Die lustige Witwe

Operette von Franz Lehár

Graf Danilo tröstet sich mit Grisetten über den Schmerz hinweg, dass er seine große Liebe Hanna aus Standesgründen nicht heiraten durfte. Hanna nahm sich daraufhin einen reichen Bankier zum Mann, der allerdings noch in der Hochzeitsnacht verstarb. Jetzt ist sie eine reiche Witwe und wird auf den Partys der Schönen und Reichen von vielen Männern umworben. Allerdings ist es von staatlichem Interesse, dass ihr Vermögen im Land verbleibt, weshalb der Botschafter Baron Zeta Danilo darum bittet, Hanna doch zu seiner Gattin zu machen. Zunächst sträubt sich der Graf, aber als Hanna ihn mit Desinteresse straft, entflammt Danilos Liebe zu Hanna erneut. Doch er verbirgt stolz seine Gefühle hinter gespielter Ablehnung. Erst als Hanna vorgibt, kein Geld mehr zu besitzen, findet das Paar wieder zueinander. Der Text zu »Die lustige Witwe« war für den jungen und noch unbekannten Lehár ein Glücksfall und die passende Gelegenheit zum Karrieresprung. Lehár nahm sie bekanntlich trefflich wahr. »Die lustige Witwe« ist bis heute die am häufigsten aufgeführte Operette neben Strauß‘ »Fledermaus«, was aufgrund der szenisch wie musikalisch gleichermaßen glücklichen Umsetzung einer satirischexotisch-pikant-boulevardesken Geschichte über die Sorgen und Nöte der High Society gut zu verstehen ist.

Musikalische Leitung Wolfgang Kluge
Inszenierung Johannes Zametzer
Bühne Gerhard Mayer
Kostüme Katja Schröpfer
Choreographie Tomasz Kajdanski
Chor Helmut Sonne
Dramaturgie Sophie Walz

Baron Mirko Zeta, pontevedrinischer Gesandter in Paris Gerald Fiedler / André Eckert
Valencienne, seine Frau Cornelia Marschall
Graf Danilo Danilowitsch, Gesandtschaftsekretär, Kavallerieleutnant in Ruhe Wiard Witholt
Hanna Glawari Angelina Ruzzafante
Camille de Rosillon David Ameln
Praskowia genannt „Njegus“, Sekretär Kristina Baran
Cascada Jan-Pieter Fuhr
St. Brioche Filippo Deledda
Bogdanowitsch Alexander Dubnov
Sylviane Anna-Maria Tasarz
Kromov Cezary Rotkiewicz
Olga Jagna Rotkiewicz
Pritschitsch Leszek Wypchlo
Grisetten
Lolo Anna-Maria Tasarz
Dodo Mélanie Legrand
Jou-Jou Annelies Waller
Frou-Frou Anna Jo
Clo-Clo Bobby Bernstein
Margot Charline Debons
Anhaltische Philharmonie Dessau
Opernchor des Anhaltischen Theaters
Ballettensemble des Anhaltischen Theaters

