Sink hernieder, Nacht der Liebe

Die große Richard-Wagner-Gala

Nach dem überaus großen Erfolg der »Italienischen Operngala« in der Spielzeit 2009/2010 erweist das Anhaltische Theater in der neuen Spiel­zeit einem Komponisten Referenz, mit dessen Namen es seit 1857 in besonderer Weise verknüpft ist: Richard Wagner. 1857 ging mit »Tann­häuser« erstmals ein Werk Wagners über die Bühne des damaligen Her­zoglichen Hoftheaters. Nur sieben Monate nach der Münchner Uraufführung und neun Tage nach der Dresdner Erstaufführung fand am 30. Januar 1869 die Dessauer Erstaufführung der »Meistersinger von Nürnberg« statt. Die Reihe lässt sich fortsetzen, von Wagners Be­such in Dessau im Jahre 1872 – ein Aufenthalt, der in seinem Aufsatz »Ein Einblick in das heutige deutsche Opernwesen« insofern Niederschlag fand, als er die am Dessauer The­ater geleistete künstlerische Arbeit äußerst lobend erwähnte – über die Mitwirkung von zwölf Musikern der Dessauer Hofkapelle bei den ersten Bayreuther Festspielen 1876 bis zur »Lohengrin«-Premiere am 3. Oktober 2009 unter der musikalischen Leitung von GMD Antony Hermus und in der Inszenierung von Andrea Moses, die deutschlandweit Aufsehen erregte und mit seltener Einhelligkeit positiv besprochen wurde. Der Berliner »Tagesspie­gel« etwa schrieb: »Wann hat man eine so kluge, lebendige Wagner-Aufführung zuletzt in Berlin erlebt? Auf nach Dessau!«. Erleben Sie die Protagonisten unserer »Lohengrin«-Produktion sowie weitere Ensemblemit­glieder. Einen Schwerpunkt bilden natürlich Auszüge aus Wagners »Der Ring des Nibelun­gen«, der ab 2012, beginnend mit der »Götterdämmerung«, zyklisch für Dessau erarbeitet werden soll.

PRESSESTIMMEN

Herbert Henning, Orpheus, Jan./Febr. 2011

Wagner-Musik auf hohem Niveau

Aus ganz Deutschland waren nicht nur die "Wagnerianer" zur Richard-Wagner-Gala "Sink hernieder, Nacht der Liebe" ins Anhaltische Theater Dessau angereist. Und jeder künstlerische Beitrag der Sängerinnen und Sänger, des vortrefflich von Helmut Sonne einstudierten Opernchores und vor allem der Anhaltischen Philharmonie unter GMD Antony Hermus rechtfertigte den weiten Weg. Hier etabliert sich (nach Andrea Moses´aufsehenerregender Lohengrin-Inszenierung im vergangenen Jahr) wohl wieder das "Bayreuth des Nordens". Das musikalische dieser Wagner-Gala mit Ulf Paulsen und dem jungen stimmgewaltigen Pavel Shmulevich, mit Angus Wood und Wiard Witholt, vor allem aber mit Iordanka Derilova, die als Isolde, Kundry und Ortrud wahre Triumphe an diesem Haus feierte, wurde der Abend zu einem Erfolg des Musikalischen.
Mit "Einsam in trüben Tagen" debütierte die ausdrucksstarke Angelina Ruzzafante als Elsa, die sie in der Dessauer Inszenierung von Lohengrin ab Januar 2011 an der Seite des neuseeländischen Heldentenors Andrew Sritheran singen wird. Er überzeugte einmal mehr mit der ungekürzten Gralserzählung des Schwanenritters und bestach mit seiner leicht dunkel timbrierten Stimme. Mit der mitreißend (Bläser, Schlagwerk) intonierten Ouvertüre zu "Der fliegende Holländer" setzte zu Beginn das Orchester Glanzpunkte. Wunderbar gelang es dem Dirigenten, sich auf die ganz unterschiedliche Gefühlswelt der Musik und die Empfindungen der Sänger einzustellen. Ulf Paulsen sang mit schwarzem Bass den Holländer-Monolog und gestaltet berührend mit Stimmgewalt Wotans Abschied. Aus "Das Rheingold" brachten Angus Wood "Immer ist Undank Loges Lohn" und Pavel Shmulevich Wotans "Abendlich strahlt der Sonne Auge" mit sängerischer Perfektion, die für den geplanten "Ring" aufhorchen lässt, zu Gehör.
Die Anhaltische Philharmonie entfachte mit dem "Ritt der Walküren" ein musikalisches Feuerwerk und begleitete subtil den Opernchor beim "Einzug der Gäste" wie auch beim Brautchor aus "Lohengrin". Mit Isoldes "Mild und leise, wie er lächelt" bewies die charismatische Iordanka Derilova einmal mehr ihre hohe Stimmkultur und wusste leise, aber auch dramatische Akzente zu setzen. Noch stärker gelang es ihr mit dem Schlussgesang der Brünhilde aus der "Götterdämmerung". Hier zeigte es sich, dass die Sängerin sich nun endgültig als hochdramtischer Sopran etabliert hat.
Übrigens wechselt in den Gala-Abenden das Programm. Iordanka Derilova debütierte beim zweiten mit der Ballade der Senta. Für März 2011 wird neben "Lohengrin" und der Richard-Wagner-Gala das Ballett "Die Nibelungen" nach Hebbel Premiere haben. Junge Sänger, wie Wiard Witholt, der wundervoll mit baritalem Glanz Wolframs "Lied an den Abendstern" sang, und der junge russische Bassist Pavel Shmulevich, der "Das schöne Fest Johannestag" aus den "Meistersingern" tadellos und sprachlich wohl artikuliert gab, garatieren am Anhaltischen Theater, dass die großen Vorhaben von GMD Antony Hermus nicht nur in Sachen Wagner glücken werden.

