Die Perlenfischer

Oper von Georges Bizet [Oper konzertant]

Libretto von Michel Carré und Eugène Cormon
[In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln]

Liebe und Freundschaft in einem exotischen Ambiente. Zurga, Anführer der Perlenfischer auf Ceylon, begrüßt den Jäger Nadir, einen lang vermissten Jugendfreund. Einst schworen sie einander, mit Rücksicht auf ihre Freundschaft nicht um die Frau zu werben, in die sich beide verliebt hatten. Nun erneuern sie diesen Eid. Während die Fischer auf dem Meer sind, soll im Tempel eine verschleierte Jungfrau für eine ruhige See beten. Nadir erkennt in ihr Leïla, seine und Zurgas Jugendliebe. Jegliche Gefahr missachtend will sie zur Flucht überreden. Doch das Paar wird entdeckt. Zornig verlangen die Perlenfischer den Tod der beiden Tempelschänder. Kurz vor der geplanten Hinrichtung greift Zurga ein.

Die erste große Oper des späteren „Carmen“-Komponisten Georges Bizet wurde 1863 in Paris uraufgeführt und ist eines der schönsten Beispiele dafür, wie man sich im 19. Jahrhundert weit entfernte, unbekannte Länder herbei träumte. Bei Bizet führten diese Träume zu berückenden Klängen und einer „Perlen“-Kette berühmter Stücke, darunter das bekannte Duett „Au fond du temple saint“. Oper konzertant – Ein Traum für die Ohren!

Musikalische Leitung Antony Hermus
Chor Helmut Sonne
Konzertdramaturgie Ronald Müller

Leila, Priesterin des Brahma Angelina Ruzzafante
Nadir, Fischer und Freund von Zurga Eric Laporte
Zurga, Fischer und Oberhaupt des Dorfes Wiard Witholt
Nourabad, Hohepriester des Brahma Virgil Mischok

PRESSESTIMMEN

"Unter die Haut", Mitteldeutsche Zeitung, 10.12.2013

von Erhard Hellwig-Kühn

ANHALTISCHES THEATER Dessaus Opernpublikum erlebt eine konzertante Aufführung von Georges Bizets "Perlenfischern". Die Musik ist ergreifend.

Es ist schade, wenn bei einer Premiere im Anhaltischen Theater Dessau viele Plätze im Saal leer bleiben. Am Samstag gab es Bizets Oper "Die Perlenfischer" in einer konzertanten Aufführung. Zuletzt konnte man diese Oper 1992 - ebenfalls konzertant - in Dessau hören. Es ist das Erstlingswerk des damals 24-jährigen Alexandre César Léopold Bizet, heute besser bekannt unter Georges Bizet. Unter den anwesenden Zuschauern munkelte man, dass es eben die konzertante Aufführung sei, die viele abhielt zu kommen.

Leila drückt ein Auge zu

Dabei haben konzertante Opernaufführungen ihre Berechtigung. Sieht man von Produktionsmehrkosten ab, ist gerade diese Bizet-Oper, die von dramatischer Leidenschaft, lyrischem Empfinden, Liebe, Freundschaft, Intrige, Rachsucht und Pflichterfüllung in Musik und Sujet nur so strotzt, durchaus ohne Bühnenbild und Kostüme vorstellbar und hörenswert - und zu inszenieren sehr schwer. Große szenische Produktionen bergen zudem immer die Gefahr, die Musik in den Hintergrund zu drängen.

Eher trivial und vor allem aus christlich-kolonialer Sicht wie ein Märchen zu betrachten ist die Handlung. Handlungsort ist Ceylon. Priesterin Leila hat der Fleischeslust abgeschworen. Der Jäger Nadir und sein Chef und Freund Zurga, der Anführer der Perlenfischer, haben ein Auge auf sie geworfen. Bei Nadir scheint Leila in Sachen Fleischeslust eher ein Auge zuzudrücken. Zurga ist demgegenüber in früherer Zeit als junger Mann von Leila einmal gerettet worden. Er bekommt das Techtelmechtel zwischen Nadir und Leila mit und überantwortet sie der Hinrichtung durch die von ihm geführten Perlenfischer.