PRESSESTIMMEN

Alexander Hauer, Der Opernfreund, 15.11.2012

Griechenland, Italien, Spanien! Und jetzt auch noch das kleine Pontevendrino. Alle Pleite! Aber anders als bei den EU-Ländern hilft dem kleinen Balkanstaat kein Rettungsschirm. Also was tun? Es gibt nur eine Rettung. Hanna Glawari, Witwe des Hofbankiers, und 20 Millionen schwer, muss ihr Vermögen in die kleine Monarchie pumpen. Also muss sie heiraten, und zwar einen Pontevendriner, damit das Vermögen im Lande bleibt.
Krisenbewältigung ohne EU-Rettungsschirm
Johannes Zametzer verlegt die „Witwe“ in unsere heutige Zeit. Und das, ohne dass das Werk auch nur den kleinsten Schaden nimmt, Staatspleiten sind ja keine Erfindung der Neuzeit. Den Besuchern der Uraufführung war der griechische Staatsbankrott von 1893 sicherlich noch in Erinnerung. Also hat die „Witwe“ auch heute einen aktuellen Zeitbezug.
In der pontevendrinischen Botschaft weiß man ob der finanziellen Probleme, aber man ignoriert sie, und feiert ein rauschendes Gartenfest in der Umbaubaustelle. Der Champagner fließt in Strömen, Leichen im Pool werden genauso ignoriert, wie fächerbewehrte Nobelschneider. Man feiert sich, man genießt diesen Tanz auf dem Vulkan, denn wer weiß, was morgen ist. Und dann landen die 20 Millionen, und die gesamte Männerwelt stürzt sich auf sie wie eine Löwenmeute auf eine Gazelle. Die Männer kommen bei Zametzer nicht gut weg. Leicht debil, gierig und etwas ungeschickt sind die alle. Ganz im Gegensatz zu den Damen, die genau wissen was sie wollen, und vor allem, was sie nicht wollen. Da ist Valencienne, Gattin des Botschafters Baron Mirko Zeta, je öfter sie beteuert, dass sie eine anständige Frau ist, umso unglaubwürdiger wird sie. Ach ja, im Gegensatz zu Obst sind viele Frauen erst dann wirklich gut, wenn sie gänzlich verdorben sind. Und Cornelia Marschalls Valencienne ist ein ganz bezauberndes Früchten. Mit lyrischen Sopran, tänzerischer (Hoch)Begabung und gänzlich unsubtiler Erotik umgarnt sie nicht nur ihren Gatten, Gerald Fiedler gibt den Baron mit solch einer Präsenz, dass sängerische Mängel, er kommt ja auch vom Schauspielensemble, mehr als Wett gemacht werden. Bei allem diplomatischen Geschick, die „diplomatischen“ Winkelzüge seiner Angetrauten erkennt er nicht.

Der vom Baron bestimmte Mann für die Glawari ist Graf Danilo. Wiard Withold ist das Gegenteil der üblichen Danilodarstellung. Der 2-Meter-Schlacks orientiert sich eher an dem Ur-Danilo, und das war nicht Johannes Heesters. Louis Treumann spielte den Danilo als Komiker und Withold steht ihm in nichts nach. Unbeholfen, ständig das Hemd aus der Hose hängend, ist er mehr „Kasper“ als Latin Lover. Stimmlich klingt er gänzlich anders als Treumann. Sein Bariton lebt von einem feinen Schmelz, höhensicher und tiefenfest. Er schont seine Stimme nicht, bellt die „Königskinder“ aggressiv wie ein gereizter Kampfhund, und säuselt die schweigenden Lippen wie ein verliebter Pennäler. Sein Gegner im Kampf um die Damen ist Artjom Korotkov. Der junge Tenor gibt den Pariser ganz mit französischem Charme und sicherem Stimmmaterial. Sein Menjou-Bärtchen scheint ein Frauenmagnet zu sein, sein Tenor ist klar und fest wie Emaille.
Hanna Assuluta!

