Oskar und die Groschenbande (UA)

Kinderoper von Christoph Reuter, Text von August Buchner

Unter der Schirmherrschaft von Ragna Schirmer

Nachdem im Rahmen des fünften Kongresses „Kinder zum Olymp!“ im Juni 2011 erste Ausschnitte der Kinderoper „Oskar und die Groschenbande“ gezeigt wurden, es eine Voraufführung zum Theatertreffen der Länder Sachsen-Anhalt und Brandenburg im September 2011 gab, gelangt die mit großer Spannung erwartete Kinderoper am 10. März zur Uraufführung und Premiere. „Oskar und die Groschenbande“ erzählt die Geschichte des kleinen Jungen, Oskar, der sich in die 1920er Jahre träumt, wo er sich einer Bande von Waisen und Obdachlosen anschließt, die als Kleinkriminelle von einem Verbrecher auf Diebestour geschickt wird. Eine Geschichte voller Abenteuer und spannender Erlebnisse entspinnt sich. Mit Hilfe von Oskar schafft es die Gruppe sich aus der Abhängigkeit des Verbrechers zu lösen und diesen an die Polizei auszuliefern. Die Handlung verarbeitet Elemente der „Bettleroper“ von John Gay, die Bertolt Brecht und Kurt Weill als Vorlage für ihren Sensationserfolg der „Dreigroschenoper“ diente. Die Musik von Christoph Reuter ist für großes Streichorchester, Bläser und Schlagzeug im Grenzbereich zwischen Jazz, Tango, Chanson und Musik der 1920er Jahre, aber mit Einflüssen aus der heutigen musikalischen Welt.

Eine Oper für Kinder von Kindern. Ca. 50 Kinder und Jugendliche agieren hier auf der Bühne wie auch im Orchester und stellen gemeinsam mit Erwachsenen die Geschichte von Oskar dar. Durch die Voraufführungen wurden die Kinder an die Situation der Aufführung herangeführt und durch Erfolgserlebnisse weiter für die Probenarbeit begeistert. Um die Verbundenheit zu Kunst und Kultur auch bei nicht direkt an der Aufführung beteiligten Kindern zu stärken, sind zahlreiche Schulen in die Vermittlungsarbeit eingebunden – ebenfalls nach dem Prinzip junge Menschen bringen jungen Menschen Kunst nahe. So sind ca. 40 Schüler an der Erarbeitung einer Werkeinführung, der Gestaltung der Werbemittel, Erstellung des Programmheftes und der Herstellung des Bühnenbildes aus verschiedenen Bildungseinrichtungen beteiligt.

Gemeinschaftsproduktion des Anhaltischen Theaters mit dem K.I.E.Z. e.V. | Unterstützt durch das Kurt Weill Fest Dessau | Ausgezeichnet mit dem Bürgerpreis der Stadtsparkasse Dessau | Gefördert von der Lotto Toto GmbH, der Stadt Dessau und dem Land Sachsen-Anhalt

Musikalische Leitung Stefan Neubert
Inszenierung Silke Wallstein
Bühne Nicole Bergmann
Kostüme Katja Schröpfer
Choreografie Gabriella Gilardi
Dramaturgie Sophie Walz
Video Barbara Janotte
Chorleitung Dorislava Kuntscheva
ERWACHSENE
Erzähler, Zweiter Herr (Tram), Erich Ponto, Kommissar Braun Patrick Rupar
Schaffner, Kurt Gerron, Bankdirektor Sebastian Müller-Stahl
Vater Hobusch, Erster Herr (Tram), Pit Schumm, Harald Paulsen Frank Roder
Dame im Zug, Zweite Dame (Tram), zweite Bankangestellte Kristina Baran
KINDER
Oskar Hobusch Conrad Papesch / Tim Keddi
Kaiser Georg Hans Höpfner
Dietrich mit dem Dietrich Moritz Barth
Polly Braun Hannah Fricke
Bertolt Matthias Wendenburg
Kurt Eva-Julia Nielebock
Hakenfinger Senior Paul Groß
Hakenfinger Junior Julius Brück
Robin Hut Tim Keddi
Karl Lauer Carl von Wolffersdorff
Münzmaria Anja Eckert
Groschengretel Emma Teichert
Holly Molly Laetitia Hippe
Penny-Jenny Charlotte Antal
Leo Poldi Marvin Christoph
Minimax Leopold Peter
erstes Kind Mark Vincent Wodner
zweites Kind Karolina Tolmachev

