Peter und der Wolf

Musikalisches Märchen mit Handpuppen

Für Menschen ab 5 Jahren


Mit „Peter und der Wolf“ kommt die wahre Geschichte vom Wolf und dem Peter mit Handpuppen erzählt und viel Musik frei nach dem musikalischen Märchen von Sergej Prokofjew auf die Bühne. Nach der beim Publikum beliebten Vorweihnachtsgeschichte „Hirsch Heinrich“ ist „Peter und der Wolf“ die zweite Inszenierung der Regisseurin Stephanie Rinke am Anhaltischen Theater in Dessau. Ein Leben lang wurde er gejagt als ein Bösewicht, in jedem Märchenbuch findet man Schauergeschichten über ihn, wo er auch auftaucht, ist er stets der böse Wolf. Doch der Wolf weiß, dass all diese Geschichten, auch jene von ihm und dem kleinen Peter, frei erfunden sind. Also rückt er die ewig alte Geschichte gerade und spielt mit allem was er in der Ödnis am Rand der Stadt findet, seinem Publikum die lustige und traurige, doch wahre Begebenheit von einem Wolf der Hunger hatte und für den ein völlig neues Leben begann, als er damals vom Peter verjagt wurde!


Vorstellungsdauer: 50 Min.

Idee, Umsetzung und Inszenierung Stephanie Rinke
Bühne, Ausstattung und Puppen Claudia Sill
Spiel Helmut Parthier

PRESSESTIMMEN

Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung,12.04.11

Vegetarische Variation auf Ente barbarisch

Das von Stephanie Rinke inszenierte Puppenspiel „Peter und der Wolf“ rehabilitiert das Raubtier auf der Puppenbühne im Alten Theater.

Wie die Wiese am Morgen saftig erwacht, wie der Vogel Flötentöne zwitschert, wie die Wolfschlinge filigran vom Baum tänzelt und wie sul ponticello, nah am Steg gestrichen, dröhnend die Ente verschlungen wird: So etwa lieferte Sergej Prokofjew mit „Peter und der Wolf" Generationen von Kindern einen lautmalerischen Grundkurs der Instrumentenkunde. Nun ist der Wolf ein Clochard und die Ente frisst, unerkannt in einer roten Reisetasche kauernd, am vermül!ten Rand der Stadt eine Pizza.

„Peter und der Wolf" feierte am Sonntag in einer Inszenierung von Stephanie Rinke Premiere im Alten Theater. Das musikalische Lehrstück wechselt als Puppenspiel das Lernziel, bekundet die verkannte Menschlichkeit des Wolfes und ein wenig auch die Wolflichkeit des Menschen. Schließlich wollte der Großvater die Ente am Sonntag ohnehin braten, was Prokofjew verschwieg, wahrscheinlich aus Gründen der Staatsraison, dem klaren Schnitt zwischen Böse und Gut.

Links flackert eine Laterne auf der Bühne, rechts türmt sich ein Müllhaufen und in der. Mitte sitzt der alte Wolf vor einem Plakat, welches für eine Ausstellung von Henri Rousseaus Dschungelbildern wirbt. Diese Bilder vermischen nicht nur Realität und Traum, sie nehmen der phantastischen Atmosphäre auch einiges an Aggression und eignen sich so ganz trefflich für die späte Rehabilitation des Wolfes, auch wenn der mit falschen Haaren spielt. Nicht nur die Fülle der künstlichen Hornfäden macht aus Puppenspieler Helmut Parthier einen Bilderbuch-Clochard. Er ist schlicht sympathisch, verlebt, verliebt, verkannt, ein leicht selbstmitleidiger Gut-Wolf, der in die Jahre kam und Kinder zu fesseln versteht.

Was in der roten Tasche steckt, weiß niemand zu Beginn. Es isst oder frisst jedenfalls Pizza, die der Wolf im Müll fand. Dort fand er auch den Text seiner alten Geschichte und das possierliche Puppenpersonal mit redenden Gesichtern, nebst einer Prinzessin, die er auf die Erbse wirft, weil diese Rolle hier keine Rolle spielt. Aus einem alten Radio unter der alten Laterne über einem alten Papierkorb ertönt die alte Geschichte, die immer mal an Loriots Wortlaut erinnert und immer wieder vom Wolf, der endlich die wahre Geschichte erzählen will, ganz köstlich unterbrochen und ganz energisch korrigiert wird.

Zur pädagogisch verdienstvollen Vorstellung der Musikinstrumente, zieht der Wolf die Figuren aus einem verworfenen Koffer. Bevor Peter dann auf die Wiese läuft und die Wiese mitläuft, zerreißt das Plakat, wird, auseinander geschoben, zu einem Wald, der nun begangen und bespielt werden kann und somit in der Lücke lückenlos und anschaulich (Ausstattung Claudia Sill) das Vorspiel bindet. Mit einigen fröhlichen Einschiebseln, flatternder Schmetterling und heulender Wolf, wird die Geschichte nun lebendig erzählt. Allerdings haben sich, so muss es wohl gewesen sein, Wolf und Ente zum Fressen gern. Sie lieben sich wirklich, nach all den Jahren noch.