Ja, und da ist noch sie. Sie, die 20 Millionen, die lustige Witwe. Angelina Ruzzafante lebt dieses kapriziöse Luxusweibchen. Selbstbewusst weiß sie, wie sie die Männerwelt steuern kann. Der voreheliche Kampf, das Aufwärmen einer, aus familiären Gründen gescheiterten Beziehung, mit Danilo wird zu einer köstlichen Kapriole.
Der Seine und der Liebe Wellen
Der zweite Akt führt dann nicht in den Palast der Glawari, sondern auf ihre Yacht im Pariser Hafen. Legt Angelina Ruzzafante im ersten Akt die Latte schon sehr hoch an, spätestens beim Vilja-Lied triumphiert sie vollends. Perfekt gesungen, ohne das sonst so übliche Opernpathos, erntete sie in der Premiere begeisterten Zwischenapplaus. Gerhard Mayers Bühnenbild besticht auch hier. Ein hochseetüchtiger Segler, in seiner ganzen Länge, füllt die Bühne. Der kleine Pavillon in dem die Rosenknospe so schön erblühen kann, wird ganz profan, aber absolut stimmig, zur Unterdeckkabine.
Die Party geht weiter
Im dritten Akt hat man dann den Garten der Botschaft wieder neu dekoriert. Das Dessauer Bühnenportal en miniature, mit dem Glitzervorhang aus „Moulin Rouge“ ist der Rahmen für die Grisetten. Angeführt von der bezaubernden Valencienne singen, tanzen und spielen sich die Damen des Balletts in hollywoodreifen Kostümen endgültig in die Herzen der Zuschauer.
Zum Finale sind alle glücklich. Alle? Der Baron ist von der Treue seiner Frau überzeugt, Valencienne weiß dies zu nützen, Hanna hat endlich ihren Danilo, das kleine Land ist gerettet. Nur der Njegus, Danilos Sekretär, der sich im zweiten Akt als Sekretärin herausgestellt hat, geht leer aus. Aber beim Charme von Kristina Baran wird das sicher kein Dauerzustand sein.
Überragende musikalische Leistungen
Helmut Sonnes Chor zu loben, hieße Eulen nach Athen tragen. Dieser Chor ist immer eine Augen-und Ohrenschmaus. Aber in der Witwe laufen sie zur Höchstform auf. Jedes Chormitglied spielt seine eigene kleine Solorolle, grade so wie es die vergnügungssüchtige Gesellschaft eben verlangt. Tomasz Kajdanskis Ballett hat genügend Gelegenheit sich zu präsentieren. Egal ob als fischschwänzige Ballsirenen im Botschaftspool, als Grisetten im Garten-Moulin Rouge, oder als „Volkstänzer“, zusammen mit den leider zu kurz gekommenen Herren im zweiten Akt, seine Choreographie besticht immer durch Charme und Präzision.
Was für den Chor gilt, hat auch bei der Anhaltischen Philharmonie Gültigkeit. Unter Wolfgang Kluges Dirigat, spritzig und voller Klangerotik, unterstützen sie das Sängerensemble, bilden sie einen Klangteppich, auf dem es sich prächtig flanieren lässt. Die musikalische Leistung, die ausgeklügelte Regie von Johannes Zametzer, das Bühnenbild von Gerhard Mayer und das opulente Kostümbild von Katja Schröpfer machen diese Witwe sicherlich zu einem Dauerbrenner und Publikumsliebling der Dessauer und der vielen Theaterfans, die von weither anreisen, um First Class Theater zu erleben.

Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung, 06.11.2012

Lustige Witwenjagd

ANHALTISCHES THEATER Premiere von Franz Lehárs Klassiker wird gefeiert.

Jeder weiß, dass sie sich kriegen. Sie wissen es auch. Bis dahin "geht's ans Kosen, Küssen", bis dahin "wird champagnisiert und häufig cancaniert"? Nicht nur, denn die Liebenden sind verletzt. Deshalb brauchen sie die ganze Operette, bis, mag das Herzchen hüpfen, die Geigen wirklich Liebe flüstern. Es prickelt: Das wahre seichte Leben wird fächelnd entkorkt, auf der Bühne des Anhaltischen Theaters Dessau.

Beschwingte Eildepeschen

Franz Lehárs Erfolgs-Operette "Die lustige Witwe" feierte im Sinne des Wortes am Sonnabend Premiere. Somit kreuzt neben Dürrenmatts alter Dame eine zweite millionenschwere Witwe den Spielplan. Zufall? Jedenfalls schießt Gastregisseur Johannes Zametzer in seiner luftigen Dessauer Inszenierung keine Korinthen ins Libretto, verkneift sich allgegenwärtige Gegenwartsbezüge zum pontevedrinischen Staatsbankrott, beschleunigt ein luftiges Bankett delikater Stimmen und herzhafter Musik, macht aus Dialogen Gelage nach Art beschwingter Eildepeschen - und aus der verhalten eingerichteten Bühne ein zeichenhaftes Picknick.

Natürlich darf die noch in der Hochzeitsnacht reich verwitwete Hanna Glawari keinen Franzosen heiraten, weil ihre Millionen dann dem armen kleinen Vaterland verloren gingen. Natürlich ist sie verletzt, weil Graf Danilo sie einst aus Standesgründen nicht ehelichen konnte. Natürlich bleibt der Graf verhalten, weil ihr Geld nun einen falschen Schein erwecken könnte. So greift er vorerst nach Lolo und Dodo; und natürlich spielt die Liebe auf allen außerehelichen Nebenschauplätzen.