PRESSESTIMMEN

Andreas Hauff, nmz online, 16.03.2012

Das Kurt Weill Fest wird produktiv: Uraufführung der Kinderoper „Oskar und die Groschenbande“
Schon viele Bearbeitungen hat die „Beggars’ Opera“ von John Gay und Christopher Pepusch erlebt. Weills und Brechts „Dreigroschenoper“, selbst eine dieser Bearbeitungen, produziert nun ihrerseits Nachfahren. 2010 hatte in Dessau beim Kurt Weill Fest Moritz Eggerts „Bordellballade“ Premiere, jetzt legen Anhaltisches Theater und Weill Fest erfolgreich nach mit der Uraufführung von „Oskar und die Groschenbande“, einer Kinderoper von Christoph Reuter und August Buchner.
Oskar Hobusch, ein pfiffiger, etwas altkluger Schüler von etwa 12 Jahren, wird von seinem Vater am Dessauer Bahnhof in den Zug nach Berlin gesetzt. Dort soll er Anschluss an seine Schulklasse finden, deren Abfahrt er wegen Krankheit verpasst hat. Als Reiselektüre gibt ihm sein Vater ein Buch mit. Ob es nun am Sog der erzählten Geschichte oder an den Nachwehen des Fiebers liegt – Oskar gerät in die Handlung des Buches selbst hinein. Als er am Bahnhof Zoo aussteigt, um die Diebe seines Rucksacks zu verfolgen, findet er sich zu seinem Erstaunen in der Vergangenheit wieder: „1928 – kein Wunder, dass ich kein Netz habe!“ Und da in seinem Buch anstelle einer Fortsetzung nur noch blanke Seiten zu sehen sind, muss er das Abenteuer dieser Zeitreise nun selbst bestehen.
Verübt wurde der Rucksack-Diebstahl von einer Kinderbande, die ihre Beute einem gewissen Pit Schumm abliefern muss, der wiederum mit einem Polizeikommissar namens Braun kungelt. Unschwer sind hier die Vorbilder aus „Beggar’s Opera“ und „Dreigroschenoper“ auszumachen, allerdings gemischt mit Motiven aus Erich Kästners Kinderbuch „Emil und die Detektive“. So gelingt es am Ende auch den Kindern, Schumm unschädlich zu machen, und Oskar kann mit seinem Rucksack die Rückreise in die Gegenwart antreten.
Ähnlich wie in dem deutschsprachigen Musical-Klassiker „Linie 1“ ist die eigentliche Handlung eher einfach gestrickt; der Reiz des Stückes liegt in den einzelnen Stationen und dem entfalteten Berlin-Panorama. Nur ist es hier das Berlin vom September 1928, und wie zufällig ist die gerade am Schiffbauerdamm-Theater uraufgeführte „Dreigroschenoper“ in aller Munde. Oskar trifft sogar die drei Star-Darsteller Erich Ponto, Kurt Gerron und Harald Paulsen beim Plausch in der Garderobe und bekommt ein Autogramm für seinen Vater, der selbst Schauspieler ist.
