, nur andeutungsweise locker miteinander verbundene Spielebenen. Für "Sommer Nacht Traum" verwebt sie "Der Park" von Botho Strauß und "Herr Peter Squenz" von Andreas Gryphius.

Die nach dem Konzert zum Säubern in den Park geschickte Hartz-IV-Truppe arbeitsloser Dessauer Handwerker um deren Koordinator Peter Squenz (Uwe Fischer) hat die Idee, auf eben der Showbühne ein Theaterstück zu "tragieren", nämlich "Piramus und Thisbe". Es gehe ihnen um öffentliche Anerkennung, denn "Kunst ist auch Arbeit". Köstlich und durchaus einfallsreich ist ihr fast mittelloses, letztlich aber erfolgreiches Bemühen. Die total enttäuschte Helen trifft derweil auf das mit Wohnwagen und Pkw angereiste Paar Helma und Wolf sowie dessen Freund Georg. Der Zuschauer erlebt lebensnah zwischenmenschliche Beziehungen - teils "über Kreuz" - die von Liebe und Freundschaft, derb-wildem Sex, jedoch auch von Eifersucht, Hass und handfestem Streit mit deftiger Fäkalsprache geprägt sind. Norman indes gewann den "Goldenen Mund", weil Cyprian, ein verkappter Götterbote, von ihm noch viel mehr haben wollte. Er wird später sein hocherotisches Verlangen mit dem Tod zu bezahlen haben. Aber erst später.

Denn einen weiteren, sehr surreal anmutenden Handlungsstrang hat Andrea Moses in ihre Inszenierung "eingezogen". Oberon (Stephan Korves) und Titania (Antje Weber) sind in Dessau "heruntergekommene" Götter. Sie finden jedoch nicht den "Draht" zu den Parkmenschen. Die Oberon und Titania an- und zugedachte Liebesmission für die irdische Menschheit artet aus in eigenem Streit, in wörtlich zu nehmender Entblößung. Antje Weber lässt den Zuschauer eine durch und durch laszive Göttin erleben, mit viel Frivolität - hart an der erträglichen Grenze, ohne bei der Betrachtung penibel sein zu wollen. Natürlich gibt es im Park auch eine Jugendszene. Ein "aufmerksamer Inspizient" versucht jedoch, sie vom Geschehen wegzudrängen.

In zweieinhalb Stunden Sommertheater folgt der Zuschauer den abwechselnd dominierenden Geschichten. Das durchweg vergnügliche und unterhaltsame Stück, für Dessauer Befindlichkeiten vom Dramaturgen Holger Kuhla geschrieben, trägt auch einen bitteren Beigeschmack. Wenn der schwarze Junge im Stück durch den Park gejagt wird, erinnert das sehr an Alberto Adriano, der in diesem Stadtpark getötet wurde. Andrea Moses inszenierte auf klassischer Grundlage ein Stück "aus, für und in Dessau". Und das gesamte Dessauer Schauspielensemble war bravourös zu Gange. Bleibt nur zu hoffen, dass manch Gesehenes nur "schlechte Träume" in heißen Sommernächten sind und bleiben. Die kommenden Aufführungen finden vom Mittwoch, dem 14. Juli, bis einschließlich Sonntag, dem 18. Juli, jeweils um 19.30 Uhr statt.

«Die Liebe hat verloren!» Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 10.07.2010

von Andreas Hillger

Da können selbst die Elfen nicht mehr helfen: Das Wettsingen um den "Goldenen Mund 2010" hat Finalistin Helen längst verloren, weil Moderator Cyprian in ihren schönen Gegenspieler mit der dunklen Haut vernarrt ist - und weil er ohnehin das letzte Wort hat. Noch ein "Thank you for the Music" und ein Abschiedswinken - dann war's das! Aber war's das wirklich?

Jagd auf schwarzen Jungen

Mit der Collage "Sommer Nacht Traum" haben Regisseurin Andrea Moses und Dramaturg Holger Kuhla ein Open-Air-Spektakel für den Dessauer Stadtpark entwickelt, das eine poppig bunte Oberfläche über dunklen Abgründen ausbreitet. Die Collage aus den Stücken "Der Park" von Botho Strauß und "Herr Peter Squenz" von Andreas Gryphius schlägt nicht nur eine Brücke zwischen dem 20. und dem 17. Jahrhundert - sie verweist zudem in die Zeitgeschichte des Ortes, an dem vor zehn Jahren der Mosambikaner Alberto Adriano ermordet wurde. Denn auch in der "Sommernachtstraum"-Paraphrase von Strauß geht es - wie schon bei Shakespeare - um einen Menschen, dessen exotische Erscheinung Aggressionen und Begehrlichkeiten weckt. Hier aber wird der Gejagte zum Jäger ...

