Mein wildes Herz in deine Ruh

Eine besungene Herzzerreißung
Mit Musiken von Kurt Weill und Zeitgenossen unter Zugabe von Texten Bertolt Brechts
In Kooperation mit dem Kurt-Weill-Fest Dessau

THE LOVE IS SHIT! – FOUNDATION proudly present:

Mein wildes Herz in deine Ruh
Eine besungene Herzzerreißung mit Songs von Kurt Weill, Paul Dessau, Rudolf Wagner-Régeny, Hanns Eisler, und Texten Bertolt Brechts.

...furchtbar schmutzig ist die Liebe und so schön ist sie, wir hassen sie und brauchen sie so sehr...und fürchten sie und lieben sie noch viel mehr... Claire und George aus Chicago haben es satt. Dieses ewig gleiche Auf und Ab durch alle Betten dieser Welt, stets himmelhoch rauschend, zu Tode betrübt. Denn die Lust und der Liebesfrust hat sie ausgelaugt! Jeder Fick hinterließ eine tiefe Falte! Wie gnadenlos gefährlich die Liebe in Wirklichkeit ist, haben sie am eigenen Leib erleiden müssen. Doch jetzt ist Schluss und Claire & George wissen nach all den schmerzlichen Jahren: Die Liebe ist ein Dreck, eine böse Krankheit, die man bekämpfen muss und vor der es lauthals zu warnen gilt! Also sind sie losgezogen, zwei Aufklärer aus dem fernen Chicago, einen stets betrunkenen Barpianisten im Schlepptau, um uns die Augen und Ohren über die wahren Folgen körperlich-herzlicher Liebe zu öffnen.

Ende Februar 2010 landet dieses trio infernale im Auftrag der THE LOVE IS SHIT-FOUNDATION in Dessau und hat Kurt Weill & Friends, sowie den alten Bertolt Brecht als Kronzeugen der verderbten Schuld der Liebe im Gepäck. In George und Claires Herzzerreißung wird gewarnt, aufgeklärt, atemberaubend gesungen, geklagt und werden weltberühmte Songs wie die „Zuhälterballade“, der „Barbara-Song“, das „Lied von Surabaya-Johnny“, die „Ballade von der sexuellen Hörigkeit“ zu hören sein.

Es singen & spielen: Antje Weber, Matthieu Svetchine und Daniel Carlberg

Musikalische Leitung und Klavier: Daniel Carlberg
Inszenierung: Holger Kuhla

PRESSESTIMMEN

Ein leichtsinniger wie schwermütiger Abend Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 03.03.2010

Theater bringt „Mein wildes Herz in deine Ruh“ zum Weill-Fest.


Vom seltsamen Spiel der Liebe könnten sie mehr als nur ein Lied singen, die Claire und der George - wenn nur Joe zu finden wäre, ihr leicht derangierter und schwer desillusionierter Pianist. Als sie den Musiker schließlich hinter seiner Zeitung hervorgelockt haben, beginnen auch die Stimulanzien zu wirken: der Duft der Rose und der Geschmack des Champagners, die für einen Abend unter dem Motto „Mein wildes Herz in deine Ruh“ so unerlässlich scheinen wie die Songs von Kurt Weill und Paul Dessau, Kurt Schwaen und Hanns Eisler.
Es war ein wunderbares Geschenk des Anhaltischen Theaters zum Kurt-Weill-Fest, das da am Sonntagabend erstmals über die Bauhaus-Bühne ging - ein ebenso leichtsinniger wie schwermütiger Abend, der vom Erreichen wie vom Verfehlen des zweisamen Glücks erzählte und dabei wie selbstverständlich die neue Allianz der Dessauer Kultur-Leuchttürme bekräftigte. In Matthieu Svetchine und Antje Weber hat der Dramaturg Holger Kuhla Protagonisten gefunden, denen die doppelte Travestie bestens zu Gesicht steht.
Da ist einerseits der sentimentale, nah am Wasser gebaute Kerl im Abendkleid, der die „Erinnerung an die Marie A.“ so hemmungslos zu schmachten weiß wie den „Surabaya-Johnny“. Und da steht andererseits eine scharf gescheitelte Dame mit Zylinder und Schnauzbart, die „Baals Lied“ und das „Wie man sich bettet“ als energische Widerrede gegen falsche Illusionen begreift. Daniel Carlberg steht den beiden Schauspielern, die ihre Masken im Laufe des Abends fallen lassen, mit den Liedern von der großen Kapitulation und von der belebenden Wirkung des Geldes treu zur Seite - und trägt sie als Pianist auf Händen durch ihre Songs.
Die Weisheit dieses Abends, der schon dank des bürgerlichen Teppichs auf dem Bauhaus-Boden wie ein kalkuliertes Sakrileg wirkt, liegt in dem rasanten Wechsel zwischen dem Rohen und dem Zarten: Dass dem Dichter Bertolt Brecht pornografische Texte wie „Sauna und Beischlaf“ ebenso selbstverständlich von der Hand gingen wie das wunderbare Gleichnis von den Kranichen, kann man beim Fest zu Ehren seines Komponisten-Kollegen Weill nicht oft genug betonen - schließlich war auch im Werk dieses Künstlers das Fleisch so wichtig wie der Geist.
Dass am Ende dieser klugen Revue über die trügerischen Emotionen ein Mond über der Stadt hing, wie er auch in Bilbao und Alabama nicht schöner zu haben ist, wirkte wie ein himmlischer Gruß an die irrenden Irdischen - „Es war das Schönste auf der Welt!“.

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