„Kurt war darunter und Erich dabei, und Harald hat Macheath gegeben“ singen die Drei im „Garderobensong“, und spätestens wenn Christoph Reuters Musik den „Kanonensong“ anklingen lässt, wird klar, dass Text und Musik voller witziger Verweise auf die „Dreigroschenoper“ stecken. August Buchners Texte bringen es dabei fertig, Brecht unter der Hand zu parodieren und trotzdem ganz eigene Geschichten zu erzählen – wie die von der Kudamm-Polly, die sich anders als die Seeräuber-Jenny kein Piratenschiff, sondern eine Schauspielkarriere erträumt. Christoph Reuters schwungvoll konzipierte Musik könnte – zumal in der ersten Hälfte – noch ein wenig mehr Farbe vertragen. Doch sie übersetzt ansprechend und wirkungsvoll die Energie der Texte in den richtigen Tonfall und Gestus. Nicht Andrew Lloyd Webbers Schlagerfabrik steht hier Pate, sondern der feinere Pinsel eines Steven Sondheim. Auf der Bühne stehen, singen, tanzen und wirbeln 18 namentlich genannte Kinder, von denen Conrad Felix Papesch (Oskar Hobusch) und Hannah Fricke (Polly Braun) besonders souverän agieren, dazu Kinderchor, Kinderballett und vier erwachsene Darsteller des Anhaltischen Theaters. Im Orchestergraben sitzen Mitglieder der Anhaltischen Philharmonie zusammen mit Kinder und Jugendlichen der Dessauer Musikschule. Die musikalische Leitung ist bei Stefan Neubert, Repetitor am Anhaltischen Theater an sicheren Händen. Zu einem imponierenden Gesamteindruck fügen sich Silke Wallsteins Regie, Gabriella Gilardis Choreografie, Nicole Bergmanns Bühne, Barbara Janottes Videosequenzen und Katja Schröpfers Kostüme. Einziges Manko dieser Premiere ist die schlechte Textverständlichkeit der Dialoge, die durch übersteuerte Mikrophone noch verschärft wird. Insgesamt entsteht in „Oskar und die Groschenbande“ eine vitale Liebeserklärung: An Brecht und Weill, an die „Dreigroschenoper“, an das Theater überhaupt und an seine in den vielen lebendigen Kindern auf der Bühne verkörperte Zukunft – und nicht zuletzt an die Stadt Dessau selbst. Wenn Oskar Hobusch seinen Berliner Freunden von 1928 das Lied „Meine Stadt“ singt, ist da auch von einer legendären Institution die Rede: „Das Bauhaus ist ein Bürgerschreck aus Dreieck, Kreis, Quadrat, ein rotgelbblauer Schönheitsfleck, ein Zukunftsautomat.“ Das wirkt wie ein Weckruf an die Stadt an Mulde und Elbe, die zunehmend in Lethargie und musealer Nostalgie zu versinken scheint. Aber das gibt es nicht nur in Dessau-Roßlau, und überhaupt ist dieser „Oskar“ zu gut, um nach dem Weill-Fest in der Versenkung zu verschwinden.

