Nora oder Ein Puppenheim

Schauspiel von Henrik Ibsen

Eigentlich könnte Nora Helmer mit ihrem Leben zufrieden sein: Sie hat einen Ehemann und drei Kinder, die bevorstehende Beförderung ihres Gatten zum Bankdirektor verspricht finanzielle Sorglosigkeit und über die Weihnachtstage kommt auch noch ihre alte Freundin Christine Linde zu Besuch. Doch die gut bürgerliche Fassade ist auf Sand gebaut, das Familienglück wird durch eine alte Lüge bedroht. Um ihrem Torvald eine dringend nötige Kur finanzieren zu können, hatte Nora einst einen Kredit aufgenommen und dafür die Unterschrift ihres Vaters gefälscht, der damals auf dem Sterbebett lag. Und nun eskalieren ausgerechnet zum Fest der Liebe die Ereignisse: Rechtsanwalt Krogstad, der ihr das Darlehen gewährt hat, entdeckt den Betrug und erpresst sie mit seinem Wissen. Immerhin wird Torvald Helmer bald sein Vorgesetzter – und will ihn wegen einer Unterschriften-Fälschung entlassen. Das Puppenheim, in dem sich Nora so sicher gefühlt hat, gerät ins Wanken …

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Zum Beginn der Spielzeit 2013/14 gibt es im Anhaltischen Theater eine Annäherung zwischen Musiktheater und Schauspiel, wie sie vor Ort noch nie zu erleben war: Während sich die Oper der von Vincenzo Bellini vertonten Geschichte der gallischen Priesterin Norma annimmt, wird im Sprechtheater wenig später Henrik Ibsens »Nora oder Ein Puppenheim« Premiere feiern. Und die namentliche Verwandtschaft der beiden Heldinnen ist dabei viel mehr als nur ein dramaturgischer Kurzschluss: Zwischen der Druiden-Priesterin aus der gallisch-römischen Antike und der Bürgersfrau aus dem 19. Jahrhundert gibt es Verbindungen, die André Bücker mit der Inszenierung beider Stücke freilegen will. So müssen hier wie dort Kinder unter den Konflikten ihrer Eltern leiden – doch während im einen Fall die Heldin in den Tod schreitet, bricht sie im anderen in die Welt auf. In jedem Fall aber fragen die Stücke danach, »was wir lieben« – und geben zeitlos gültige Antworten darauf.


Inszenierung André Bücker
Bühne Bernd Schneider
Kostüme Suse Tobisch
Dramaturgie Andreas Hillger

Nora Helmer Natalie Hünig
Torvald Helmer Gerald Fiedler
Ada Haus- und Kindermädchen bei Helmers Jenny Langner
Christine Linde Antje Weber
Krogstadt Dirk Greis
Doktor Rank Karl Thiele
Dienstmann Boris Malré

PRESSESTIMMEN

Helmut Rohm, Volksstimme, 24.10.2013

Wahrheiten einer vermeintlich heilen Welt

Viel Beifall für Ibens "Nora" in Dessau / Nächste Vorstellung am Sonnabend.

"Wir sind jetzt acht Jahre verheiratet. Fällt es dir nicht auf, dass wir .. du und ich, Mann und Frau .. heute zum ersten Male ein ernstes Gespräch miteinander führen?", geht Nora Helmer in die Offensive. Torvald Helmer versteht die Welt nicht mehr - seine Welt.

Henrik Ibsens Schauspiel „Nora oder Ein Puppenheim“, uraufgeführt 1879 in Kopenhagen, hatte am Freitag im Anhaltischen Theater Dessau eine gut besuchte und mit viel Beifall bedachte Premiere. Generalintendant André Bücker, der auch die bereits vor 14 Tagen ebenfalls begeistert aufgenommene Bellini-Oper „Norma“ inszenierte, stellt beide Werke der Weltliteratur im Kontext tragischer Frauenfiguren dar, die zeitlich mehrere Jahrhunderte auseinander lebten.
Der „Nora“-Zuschauer wird von André Bücker von Ende des 19. zum Anfang des 21. Jahrhunderts (Kostüme Suse Tobisch) geführt und erfährt von reizvollen Beziehungskonflikten, die ungemein aktuell und zeitlos sind.
Das Weihnachtsfest steht vor der Tür. In einer vermeintlich glücklichen Familie und deren Umfeld kommt einiges in bedrohliches Wanken. Nora hat vor Jahren eine Unterschrift gefälscht, um ihrem Mann eine lebensrettende Langzeitkur zu ermöglichen. Nur Nils Krogstad (Dirk S. Greis) weiß davon. Er erpresst Nora, damit sie ihren Mann beeinflusst, der Krogstad wegen eben einer Urkundenfälschung entlassen will. Torvald Helmer lässt sich darauf nicht ein. Krogstad droht, diese Lebenslüge platzen zu lassen. Die frühere Freundin Christine Linde (Antje Weber) kommt zu Besuch. Auch sie hat schicksalhafte Lebenserfahrungen gemacht, die, wie es der Zufall will, mit Krogstad in Verbindung stehen.
Die Kinder sind da, doch meist abgeschoben und in der Obhut des Kindermädchen Ada (Jenny Langner), das ihr eigenes Kind weggab und leicht poppig überzeichnet daherkommt. In dieser Weihnachtszeit kumulieren die Verwerfungen, deren Ursachen oft weit zurückliegen. Die Inszenierung lebt von Dramatik, ist von sich aufbauenden Spannungen geprägt.
Mit viel Einfühlungsvermögen und nervig-hektisch gespieltem Bewegungsdrang bringt Natalie Hünig eine Nora auf die Bühne, die mehr und mehr erkennt, dass sie stets ein Spielobjekt war: für den Vater eine Kind-Puppe und später für Helmer eine Frau Puppe. Nie ernstgenommen, nie selbstbestimmt. Doch die naive Kindfrau wird zur sich emanzipierenden Person: „Ich muss dahinter kommen, wer recht hat, die Gesellschaft oder ich“. Sie geht - lässt Ehemann und Kinder zurück.
Gerald Fiedler gibt einen auf bürgerliche Moral und Gesetz orientierten Torvald Helmer, der vor allem aber auf seine eigene Etikette ausgerichtet ist. Koseworte kommen geläufig daher, er rastet aus, beschimpft und demütigt Nora. Einziger ehrlicher Gesprächspartner für sie ist Dr. Rank (Karl Thiele), ein Freund der Familie.
Bernd Schneider richtet auf dem großen Bühnenraum ein weitläufiges Wohnzimmer ein. Der Kindertisch weitab vom familiären Geschehen, der Weihnachtsbaum ein blatt- und nadelloses Kunstobjekt mit LED- Lampen. Ein wenig „richtige“ Weihnachtsstimmung bringt Livemusik von Karl Thiele (Klavier) und Gerald Fiedler (Saxophon). Und über allem scheint der große Mond - so wie bei Norma.