Das Spiel nimmt seinen Lauf. Zurga erkennt jedoch rechtzeitig in Leila seine einstige Retterin, brandschatzt als Ablenkungsmanöver die dörfliche Idylle seiner Fischermeute, um die ungehinderte Flucht von Leila und Nadir zu ermöglichen. Adieu, mes amis.

Die Handlung geht nicht wirklich unter die Haut, die Musik indes sehr. Unter der Leitung des für Antony Hermus einen Tag vor der Premiere eingesprungenen Dirigenten Jeremy Carnall, derzeit als Kapellmeister an der Leipziger Oper tätig, konnte man eine klangschöne wie klanggewaltige Aufführung erleben. Die Koloraturprimadonna Angelina Ruzzafante als Leila imponierte mit ihrer schönen und klaren Stimme, voller Dramatik. Die Demut der Leila wirkte bei ihr energiegeladen, sinnlich und selbstbewusst.

Eric Laporte als Nadir überzeugte ebenfalls mit gutturaler Klangschönheit beim Phrasieren in den oberen und mittleren Lagen. Unterhalb dieser Spitzenlage gelangen Laporte darüber hinaus genauso betörende Momente, eine feine Mixtur also aus Brust- und Kopfklang. Der Bariton Wiard Witholt hat als Zurga eine der Hauptaufgaben zu tragen und überzeugte damit auf der ganzen Linie. Wunderschön etwa das Duett "Oui, c' est elle" (Ja, sie ist's, die Hehre, die Eine!) im ersten Akt, in der beide Leila schmachtend besingen und ihre Freundschaft beschwören. Nicht minder überzeugend auch Thomas Skambraks als Oberpriester Nourabad, der eigentlich eher eine Nebenrolle spielt.

Dabei sein lohnt sich

Sensationell und vom Publikum bejubelt wurde Jeremy Carnall am Pult der exzellenten Anhaltischen Philharmonie Dessau samt ausgezeichnetem Opernchor (Einstudierung Helmut Sonne), prägnant in der Stabführung, bei dem die Einsätze saßen. Sein Temperament unterstrich er mit vollem Körpereinsatz und teils angedeuteten Luftsprüngen. Es ist schon beeindruckend, innerhalb eines Tages ein so gut vorbereitetes Ensemble samt Opernchor zu übernehmen und zielsicher durch zweieinhalb Stunden Musik zu manövrieren.

Der langanhaltende, tosende Applaus war allen Beteiligten sicher und führte zur Zugabe von Teilen des letzten Duetts von Leila und Nadir gefolgt vom sybillinischen "Adieu" des Zurga. Es lohnte sich, dabei gewesen zu sein.

"Macht der Stimme", www.opernnetz.de, 04.01.2014

von Andreas H. Hölscher (Auszug)

Wie viel Regie und wie viel Bühnenbild braucht es, um eine exotische Bizet-Oper mit Leidenschaft, Ausdruck und tiefer Nachhaltigkeit aufzuführen? Insbesondere, wenn die Geschichte banal erscheint und der finanzielle Aufwand einer Großproduktion heutzutage kaum realisierbar erscheint. Wenn allerdings großartige Sänger den musikalischen Ausdruck mittels der Macht ihrer Stimme voller Intensität gestalten, dazu ein gut disponierter Chor und ein bestens aufgelegtes Orchester begleiten, wenn ausschließlich die Musik und der Gesang im Vordergrund stehen, genau dann bedarf es keiner ablenkenden Regie und keines Bühnenbildes. Das erlebt man zurzeit in Dessau, wo Bizets Frühwerk Die Perlenfischer als konzertante Aufführung auf dem Spielplan steht. [...]

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