Franz Werfel, Mitteldeutsche Zeitung, 17.11.2010

Mit Gipsarm durch Wagners Welt

GALA
Anhaltische Philharmonie, Solisten und Chor widmen sich Richard Wagners großem Opernschaffen.

Eine Ouvertüre eröffnete das Konzert. Und eine ziemlich schwungvolle dazu. Wagners „Fliegender Holländer" bildete am Sonntagabend bei der Richard-Wagner-Gala der Anhaltischen Philharmonie den Auftakt für einen zweieinhalbstündigen repräsentativen Querschnitt durch das Opernwerk des großen Orchestrierers. Bereits zum zweiten Mal sank in dieser Spielzeit die „Nacht der Liebe" in Dessau hernieder.

Beeindruckend am Sonntag:

Generalmusikdirektor Antony Hermus dirigierte wie stets auf hohem Niveau mit seiner körperlichen Präsenz und Konzentration, obwohl sein linker Arm eingegipst war. Würden sich andere Dirigenten bei so einer Entzündung längst nicht mehr aufs Pult stellen, wollte Hermus der Dessauer Musikgemeinde nicht absagen.

Dynamischer Auftakt

So spielte die Anhaltische Philharmonie wie mittlerweile gewohnt dynamisch auf, ließ der volltönende Orchesterklang erkennen, wie Wagner bei genannter Ouvertüre bereits die Bandbreite der einzelnen Instrumente durchdekliniert. Einen ersten Höhepunkt konnte Ulf Paulsen mit dem Holländer Monolog setzen. Der Bassist zeichnet die Entwicklung des im pianissimo fast nur gehauchten und dennoch den großen Saal füllenden „Die Frist ist um" bis hin zum verzweifelt rufenden fortissimo „Vergeb'ne Hoffnung" plastisch nach . Jubel im Publikum. Auch Wiard Witholt sang die tiefromantische Tenor-Arie „Oh, du mein holder Abendstern“ aus dem „Tannhäuser" sehr überzeugend. Das Zarte, suchend Flehende ist bei ihm hervorragend herausgearbeitet.

Die ganze Gralserzählung

Dessaus Lohengrin, Andrew Sritheran, durfte, wie auch in der mittlerweile für den Theaterpreis „FAUST“ nominierten Inszenierung Andreas Moses', seine ungekürzte Gralserzählung vortragen. Erneut überzeugte der gebürtige Neuseeländer mit seinem strahlenden, hellen Tenor, der auch in den hohen Lagen sehr präsent bleibt. Allein eine etwas verständlichere Artikulation wünschte man sich dann doch. Kammersängerin Iordanka Derilova stellte noch ihre Interpretation von Isoldes Liebestod „Mild und leise" vor. Ihr samtiges, warmes Timbre, das sie sich auch in höchsten Höhen erhält, und ihre tief gefühlten Emotionen waren wie so oft schlicht großartig.
Der zweite Teil gab - nach dem Brautchor des „Lohengrin", den der Opernchor des Anhaltischen Theaters sehr ausdrucksstark und präzise sang - vor allem einem eindrücklichen Ausblick darauf, Wie die Dessauer „Ring"-Tetralogie ab 2012 klingen könnte.

Als Gott Loge empfahl sich Tenor Angus Wood mit dem Monolog „Immer ist Undank Loges Lohn!", woraufhin der erst 28-jährige Pavel Shmulevich - erstmalig in heldenbaritonalen Höhen unterwegs - seinen Wotan-Monolog sang. Beide sowie auch Sopranistin Angelina Ruzzafante überzeugten durch Präzision und dennoch befreiend interpretiert gesungene Passagen.

Da Dessaus „Ring des Nibelungen" ab 2012 mit dem letzten Teil, der "Götterdämmerung", beginnen wird, sollte eine Arie aus diesem Werk die Wagner-Gala beschließen. Was hätte dabei passender erscheinen können als ein Schlussgesang? So verabschiedete Iordanka Derilova das Publikum mit Brünhildes Schlussarie „Starke Scheite". Dass an diesem Abend immer wieder einige Einsätze im Orchester nicht ganz genau gelangen, mag entschuldigt werden. GMD Hermus aber unterstreicht mit dieser Wagner-Gala einmal mehr seine konsequente Wagner-Behandlung. Wagner klingt bei ihm stets so neu und unverbraucht, so wohltuend frisch.

Ein gelungenes "Wagner-Medley" also, das den Großmeister des Orchesters aus verschiedenen Perspektiven zusammenschaute. Die Erklärungen des Dessauer Operndirektors Heribert Germeshausen ermöglichten zudem verschiedene Einblicke in das komplexe Universum Wagner.

Die wenigen Zuhörer im Saal dankten es dem Ensemble zu Recht mit langem Applaus. Die dritte Auflage der Gala am 15. Januar sei allen Wagner-Liebhabern anempfohlen.

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