Schon ihre Stimmen füßeln und leuchten jeden Winkel der Affäre aus: Gleich zu Beginn beteuert Valencienne (Cornelia Marschall), "ich bin eine anständige Frau" und lässt sich anständig von Camille de Rossilon (Artjom Korotkov) befummeln, mehr als Plänkelei, maßvoll-maßlos in Szene gesetzt. Eigentlich ist sie verheiratet mit Baron Mirko Zeta, den nun ein Schauspieler mimt. Entgegen der Geschichte sind Operettennummern längst geschönt und opernnah verklärt. So klingt der Baron im Konvent der atmenden Stimmen ein wenig erkältet, dafür liefert Gerald Fiedler einen kauzigen Gehörnten und echten Patrioten, der beim staatstragenden Wort "Vaterland", den "Vater" vergisst, Beispiel einer kleinen Karikatur, die en passant demaskiert. Mag die Gemahlin anderwärts flirten, Njegus bleibt dem Baron treu, eine Hosenrolle, Kristina Baran in Nähe des Charakterkomikers. Auch die Kostüme sind ansprechend angeheitert.

Weibermarsch und Damenwahl: Der Chor, die Herren und die Damen stellen eine bewegte Gesellschaft und kochen die Stimmung sauber nach oben. Ein anderer Held sitzt im Verborgenen: Das schlank und beseelt musizierende Orchester (Leitung Wolfgang Kluge) legt ein tanzendes Parkett der Sinnlichkeit aus, stenographiert kleine Abgründe tief, offenbart das Innere vor dem Text: Ein Bravo in den Graben und einen Gruß an Maurice Lepetit, den einstigen Solocellisten, der seinen letzten offiziellen Dienst versah. Nun kann auch er Grisetten sehen, schöne lange Beine später, vorerst Flossen und ein wenig Barbecue-Atmosphäre zu Beginn der ergötzlich gezeichneten Witwenjagd.

Inselreich der Immunität

Pontevedro bleibt ein Operettenstaat, auch wenn und weil dessen Pariser Botschaft zeichenhaft zum Inselreich der Immunität wird, indem die Grisetten vorerst als Nebel-Nymphen im Pool plantschen oder eine Yacht frontal, als sei sie im Aquarium gestrandet, im zweiten Akt ankert. Finanziert wird das gesteigerte Sinnbild des begrenzten Freiraums vom Ballett, dem der Raum genommen, das nun in der Fläche aufgefädelt wird; und über Bord geht es Steuerbord.

Bevor sich zum Finale als Spiel im Spiel eine Guckkastenbühne zwillingsbrüderlich und varietistisch in die Guckkastenbühne senken wird, steht Angelina Ruzzafante an der Rampe, singt das "Vilja-Lied" wie eine ferne Erinnerung nah, aufrecht neben einer leicht androgyn kauernden Verklärung. Geld spielt keine Rolle mehr. Man klebt an den Lippen der Witwe. Was sie an Bewegungen spart, bewegt ihre Stimme. Und Danilo lebt den Lebemann, trotzt mit den "Königskindern", liebt herzlich.

Eindeutig zweideutig

Mögen Wiard Witholt tausend Grisetten betören, er hält jeden Ton und färbt nuanciert. Diese Stimmen umarmen sich liebevoll verwoben zum Happy End. Wenn nach allen eindeutigen Zweideutigkeiten dieses schlichte Liebeslied sitzt und keinerlei schnulzige Schleifspur hinterlässt, dann wurde alles richtig gemacht, dann lieben sie sich wirklich. Und wenn sie nicht gestorben sind, müssten sie flüstern noch, die Geigen.

Helmut Rohm, Volksstimme, 05.11.2012

Turbulente Beziehungswirren mit unvergesslichen Melodien

Operette kann immer noch Spaß machen. Franz Lehárs "Die lustige Witwe", Uraufführung 1905 in Wien, hatte am Sonnabend im Anhaltischen Theater Dessau in der Regie von Johannes Zametzer ihre bejubelte Premiere.
Die Regierung des kleinen Balkanstaates Pontevedro kabelt in die Pariser Botschaft: "Wir stehen vor dem Staatsbankrott!" Doch keine EZB hilft. Kein EU-Rettungsschirm ist aufgespannt. Der Gesandte Baron Zeta ist gefordert. Mit den 20 Millionen einer zur reichen Witwe gewordenen ehemaligen armen Pontevedrinerin könnte die Staatsinsolvenz abwendet werden. Wenn sie geschickt verheiratet wird.