„Das Märchen ist aber ein bisschen falsch, finde ich“, sagt ein offenbar am Original geschultes Mädchen im Vorschulalter, das dem Geschehen auf der Puppenbühne mit allen Fingern am Mund gespannt folgt. Übrigens ließ schon Walt Disney die Ente überleben. Nun ist der Wolf, ohne zum Kuscheltier zu werden, rehabilitiert, die Vorurteile demontiert und die Zuordnung der Werte relativiert. Oder doch domestiziert? Denn der Wolf bleibt ein Raubtier und die Wertung das Problem, trotz alledem. Aber wenn die Ente endlich aus der roten Tasche guckt, muss das Raubtier zum Vegetarier werden. Und der Stadtstreicher enttarnt sich im Rausch des Beifalls: Er zieht die Perücke vom partiell kahlen Haupt. Noch ein Happy End?

Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung,12.04.11

Vegetarische Variation auf Ente barbarisch

Das von Stephanie Rinke inszenierte Puppenspiel „Peter und der Wolf“ rehabilitiert das Raubtier auf der Puppenbühne im Alten Theater.

Wie die Wiese am Morgen saftig erwacht, wie der Vogel Flötentöne zwitschert, wie die Wolfschlinge filigran vom Baum tänzelt und wie sul ponticello, nah am Steg gestrichen, dröhnend die Ente verschlungen wird: So etwa lieferte Sergej Prokofjew mit „Peter und der Wolf" Generationen von Kindern einen lautmalerischen Grundkurs der Instrumentenkunde. Nun ist der Wolf ein Clochard und die Ente frisst, unerkannt in einer roten Reisetasche kauernd, am vermül!ten Rand der Stadt eine Pizza.

„Peter und der Wolf" feierte am Sonntag in einer Inszenierung von Stephanie Rinke Premiere im Alten Theater. Das musikalische Lehrstück wechselt als Puppenspiel das Lernziel, bekundet die verkannte Menschlichkeit des Wolfes und ein wenig auch die Wolflichkeit des Menschen. Schließlich wollte der Großvater die Ente am Sonntag ohnehin braten, was Prokofjew verschwieg, wahrscheinlich aus Gründen der Staatsraison, dem klaren Schnitt zwischen Böse und Gut.

Links flackert eine Laterne auf der Bühne, rechts türmt sich ein Müllhaufen und in der. Mitte sitzt der alte Wolf vor einem Plakat, welches für eine Ausstellung von Henri Rousseaus Dschungelbildern wirbt. Diese Bilder vermischen nicht nur Realität und Traum, sie nehmen der phantastischen Atmosphäre auch einiges an Aggression und eignen sich so ganz trefflich für die späte Rehabilitation des Wolfes, auch wenn der mit falschen Haaren spielt. Nicht nur die Fülle der künstlichen Hornfäden macht aus Puppenspieler Helmut Parthier einen Bilderbuch-Clochard. Er ist schlicht sympathisch, verlebt, verliebt, verkannt, ein leicht selbstmitleidiger Gut-Wolf, der in die Jahre kam und Kinder zu fesseln versteht.

Was in der roten Tasche steckt, weiß niemand zu Beginn. Es isst oder frisst jedenfalls Pizza, die der Wolf im Müll fand. Dort fand er auch den Text seiner alten Geschichte und das possierliche Puppenpersonal mit redenden Gesichtern, nebst einer Prinzessin, die er auf die Erbse wirft, weil diese Rolle hier keine Rolle spielt. Aus einem alten Radio unter der alten Laterne über einem alten Papierkorb ertönt die alte Geschichte, die immer mal an Loriots Wortlaut erinnert und immer wieder vom Wolf, der endlich die wahre Geschichte erzählen will, ganz köstlich unterbrochen und ganz energisch korrigiert wird.

Zur pädagogisch verdienstvollen Vorstellung der Musikinstrumente, zieht der Wolf die Figuren aus einem verworfenen Koffer. Bevor Peter dann auf die Wiese läuft und die Wiese mitläuft, zerreißt das Plakat, wird, auseinander geschoben, zu einem Wald, der nun begangen und bespielt werden kann und somit in der Lücke lückenlos und anschaulich (Ausstattung Claudia Sill) das Vorspiel bindet. Mit einigen fröhlichen Einschiebseln, flatternder Schmetterling und heulender Wolf, wird die Geschichte nun lebendig erzählt. Allerdings haben sich, so muss es wohl gewesen sein, Wolf und Ente zum Fressen gern. Sie lieben sich wirklich, nach all den Jahren noch.

„Das Märchen ist aber ein bisschen falsch, finde ich“, sagt ein offenbar am Original geschultes Mädchen im Vorschulalter, das dem Geschehen auf der Puppenbühne mit allen Fingern am Mund gespannt folgt. Übrigens ließ schon Walt Disney die Ente überleben. Nun ist der Wolf, ohne zum Kuscheltier zu werden, rehabilitiert, die Vorurteile demontiert und die Zuordnung der Werte relativiert. Oder doch domestiziert? Denn der Wolf bleibt ein Raubtier und die Wertung das Problem, trotz alledem. Aber wenn die Ente endlich aus der roten Tasche guckt, muss das Raubtier zum Vegetarier werden. Und der Stadtstreicher enttarnt sich im Rausch des Beifalls: Er zieht die Perücke vom partiell kahlen Haupt. Noch ein Happy End?

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