Die Weihnachtsgans Auguste

Ein Märchen von Friedrich Wolf

So auch im Hause des Kammersängers Luitpold Löwenhaupt, der gerade die Vorweihnachtszeit besonders genießt und in diesem Jahr schon Monate vor dem Fest in Gedanken schmecken kann, was dieses Fest so besonders macht: Rotkohl, Klöße und Gänsebraten! Doch vor den Braten hat der liebe Herrgott die Gans gestellt und damit in diesem Jahr auch wirklich nichts schief gehen kann mit dem Festmahl, kauft das Familienoberhaupt der Löwenhaupts heimlich und bereits im November einen Braten. Groß ist er, schön ist er, dick ist er und das Besondere ist: Er ist noch am Leben. Das heißt, sie ist lebendig, wunderschön, heißt Auguste und kommt vom Land. Doch was Luitpold einzig als knusprigen Braten sehen will, lieben seine Kinder als ein süßes Haustier. Und so wird es in diesem Jahr bis zur stillen und heiligen Nacht bei den Löwenhaupts so laut und unheilig wie lange nicht. Und Schuld hat ein watschelndes, schnatterndes, redendes und sogar singendes Gänsetier. Denn es ist sicher schwer, ein Weihnachtsfest ohne Gänsebraten zu genießen, doch noch schwerer ist es, ein putzmunteres Federvieh vom Leben direkt in die Bratpfanne zu befördern. Doch soll das Weihnachtsfest so werden, wie in jedem Jahr muss es der Auguste wohl an die Federn und den langen Hals gehen. Nur leider hat Vater Luitpold Löwenhaupt die Rechnung ohne seine widerspenstigen Kinder und seine zauberhafte Frau gemacht und es wird sich in dieser Vorweihnachtszeit entscheiden, ob man sich eine Auguste schmecken lässt, oder aber eine Gans in den Kreis der Familie aufnimmt.

Inszenierung Andreas Rehschuh
Bühne Eva-Maria Declercq
Kostüme Grit Walther
Musik Gundolf Nandico
Dramaturgie Holger Kuhla / Sabeth Braun

Luitpolt Löwenhaupt Gerald Fiedler
Clara Löwenhaupt Nina Machalz
Tamino Löwenhaupt, Sohn Patrick Rupar
Carmen Löwenhaupt Katja Sieder
Opa Theo, Claras Vater Hans-Jürgen Müller-Hohensee
Die Gans Auguste Susanne Hessel

PRESSESTIMMEN

Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 1.12.2011

Gans viel Trubel im Advent

Auguste freut sich über den Wechselpulli im weihnachtlichen Strickdesign, man singt den leise rieselenden Schnee herbei und es war auch ohne Gänsebraten ein schönes Fest - Friede im Hause Löwenhaupt. Ach! - so seufzt man, weil man das ja alles kennt. Die ewige Vorfreude, der Wunsch, alle glücklich zu machen, und dann doch wieder nur Enttäuschungen. Von wegen: Weihnachten das Fest der Liebe. So gut wie bei Löwenhaupts sollte es immer enden, auch wenn am Mittwoch nicht der Schnee rieselt sondern die Sonne strahlt, als man zur Mittagszeit aus dem Theater tritt, noch ganz benommen und weihnachtsduselig ob dieser schönen Geschichte von der "Weihnachtsgans Auguste" von Friedrich Wolf, die man ja schon als Hörspiel liebte und für die Regisseur Andreas Rehschuh nun die allerschönsten Bilder fand.

Die Löwenhaupts sind Vater, Mutter, Tochter, Sohn und Opa Theo noch dazu. Luitpolt (Gerald Fiedler), das Oberhaupt der Familie, ist Kammersänger, ein etwas tiefer gestimmter Wagnertenor, man sieht es an den Wänden, wo Siegfried und Lohengrin aus Bilderrahmen auf den Esstisch schauen. Überhaupt sind diese Löwenhaupts ganz liebenswert schrullig in ihrer Wunderwohnung, für die der Papa wohl seine Kontakte in die Requisite spielen ließ (Bühne: Eva-Maria Declercq). Seine Kontakte zum örtlichen Geflügelhändler hingegen bescheren im Advent eine Lieferung von "Gans frisch" und sorgen für den langen Leidensweg eines Familienvaters, der für sich doch nur das Beste will: Gänsebraten mit Rotkraut und Klößen.