Franz Werfel, Mitteldeutsche Zeitung, 13.03.2012

Zeitreise mit der Groschenbande
"Das Theater ist der seligste Schlupfwinkel für diejenigen, die ihre Kindheit heimlich in die Tasche gesteckt und sich damit auf und davon gemacht haben, um bis an ihr Lebensende weiterzuspielen." Max Reinhardts Zitat stand der Premiere von "Oskar und die Groschenbande" voran. Erzähler Patrick Rupar stimmte damit am Samstagabend auf vergnügliche 100 Theater-Minuten ein, denn: Wo wären Kinder mit ihrer Fantasie und Kreativität besser aufgehoben, als auf einer Bühne? Die des Anhaltischen Theaters sollte sich dann auch mit zahlreichen jungen Akteuren füllen. Beinahe 60 mitwirkende junge Menschen aus Kinderchor und -ballett des Theaters sowie Musikschüler im Orchestergraben nahmen das Publikum im ausverkauften Haus mit auf eine Reise in das Berlin der späten 1920er Jahre.
Im Rahmen des 20. Kurt Weill Festes erlebte die Kinderoper des Komponisten Christoph Reuter und des Autors August Buchner nach Voraufführungen und Umarbeitungen seine Uraufführung. Erzählt wird die Geschichte des Dessauer Jungen Oskar Hobusch (stimmlich und körperlich cool: Conrad Felix Papesch), der sich - "Es ist der Vorteil dieser Stadt, dass sie einen Bahnhof hat" - als Nachzügler allein auf Klassenfahrt nach Berlin begibt. Von seinem schauspielernden Vater (Frank Roder) bekommt er als Reiselektüre ein Jugendbuch geschenkt. Vielleicht der Kästner-Klassiker, dessen Motive behutsam in die Oper mit eingeflossen sind? Aber sicherlich kein Groschenroman, denn das Buch begleitet ihn zwar nach Berlin, versetzt ihn allerdings auch ins Jahr 1928. Eine Zeit also, in der es den Groschen noch gibt, in der die neue Brecht-Weill-Premiere "Die Dreigroschenoper" im Theater am Schiffbauerdamm in aller Munde ist.
Unbeschriebene Blätter
Wird nun die Brechtsche Bande um die Familie Peachum einfach verjüngt oder schwingt doch ein wenig Dickens Oliver Twist mit? Jedenfalls landet Oskar in einer Clique von Kinderdieben, die dem Kriminellen Pit Schumm für schmutzige Deals zu Diensten stehen müssen. Da nützt selbst das Handy ohne Netz nichts mehr - und wen auch anrufen, wenn Telefonnummern noch nicht vergeben sind? Zudem ist die Geschichte in Oskars Buch, der er nun selber angehört, gelöscht. Gemeinsam sind die Kinder also (vorerst) unbeschriebene Blätter und bleiben auf sich allein gestellt. Denn auf illegale Geschäfte haben sie keine Lust mehr, und auch Oskar würde gern in seine Zeit zurück. Vorher jedoch muss die Geschichte zu Ende geführt, buchstäblich erlebt werden.
Dabei können die Zuschauer beobachten, wie man einen guten Plan ausheckt, und auch so ein allgegenwärtiges Politikum wie die Frage, ob man Böses mit Bösem bekämpfen dürfe, wird erörtert.
Verweise auf künstlerische Vorlagen müssen Komponist und Autor sichtlich Freude bereitet haben. Text und Musik von "Oskar und die Groschenbande" stecken voller Anspielungen - so klingen in Reuters Pop-Kompositionen Jazz- und Swing-Zitate der amerikanischen "Golden Twenties" unverkennbar an, und Buchners Text erschöpft sich nicht in unzähligen Wortspielen. Brechts Kommissar Brown wird eingedeutscht - und in der Kinderbande fehlen Bertolt und Kurt natürlich nicht. Die Synthese dieser Sphären par excellence ist sicherlich die Ballade von der Kuhdamm-Polly (herrlich frech: Hannah Fricke), eine Variation zu Weills "Seeräuberjenny".
Ergänzt wurde das Spektakel von den dynamisch eingesetzten Videoprojektionen (Barbara Janotte): Ob die am Zugfenster vorbeiziehende Landschaft, die Berliner Zeitung oder ein Blick durchs Fernrohr als Fenster nach Dessau - die Leinwand eröffnete für die Zuschauer behutsam den Raum hinter den Figuren, ohne sich aufzudrängen.
Weiterer Termin wird gesucht
Die Stärke dieser liebevollen Inszenierung von Silke Wallstein ist, dass sie verschiedene künstlerische Elemente und Akteure kongenial zusammenbringt. Hervorragend eingestimmte Kinder stehen gemeinsam mit vier "Großen" auf der Bühne (Kristina Baran, Patrick Rupar, Frank Roder, Sebastian Müller-Stahl), der Kinderchor singt ausgezeichnet (Einstudierung: Dorislava Kuntscheva), auch die Ballettfische (Choreografie: Gabriella Gilardi) dürfen nicht fehlen. Im Graben bilden Musikschüler mit Musikern der Philharmonie unter der Leitung von Stefan Neubert die klangliche Basis - ein Projekt also mit Vorbildcharakter, das Schule machen sollte.
Schneller als gedacht ist dann die Geschichte vom Jungen aus der Zukunft, der kam, um die Vergangenheit zu verändern (oder: neuzuschreiben?), zu Ende. Das Publikum tost - und vom Generalintendant vernehmen die Zuschauer bei der Premierenfeier mit Freude, dass ein weiterer Aufführungstermin gesucht wird.