Christian Wiehles Ausstattung beschwört einen wandernden Pop-Zirkus: Links von der großen Show-Bühne steht ein Wohnmobil, rechts findet ein Imbiss mit dem sinnigen Namen "Durstlöscher" Platz - und dazwischen klafft ein großer Mund, der seine Zunge als Laufsteg herausstreckt. Den darüber gespannten Schriftzug "Heart's Fear" kann man mit "Herzensangst" übersetzen, man kann ihn aber auch als lautmalerische Umschreibung der sozialen Endstufe Hartz IV lesen.

Aus dieser Sphäre stammen die Zaungäste der Casting-Show, die später die Bühne als Arbeitsplatz entdecken und dort ihre schaurig schöne Version von "Pyramus und Thisbe" in Szene setzen. Dem Camper-Paar Helen und Wolf geht es zwar finanziell besser, ihr emotionales Guthaben aber ist ebenfalls längst aufgebraucht - was sich auch von ihrem Freund Georg sagen lässt, der sich die enttäuschte Helen von der Bühne gepflückt hat. Von hoher Warte beobachten die Feenfürsten Oberon und Titania - nur mit kostbaren Pelzen bekleidet - das menschliche Treiben. Und dann ist da noch eine Bande von Jugendlichen, die den Park als ihr Revier beansprucht.

Andrea Moses skizziert eine Fülle von Charakteren und Konflikten, die sich gegenseitig verstärken oder behindern. Dabei versagt der Zauber, den die Naturgeister einst auf die Menschen ausüben konnten, zusehends: Titania (Antje Weber) wird von ihrer obszön animalischen Lust förmlich zerrissen, während ihr Gatte (Stephan Corves) mit einer Mischung aus Ekel und Mitleid feststellt: "Die Liebe hat verloren!". Sein einstiger Diener Cyprian (Matthieu Svetchine) dealt als schmieriger Entertainer mit Voodoo-Püppchen und lehnt ansonsten jede Verantwortung ab - schließlich bleibt seine eigene Gier auf den schwarzen Jungen (Derek Nowak) auch unbefriedigt.

Wie die Geister, so die Menschen: Helen (Katja Sieder) trägt in ihrem schönen Leib eine häßliche Seele spazieren, Helma (Susanne Hessel) drückt mangels eines Mannes Blumen an ihren Busen und Georg (Thorsten Köhler) misst seinen Selbstwert an der Rivalität mit Wolf (Sebastian Müller-Stahl). Die Handwerker (Uwe Fischer, Jan Kersjes, Hans-Jürgen Müller-Hohensee, Boris Malré, Gerald Fiedler, Harald Thiemann, Christel Ortmann) schließlich spielen sich um Kopf und Kragen, wobei die Proben komischer als das Resultat sind.

Mit und auf vielen Ebenen

Mit diesem Befund scheint auch das Problem der Inszenierung beschrieben zu sein: "Sommer Nacht Traum" spielt mit und auf vielen Ebenen und verliert sich zwischen all den Ansätzen immer wieder selbst aus dem Blick. Obwohl die Perspektiven pausenlos wechseln, werden die Figuren dadurch nicht plastischer. Das komplizierte Verhältnis der Paare etwa wird aus dem Nichts behauptet und später nach eben dort zurückverwiesen.

Das ist natürlich auch der bewussten Entzauberung geschuldet, die Strauß dem Shakespeare-Stoff verordnet hat. Daneben aber steht der Gryphius-Text, der stärker auf das Original verweist - und so auch auf Binnenbezüge, die diesem Stück in Stücken fehlen. Dass fast alle Akteure ihr Bestes geben, wobei sich besonders Jan Kersjes und Hans-Jürgen Müller-Hohensee, Thorsten Köhler und Matthieu Svetchine in die Herzen des Publikums spielen, betont die Vereinzelung der Figuren eher. Ein trauriger Befund für eine Komödie.

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