Neben der träumerischen Reise von Auguste und Tamino gelingt der Inszenierung noch so manches Glanzstück: eine wilde nächtliche Jagd nach der Gans im Slapstick-Stil, die fast als Pyjamaparty endet, ein traumhaft schönes Zwischenspiel ganz ohne Worte, das die Löwenhaupts durch den besinnlichen Advent begleitet, wenn Opa die Eierlikörvorräte vernichtet, Hausmusik erklingt und Eierkuchen so hoch fliegen, dass sie an der Decke kleben bleiben.

Irgendwie weihnachtet hier alles, in diesen grünen, weinroten und karierten Kostümen von Grit Walther, in der Musik von Gundolf Nandico und nicht zuletzt im Spiel der bestens aufgelegten Darsteller. Die zickende große Schwester wird zur Kämpferin fürs Geflügel, Mama wagt kurz vorm Fest den Bruch mit dem Gatten und der bleibt lange ein Stiesel, der seine Prinzipien hat und Auguste wenigstens ein "Verzeih mir" gönnt, bevor er sie mit Schlaftabletten bratbereit macht, denn "Bestimmung ist Bestimmung". Weil eine Pille aber eine Gans längst nicht umhaut, schnattert es schließlich hinterm Sessel, wo Papa schon mal Federn rupfte. Eine kahle und frierende Auguste ist sauer und alle anderen glücklich, dass sie noch schnatternd ihren Senf dazu geben kann. Da gibt es bei Löwenhaupts dann diesmal doch nur Würstchen mit Kartoffelsalat und das schönste Geschenk des Jahres im modischen Strick und mit Pudelmütze sollte doch recht behalten: "Mein Schicksal ist nicht so", erklärte sie Tamino gleich zu Beginn, als es um die Sorge um ihre Zukunft als Braten ging.

Helmut Rohm, Volksstimme, 03.12.2011

Tierisches Treiben im Hause Löwenhaupt

Im Traum erscheint Kammersänger Luitpold Löwenhaupt (Gerald Fiedler) ein lecker duftender und übergroßer Weihnachtsgänsebraten mit Rotkohl und Klößen. So beginnt die neue Märcheninszenierung des Anhaltischen Theaters Dessau in der Regie von Andreas Rehschuh: "Die Weihnachtsgans Auguste" nach einem Märchen von Friedrich Wolf.

Damit der kulinarische Traum in Erfüllung geht, hat Vater Löwenhaupt schon im November eine Gans vom Lande gekauft. Eine sehr große und wunderschöne, aber noch lebendige. Die watschelt, ewig schnattert und die -wie sich später herausstellt - sogar sprechen und singen kann.

Und eben deshalb entwickelt sich ein ganz schwieriges Problem im Drei-Generationen-Haushalt Löwenhaupt. Mutter Clara (Nina Machalz), Tochter Carmen (Katja Sieder), Sohn Tamino (Patrick Rupar), auch Opa Theo (Hans-Jürgen Müller-Hohensee) gehen auf Konfrontation zum Maestro. Sie sind gegen das Töten und Essen der Weihnachtsgans. Susanne Hessel spielt Auguste in einem wunderschönen Federkostüm, später auch einem Gänsehautkostüm, mit sehr viel "tierischem" Einfühlungsvermögen (Kostüme Grit Walther).

Die Theatergäste erleben im Hause Löwenhaupt ein abwechslungsreiches Familienleben (Bühne Eva-Maria Declercq). Die reizvollen Dialoge drehen sich letztendlich um die Frage, ob denn eine Gans, die durch Tamino den Namen Auguste erhält, ein Haustier ist und besondere Liebe erfahren und das Leben behalten kann. Ideenreich inszenierte turbulente, von dramatischer Musik begleitete Szenen, bis dass die Federn wahrhaftig fliegen, halten die Handlung auf hohem Spannungspotenzial.

Schließlich fällt Auguste nach einem Schlaftablettenanschlag durch Luitpold Löwenhaupt (scheinbar) tot um. Und bekommt, weil schon gerupft, eine schöne grüne Jacke, dazu eine Kappe und einen Muff. Es gibt keinen Gänsebraten zu Weihnachten. Ende gut, alles gut. "Das Premierenpublikum im ausverkauften Theater spendete einen Riesenbeifall, der sich durch häufigen spontanen Szenenapplaus ankündigte. In diesem Jahr gibt es noch 21 Aufführungen.

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