Helmut Rohm, Volksstimme, 12.03.2012

Kinderoper erlebt beim Kurt-Weill-Fest eine frenetisch gefeierte Uraufführung / Geschichte über jugendliche Obdachlose
Viel Frische, Unbekümmertheit und bemerkenswerte Klasse
Da muss man sich um den künstlerischen Nachwuchs keine Sorgen machen", erklärte Ute Gfrerer, Artist in Residence des diesjährigen Kurt Weill Festes, unmittelbar nach der Uraufführung der Kinderoper "Oskar und die Groschenbande" von Christoph Reuter und August Buchner am Sonnabend im Anhaltischen Theater Dessau. Sie und mit ihr die Besucher im restlos ausverkauften Großen Haus des Theaters feierten frenetisch diese gut zweistündige Aufführung im Rahmen des Kurt-Weill- Festes, die im Wesentlichen von mehr als 50 Kindern und Jugendlichen gestaltet wurde.
Begeistert haben vor allem die faszinierende Frische, Unbekümmertheit und bemerkenswerte Klasse, mit denen sich die jungen Darsteller und Sänger unter der Regie von Silke Wallstein in dieses Theater-Spektakel einbrachten. Und es war ein fabelhaft ineinander verwobenes Gesamtkonzept.
Es ist eine Geschichte, die im Heute beginnt. Der Dessauer Junge Oskar Hobusch wird während einer Klassenfahrt nach Berlin beim Lesen eines spannenden Buches traumartig in das Berlin des Jahres 1928 versetzt. Traum und Realität verschmelzen miteinander.
Oskar trifft auf eine Berliner Kinderbande junger Obdachlosen und Waisen, die von dem erwachsenen Pit Schumann auf Diebestour geschickt werden. Oskar freundet sich mit dem Kaiser Georg, dem Dietrich mit dem Dietrich und den anderen an. Sie machen gewitzte Pläne, dem Kinderausbeuter Pit das Handwerk zu legen.
Dabei konnten die Zuschauer in einfallsreichen und pfiffig wechselnden Bühnenbildern (Nicole Bergmann) eine kurzweilige, spannend unterhaltsame Handlung verfolgen. Kostüme (Katja Schröpfer) ebenso wie Videos und Filmanimationen (Barbara Janotte) gaben den darzustellenden Situationen treffliche charakterisierende Unterstützung. So gelang es mit unterschiedlicher Farbgestaltung, den unmittelbaren Zeitsprung erlebbar zu machen.
Der aus Dessau stammende Komponist und Musiker Christoph Reuter schuf eine Musik für großes Streichorchester, Bläser und Schlagzeug, die sowohl an die Traditionen der 1920er Jahre mit Jazz, Swing, Tango anknüpft und sich ebenso mit dem heutigen Zeitgeist des Pop-Songs und Hip-Hops bruchlos verbindet. Das Orchester mit Musikern der Anhaltischen Philharmonie und Schülern der Dessauer Musikschule unter Leitung von Stefan Neubert spielte sehr engegiert.
Zu besonderen Höhepunkten der gesanglich-musikalischen Interpretation erwiesen sich die für diese Kinderoper eigens getexteten und komponierten reizvollen Songs, in denen Text und Musik eine stimmige Symbiose bilden. So erinnert der Song "Meine Stadt" eben ganz explizit an Dessau, die Stadt von Junkers und Bauhaus. In "Pollys Lied" widmet sich die Polly sehr humorvoll und treffend den "zwischenmenschlichen Beziehungen" von Knaben und Mädchen. Bezüge zu Kurt Weill und dessen "Dreigroschenoper" sind durchaus gewollt.
Die Weill-Nähe wird besonders bei der "Ballade von der Kuhdamm-Polly" deutlich, mit der Hannah Fricke als Polly Braun wahre Beifallsstürme auslöste.
Ohne die anderen Darsteller benachteiligen zu wollen, sind Conrad Felix Papesch (Oskar), Hannah Fricke (Polly), Hans Höpfner (Kaiser Georg) und Moritz Barth (Dietrich mit dem Dietrich) doch besondes zu würdigen
Aktiv mitgewirkt haben der Kinderchor und das Kinderballett des Anhaltischen Theaters Dessau. Lediglich vier erwachsene Darsteller waren in die Kinder- oper harmonisch eingebunden: Patrick Rupar, Sebastian Müller-Stahl, Frank Roder und Kristina Baran. Das gesamte Ensemble dieser künstlerischen Novität am Anhaltischen Theater Dessau, einer Oper für Kinder mit Kindern, erhielt sehr viel Beifall.

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