Schaf

Kinderoper von Sophie Kassies
für Menschen ab 5

Dort, wo das Gras am grünsten ist, lebt Schaf – mit tausend anderen Schafen. Sein Leben ist in Ordnung, bis sich plötzlich Lorenzo in die Schafherde flüchtet. Lorenzo ist ein Prinz, der auf keinen Fall König werden will. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, doch es gibt ein Problem: Schaf hat keinen Namen. Denn wenn man ein spezieller Jemand für jemanden sein möchte, braucht man einen Namen. Aber wo kriegt man so einen Namen her? Deswegen macht sich Schaf auf den Weg, um herauszufinden, wer es ist. Sänger und Musiker erzählen mit Leichtigkeit und Humor von der Suche nach der eigenen Identität, von der Sehnsucht, besonders sein zu wollen und doch dazuzugehören. Die musikalischen Weggefährten auf dieser Reise sind Georg Friedrich Händel, Claudio Monteverdi, Henry Purcell und Antonio Vivaldi.

Inszenierung Dirk Schmeding
Musikalische Leitung Stefan Neubert
Bühne Nicole Bergmann
Kostüme Katja Schröpfer
Dramaturgie Imme Heiligendorff
Sängerin 1 Cornelia Marschall / Sarah Davidovic / Sharleen Joynt
Sängerin 2 Anne Weinkauf
Schauspielerin Eva Marianne Berger
Schauspieler Patrick Rupar
Pianist/ Cembalist Stefan Neubert
Cellist Gerald Manske / Timm Carnarius

PRESSESTIMMEN

Hans Schmidt, Stadtmagazin INGO, Febr. 2011

Ein Schaf begibt sich auf Namensuche
Manchmal haben Menschen Angst davor, eine Aufgabe zu übernehmen. So geht es auch Lorenzo, der heute noch Prinz ist und morgen schon König werden soll. Er flüchtet und begegnet auf seinem Weg einem Schaf. Das Schaf hilft ihm, sich vor seinen Verfolgern zu verstecken und daraufhin wird mit einem Handschlag eine lebenslange Freundschaft besiegelt.
Und genau da beginnen erst die richtigen Probleme für das Schaf. Erstmals in seinem Leben hat es einen Freund gefunden, aber der Freund weiß nicht, wie er es ansprechen soll. Denn: das Schaf hat keinen Namen. So begibt sich das Schaf in die weite Welt hinaus, um den passenden Namen für sich zu finden.
Auf der Studiobühne des Alten Theaters Dessau wird die Geschichte des Schafes in einer Musiktheaterinszenierung für Kinder gezeigt. Dirk Schmeding hat die Kinderoper von Sophie Kassies mit Schauspielern, Sängern und Musikern besetzt. Es erklingt Musik von Georg Friedrich Händel, Claudio Monteverdi, Henry Purcell und Antonio Vivaldi. Die Autorin hat den bekannten Arien neue Texte gegeben, die das Spiel auf der Bühne voran treiben. Die Solistinnen Sharleen Joynt (Sopran) und Anne Weinkauf (Mezzosopran) bewältigen nicht nur diese Lieder mit Leichtigkeit, sondern wirken auch aktiv in der Handlung mit. Gleiches gilt für die beiden Musiker Boris Cepeda (Cemballo) und Gerald Manske (Cello). Die häufigsten Rollenwechsel muss jedoch Matthieu Svetchine bewältigen. Er erscheint als Prinz Lorenzo, als Torwächter, als Dolores, als Gastgeber und als Engel. Seine Auftritte werden von dem jungen Publikum mit ganz viel Beifall versehen. Viel Sympathie zeigen die kleinen Theatergäste auch für Eva Marianne Berger, die in die Rolle des Schafs geschlüpft ist. Ihre natürliche Spielweise begeistert.
Viel erlebt das Schaf auf seiner Suche nach einem Namen, manchmal Freudiges, manchmal aber auch Trauriges. Zum Schluss erscheint ein Engel, der ihm einen Namen in einem verschlossenen Briefumschlag überreicht. Wird das Schaf ihn öffnen? Das erfährt man beim Besuch der Vorstellung "Schaf" in Dessau-Roßlau.
Mit Leichtigkeit und Humor erzählt die Kinderoper von der Suche nach eigener Identität und von der Sehnsucht, etwas Besonderes zu sein. Die Schlusspointe wird von den Kindern sehr gut verstanden, wie INGO an Gesprächen nach der Aufführung feststellte. Die jungen Theatergäste sprachen mit ihren Begleitpersonen, zum Teil Oma und Opa, zum Teil auch Kindergärtnerinnen oder Lehrer, über die Entscheidung des Schafes und fanden sie gut. Erfreulich war auch, dass die Theaterpädagogin sowohl vor als auch nach dem Stück für Gespräche mit den Gästen bereitstand.
"Schaf" ist eine gelungene Inszenierung, die ganz junge Menschen sehr einfühlsam an das Theater heranführt und nachdrücklich beweist, dass es auch ohne Superstar-Shows geht.

Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 16.02.2010
Dirk Schmeding inszeniert eine abenteuerliche Reise, die die Zuschauer begeistert
Alles beginnt mit einem Handschlag und ordentlich Spucke drauf. Was gemeinhin feucht eine Freundschaft besiegelt, stürzt Schaf in tiefste Ratlosigkeit. Bis zum folgenschweren Händedruck war das Leben für das Tier in Ordnung. Es war eben ein Schaf, eines unter vielen. So ist das, wenn man in Herden lebt. Nun aber hat Schaf einen Freund, Lorenzo heißt der, ist Prinz und schon des Thrones überdrüssig, obwohl er noch gar nicht darauf saß. Schaf hilft ihm, die Krone zu verstecken, und dies ist dem Königssohn die Freundschaftsanfrage wert. Weil Mensch aber nicht nur einfach Katze und Hund oder Junge und Mädchen zum Freund hat, weil alles einen Namen hat, meint Lorenzo, dass dies auch für Schaf gelten müsse. Also zieht Schaf in die Welt, um dazu zu gehören.
Die Suche startet auf der Studiobühne des Alten Theaters. Schaf zieht sich die Reiseschuhe über, wickelt den Schal um den Hals, schnürt den Rucksack, setzt den Helm auf - aus einem Strohballen wird ein Reisegefährt und am Horizont führt die Straße ins Unendliche und eine ungewisse Reise. Dirk Schmeding nimmt Kinder ab fünf Jahren auf dieser Schaf-Tour mit. Er hat „Schaf“, ein Musiktheaterstück für Kinder von Sophie Kassies, inszeniert, und das Publikum damit in Begeisterung versetzt.
Nicole Bergmanns Bühne atmet mit ihren rustikalen Brettern geradezu die Landluft, kann Tanzboden gleichermaßen wie später auch Friedhof sein. Darin agiert mit größter Spielfreude ein bunt gemischtes Ensemble mehrerer Sparten: zwei Schauspieler, zwei Sängerinnen und zwei Musiker. All diese braucht’s in Schaf, denn das Stück ist reich versehen mit barocker Musik von Händel, Purcell und Monteverdi. Autorin Kassies hat den Arien neue Texte gegeben, die die Handlung forcieren und kommentieren. Schmeding lässt die Sängerinnen Cornelia Marschall und Anne Weinkauf indes nicht nur singen, sondern bezieht sie auch wie die beiden Musiker Stefan Neubert und Timm Carnarius in das Spiel mit ein. Mal sind sie das Personal einer ausgelassenen Kostümparty mit Schaf im Mittelpunkt, mal applaudierendes Volk beim Aufritt des Prinzen. Dessen Darsteller Hajo Tuschy ist gleich in fünf Rollen zu erleben und darin verblüffend wandelbar. Er tanzt als Wolf mit dem Schaf, empört sich am Grab, wenn Schaf überlegt, dort den Namen eines Toten zu übernehmen und bringt letztlich dem Titelhelden des Stücks als Engel eine gute Botschaft.
Da aber will Eva Marianne Bergers Schaf von all der Namenssuche schon nichts mehr wissen. Vom Mähen hat es zu einer eigenen Sprache gefunden, hat viel erlebt, wurde gejagt und missverstanden. Berger gibt ihr Schaf gleichermaßen entschlossen und verletzlich, lässt es ratlos und euphorisch sein, ausgelassen tanzen oder erschöpft ruhen. So viele Facetten, wie sie spielt, gehen kaum auf eine Schafhaut. Am Ende aber überwiegt nur eine Erkenntnis: „Man braucht keinen besonderen Namen, um ein besonderes Schaf zu sein“. Darauf gibt es noch mal einen Handschlag mit Lorenzo. Der Umschlag, in dem ein Engel schließlich den Namen von Schaf nach all seinen Mühen brachte, bleibt verschlossen. Es geht auch ohne Namen.
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