Helmut Rohm, Volksstimme, 24.10.2013

Wahrheiten einer vermeintlich heilen Welt

Viel Beifall für Ibens "Nora" in Dessau / Nächste Vorstellung am Sonnabend.

"Wir sind jetzt acht Jahre verheiratet. Fällt es dir nicht auf, dass wir .. du und ich, Mann und Frau .. heute zum ersten Male ein ernstes Gespräch miteinander führen?", geht Nora Helmer in die Offensive. Torvald Helmer versteht die Welt nicht mehr - seine Welt.

Henrik Ibsens Schauspiel „Nora oder Ein Puppenheim“, uraufgeführt 1879 in Kopenhagen, hatte am Freitag im Anhaltischen Theater Dessau eine gut besuchte und mit viel Beifall bedachte Premiere. Generalintendant André Bücker, der auch die bereits vor 14 Tagen ebenfalls begeistert aufgenommene Bellini-Oper „Norma“ inszenierte, stellt beide Werke der Weltliteratur im Kontext tragischer Frauenfiguren dar, die zeitlich mehrere Jahrhunderte auseinander lebten.
Der „Nora“-Zuschauer wird von André Bücker von Ende des 19. zum Anfang des 21. Jahrhunderts (Kostüme Suse Tobisch) geführt und erfährt von reizvollen Beziehungskonflikten, die ungemein aktuell und zeitlos sind.
Das Weihnachtsfest steht vor der Tür. In einer vermeintlich glücklichen Familie und deren Umfeld kommt einiges in bedrohliches Wanken. Nora hat vor Jahren eine Unterschrift gefälscht, um ihrem Mann eine lebensrettende Langzeitkur zu ermöglichen. Nur Nils Krogstad (Dirk S. Greis) weiß davon. Er erpresst Nora, damit sie ihren Mann beeinflusst, der Krogstad wegen eben einer Urkundenfälschung entlassen will. Torvald Helmer lässt sich darauf nicht ein. Krogstad droht, diese Lebenslüge platzen zu lassen. Die frühere Freundin Christine Linde (Antje Weber) kommt zu Besuch. Auch sie hat schicksalhafte Lebenserfahrungen gemacht, die, wie es der Zufall will, mit Krogstad in Verbindung stehen.
Die Kinder sind da, doch meist abgeschoben und in der Obhut des Kindermädchen Ada (Jenny Langner), das ihr eigenes Kind weggab und leicht poppig überzeichnet daherkommt. In dieser Weihnachtszeit kumulieren die Verwerfungen, deren Ursachen oft weit zurückliegen. Die Inszenierung lebt von Dramatik, ist von sich aufbauenden Spannungen geprägt.
Mit viel Einfühlungsvermögen und nervig-hektisch gespieltem Bewegungsdrang bringt Natalie Hünig eine Nora auf die Bühne, die mehr und mehr erkennt, dass sie stets ein Spielobjekt war: für den Vater eine Kind-Puppe und später für Helmer eine Frau Puppe. Nie ernstgenommen, nie selbstbestimmt. Doch die naive Kindfrau wird zur sich emanzipierenden Person: „Ich muss dahinter kommen, wer recht hat, die Gesellschaft oder ich“. Sie geht - lässt Ehemann und Kinder zurück.
Gerald Fiedler gibt einen auf bürgerliche Moral und Gesetz orientierten Torvald Helmer, der vor allem aber auf seine eigene Etikette ausgerichtet ist. Koseworte kommen geläufig daher, er rastet aus, beschimpft und demütigt Nora. Einziger ehrlicher Gesprächspartner für sie ist Dr. Rank (Karl Thiele), ein Freund der Familie.
Bernd Schneider richtet auf dem großen Bühnenraum ein weitläufiges Wohnzimmer ein. Der Kindertisch weitab vom familiären Geschehen, der Weihnachtsbaum ein blatt- und nadelloses Kunstobjekt mit LED- Lampen. Ein wenig „richtige“ Weihnachtsstimmung bringt Livemusik von Karl Thiele (Klavier) und Gerald Fiedler (Saxophon). Und über allem scheint der große Mond - so wie bei Norma.

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