Operngala

Eine Operngala ist immer eine besonderes Erlebnis: Im Gewand eines festlichen Konzerts werden von blendend aufgelegten Sängern erlesene Arien und Ensembles aus allgemein beliebten Opern aber auch selten auf der Bühne zu erlebenden Werken vorgetragen. Man sieht das ganze Orchester bei seiner wundervollen »Arbeit« vor sich und genießt Ouvertüren und Zwischenspiele, in denen es pur zu hören ist. Wenn dann noch der Chor als vielstimmiger Virtuose dazu tritt, werden das optische und klangliche Bild geradezu überwältigend. Eine solche Operngala bietet Ihnen das Anhaltische Theater in der Spielzeit 2012/2013. Der Opernchor des Anhaltischen Theaters, die Anhaltische Philharmonie und die Solisten unseres Ensembles werden vokale und instrumentale Glanz- und Kabinettstücke der deutschen und französischen Oper präsentieren. Da wird es Stücke zu hören geben, die man am liebsten mitsingen möchte – etwa aus »Der Freischütz« und »Carmen«. Aber wir versprechen Ihnen auch Besonderes wie etwa das Blumenduett aus »Lakmé« [Wetten, Sie kennen die Melodie?!]. Gehen Sie mit uns auf die Reise in die wunderbare Welt der Oper!

PRESSESTIMMEN

Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung, 20.11.2012

Rauschende Not und glücklicher Wahn

Operngala-Premiere am Anhaltischen Theater feiert ein Fest der Stimmen.

Ferne Stimmen grundieren die Fügung in Pierrots Tanzlied: "Folgt ihr der Wundersüßen, lernt unter Tränen küssen: Rausch und Not, Wahn und Glück" seien des Gauklers Geschick. Süße Wunder, tränende Küsse, rauschende Not und glücklicher Wahn bleiben die Themen, die von den Perlenfischern in Ceylon zum Schuhmacher nach Nürnberg, von der byzantinischen Basilika zur "Kirche des Gewesenen" in die tote Stadt führen.

Die "Operngala" am Anhaltischen Theater Dessau versprach im Untertitel die "wunderbare Welt der deutschen und französischen Oper". Am Sonnabend wurde eine umjubelte Premiere gefeiert und das Versprechen gehalten. Als werde der Finger zwanglos in den Opernführer gelegt, zieht doch eine ergründende Dramaturgie Fäden zwischen großen Erfolgen und verwaisten Kleinodien mit Augenmerk auf die Zeit der Romantik. Es ist ein Fest der Stimmen und der erzählenden Anhaltischen Philharmonie unter Antony Hermus, die den französisch-deutschen Farbwechsel meistert. Schon die Lokalisierungen seien, so der moderierende Dramaturg Felix Losert, verschieden. Während die französischen Opern nicht selten in der Ferne spielten, agierten die deutschen auf heimatlich-bürgerlichem Wald- und Werkstattboden. - Begonnen wird mit Georges Bizets auf einem Platz in Sevilla: "Les voici", und der Opernchor zieht in die Arena, voller Temperament. Dann singt betörend die Klarinette. Chimène betrauert den Tod des Vaters in "Le Cid" von Jules Massenet. "Weint, meine Augen": Iordanka Derilova legt die ganze Tragik hinein. Chimènes Geliebter tötete ihren Vater in einem Duell. Und wieder Bizet, der Treueschwur aus "Die Perlenfischer" und noch zweimal "Carmen". Voll rassiger Hüftschwünge aus warmer Kehle singt Rita Kapfhammer: "An den Stadtmauern von Sevilla" im Duett mit Artjom Korotkov, der dann die "Blumenarie" des Don José pflückt und nach der Pause schweizerisches Heimweh aus französischer Revolutionszeit gemäß Wilhelm Kienzls "Der Kuhreigen" in die Gegenwart trägt. - Er sei, so Losert, der Typ für die sinistren Figuren: Ulf Paulsen lässt die "Spiegelarie" aus "Hoffmanns Erzählungen" dunkel funkeln und beendet den ersten Teil mit einer majestätischen Abdankung des Kaisers Phorkas aus Massenets Oper "Esclarmonde", die im Mai in Dessau auf die Bühne kommt.

Zuvor aquarellierten Kapfhammer und Angelina Ruzzafante klar wie Quellwasser das Duett der Mallika und Lakmé aus der fernöstlich gestimmten Oper "Lakmé" von Léon Delibes. Ruzzafante formt zudem ergreifende Momente in voller Schönheit der Traurigkeit aus Gustave Charpentiers Ur-Bohème-Oper "Louise" und aus des Wunderknaben Erich Wolfgang Krongolds "Die tote Stadt". Zur Oper gehört auch Pierrots eingangs erwähntes Tanzlied, das Wiard Witholt so klar zeichnet, wie weich schattiert.

"Selig, wie die Sonne", wahrlich innig klingt der milde Wagner, das Quintett aus "Die Meistersinger von Nürnberg". Bliebe noch Carl Maria von Weber. Wie die Töne aus der Tiefe steigen, die Unruhe wächst: das Orchester leuchtete zu Beginn des zweiten Teiles die Ouvertüre zum "Freischütz" in allen Winkeln aus. Und wenn jemand seine Seele verschreibt, tritt Paulsen auf, singt die Arie des Kaspar, spannt - "Schweig, damit dich..." - unabdingbar der Hölle Netz. Endlich schäumt das Meer und schläft doch auch das Licht: Derilova steuert die Arie der Rezia, "Ozean, du Ungeheuer", aus "Oberon" gegen jeden Sturm, mit einem Meer an Kraft und bewegend segelnder Empfindsamkeit.

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