Ladies Night

Komödie von Stephen Sinclair und Anthony McCarten
Deutsch von Annette und Knut Lehmann
in einer Bearbeitung von Folke Braband

Premiere am 31. Dezember 2014, Altes Theater/Studio


Craig: Du wirst sehen, das wird eine ganz fantastische Show!
Bernie: Hör mal, damit wir uns richtig verstehen: Wie weit zieht ihr euch aus?
Craig: Och, wir sind da ganz flexibel… Wir richten uns da ganz nach den Wünschen des Publikums!

Kommt jetzt die männliche Antwort auf die Lipsi Lillies nach Dessau? Nein, denn die Komödie über die strippenden Männer ist weltbekannt – spätestens seit der Verfilmung von Peter Cattaneo unter dem Titel »Ganz oder gar nicht«:

Vier Männern sind in ihrer grauen Stadt die Berufe, das Geld und ihr Lebensmut verloren gegangen, nicht jedoch ihr Erfindungsreichtum. So entschließen sie in ihrer Not, es den »Chippendales« gleichzutun: Nackte Tatsachen für harte Währung! Doch bis zur spektakulären Choreografie ist es ein steiniger Weg, wie die vier grundverschiedenen Kerle erfahren müssen − und am Ende spielt nicht ein Schönheitsideal, sondern hart erkämpftes Selbstvertrauen die Hauptrolle. Eine herrlich komische, krachende und zugleich berührende Geschichte und nackte Wahrheit über Freundschaft und Lebensmut.

Inszenierung Eric Nikodym
Bühnenkonzept Jan Steigert
Kostüme Katja Schröpfer
Choreografie Joe Monaghan
Dramaturgie Sabeth Braun

Craig Stephan Korves
Barry Felix Defèr
Norman Mario Klischies
Glenda Illi Oehlmann
Grahame Boris Malré
Castradiva Silvio Wiesner

PRESSESTIMMEN

Hosen runter und alles gut?, Mitteldeutsche Zeitung, 2.01.2015

ALTES THEATER Eric Nikodym inszeniert "Ladies Night" als Silvesterknaller

VON THOMAS ALTMANN

Die charmante Bedienung hinter dem langen leeren Tresen poliert sinnbildlich den Zapfhahn. Der ewige Stammgast krümelt sich den Tod ins Bierglas. Die Jukebox weint: "You'll never walk alone". Und wahrlich verschüttet Grahame mit dem Bier das Rattengift, um am Ende lustvoll beinah blank zu ziehen, trotz alledem, oder wegen des Bauches.

Die hüllenlose Komödie "Ladies Night" der Neuseeländer Stephen Sinclair und Anthony McCarten wurde 1997 von Peter Cattaneo verfilmt und kam unter dem Titel "Ganz oder gar nicht" in die deutschen Kinos. Nun läuft der Spaß, übersetzt von Annette und Knut Lehmann, bearbeitet von Folke Braband, im Alten Theater Dessau. Die Inszenierung von Eric Nikodym hatte am Altjahresabend Premiere, ein Party-Spaß, der auf sozialem Elend gründelt und vor allem Amüsierstück wird.

Ja, es ist peinlich, genüsslich peinlich, derb peinlich auch und die Fremdscham spielt heftig mit. Schließlich steigt der Selbstwert eines Menschen nicht zwangsläufig, so dieser sich auszieht, zumal einige der Tänzer in spe schon einige Jahre auf dem Buckel und einige Bierchen im Bauch haben. Doch die Verwegenheit des knappen Höschens holt die arbeitslosen Stahlwerker aus dem Keller. Dabei bleibt das soziale Fiasko Folie für die polternd rettende Idee, welche den harten Jungs Rhythmus in die Hüften und ins Bauchfett hämmert.

Die Sozialtragödie klingt immer mal und immer seltener an, vorerst im Bühnenbild (Jan Steigert), einer Kneipe im Stil einer wenig frequentierten Werkskantine in gestriger Modernität. Dass die Kneipentische endlich zum Laufsteg werden, erscheint nahezu zwangsläufig. Neben der natürlich virtuosen Variation der Unterhosen spiegeln die Kostüme (Katja Schröpfer) von der trendigen Jogginghose über das Feinripp-Unterhemd das soziale Milieu am Klischee. Von Bauch und Hinterteilen überschattet, bleiben die Figuren angezeichnet: Norman (Mario Klischies), ein verhemmter lieber, lügender Junge, Barry (Felix Defèr), der alles so schön männlich im Vordergründigen lässt oder Craig (Stephan Korves), der ewige, der rastlose Macher, der die anderen übervorteilend sich permanent selbst überfordert. Die Bedienung am Tresen, Illi Oehlmann als Glenda, ist schon vor dem zehnten Bier der späte Stern einer jeden Eckkneipe, verhalten aufreizend, burschikos mütterlich.

Und, Gott, diese Pumps! Da muss man noch einmal nachschlagen und findet Silvio Wiesner noch als Referent der Theaterleitung unter der verwaltenden Rubrik. Er tanzt alle Bewerber, jongliert seinen Körper durch das nun verzahnte Geschehen, zieht auch Saubermänner in schmuddelige Lagen. Und dann diese Travestie. Welch Stimmchen, welch Augenaufschlag! Dennoch: Der Held des Abends ist Grahame (Boris Malré), angepflocktes Inventar der abgetakelten Kneipe. Erst mischt er sich völlig versotten Gift ins Glas, dann wächst, als sei sie ein Unfall, die Lebensfreude. Sie wächst hinterrücks, partiell, hilflos und schäumt und schwemmt doch freizügig auf.

Die im Programmheft verzeichneten "goldenen Regeln des Striptease" fordern: "Lassen sie am Ende immer etwas an. Das schürt Verlangen auf mehr." Hier fällt, ganz oder eben gar nicht, alles, aber verdeckt und verdunkelt. Längst ist aus der Sozialkomödie eine nackte Klamotte geworden, ein schallender Silvesterknaller mit zu leichtem Effet. Der Selbstwert jedoch scheint wieder gewonnen, genau dort, wo er zuweilen futsch sein darf. Also: Hosen runter! Und alles wird gut?

Nächste Vorstellungen sind am 4. und 8. Januar, jeweils um 20 Uhr. Karten an den Theaterkassen.

ZUM INHALT

Nackte Tatsachen

Das Stahlwerkist dicht, die Arbeit weg, was noch nicht verloren ist, schwindet wie das liebe Geld. Das Sorgerecht für das Kind steht in Frage, die Gläubiger werden handgreiflich, die treuen Lebenslügen spröde. In der Not beschließen die Stahlwerker a.D., es den "Chippendales" gleich zu tun. Nackte Tatsachen sollen die harten Jungs retten, auch wenn der Körper nicht mehr ganz aus Stahl sein mag.

"Lassen sie am Ende immer etwas an." (Goldene Striptease-Regel, Programmheft)

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