Das Spiel um Liebe und Geld beginnt auf einem Fest in der Botschaft. Die Fähnchen wehen. Offensichtlich ein Fluggerät landet mit großem Getöse. Der Witwe Hanna wird der rote Teppich ausgerollt.

Wie ein Schmeißfliegenschwarm rotten sich Männermassen um die mondän daherkommende, wohl vor allem des Geldes wegen begehrte Frau. Angelina Ruzzafante, meisterlich in allen Sopranlagen und vor allem bestechend mühelos klar in den Höhen, präsentiert zudem eine letztendlich lebensbejahende Frau mit all ihren Zweifeln, Wünschen und hoher Emotionalität. Es war ganz still im Publikum, als sie die "Vilja-Ballade" mit effektvollem Background des unsichtbaren Chores intonierte. Sie stellt jedoch überzeugend eine Frau dar, die sich nicht fremdbestimmt verheiraten lässt, sondern selbstbestimmt entscheidet, wen sie ehelichen möchte.

Fast unbemerkt, arg durchnächtigt von aufregenden Besuchen bei den Grisetten im Maxim, erscheint Graf Danilo, der potentielle Bräutigam, der "Vaterlandsretter". Das Problem: Beide haben sich früher schon einmal geliebt, aber Standesunterschiede wegen durfte Graf Danilo nicht heiraten. Beider Liebe erwacht wieder. Doch der von Wiard Witholt dargestellte Graf Danilo zerfleischt sich fast zwischen dieser Liebe und dem möglichen Vorwurf, sie nur des Geldes wegen zu begehren. Hat er eine zweite Chance?

Es ist köstlich zu erleben, wie sich beide zärtlich annähern, wechselseitig gespielt garstig zurückweisen, erneut das Aufeinanderzugehen praktizieren. Ja, das Happy End kommt. Mit einem Trick gibt sie nämlich vor, nicht über ihr Geld verfügen zu dürfen. Graf Danilo ist des Glückes voll. Heirat ist bei Wahrung des Gesichtes möglich. Das Vaterland ist gerettet.

Die Zuschauer werden mitgenommen in ein pralles Pariser Nachtleben. Sie erleben eigentlich zu verurteilende, doch gerade in Operetten sehr unterhaltsam daherkommende turbulente, amourös geprägte Beziehungswirren, in denen vor allem betrogene Ehemänner dominant sind. Ein neues Frauenbild hat sich gemeldet. Schon damals bei Lehár. Erst recht in der Gegenwart, in der Johannes Zametzer seine Inszenierung angesiedelt hat.

Bis in die heutige Zeit unvergessliche Melodien

Neben Hanna-Danilo präsentieren sich Valencienne (Cornelia Marschall), des Barons Frau, und ihr Liebhaber Camille (Artjom Korotkov) als ein aktiv glaubhaft verliebtes Paar. Auch wenn sie immer wieder singend beteuert: "Ich bin eine anständige Frau." Ein Paar besonderer Bindung sind der meist trottelige, eigentlich bedauernswerte, betrogene Ehemann Baron Zeta (Gerald Fiedler komödiantisch gut, im Gesang eher mäßig) und sein agiler Sekretär Njegus (von Kristina Baran pfiffig dargestellt).

Zametzer setzt nach der Pause (nach dem 1. Akt) spürbar gelungener auf beim Publikum gut ankommende Situationskomik, deutet diese oft nur in Nuancen, doch stets trefflich an.

Der Chor (Helmut Sonne) zeigt sich in bester Sanges- und Spiellaune. Mitglieder der hauseigenen Ballettcompagnie präsentieren sich fabelhaft nicht nur als Grisetten. Johannes Zametzer inszeniert diese Operette in einem mehr karg ausgestatteten Bühnenbild (Gerhard Meyer), das ein paar kleine Gags in sich birgt, so zum Beispiel mit Hannas Yacht als Spielort des zweiten Aktes. Ihre Kostüme gestaltet Katja Schröpfer elegant mondän bis "normal menschlich".

Und aus dem Graben schickt die Anhaltische Philharmonie unter Wolfgang Kluge die Musik mit Tempo und Esprit in den Raum. Fast jede Gesangsnummer ist ein Hit. Es sind, ohne Nostalgie zu predigen, bis heute unvergessliche Melodien. So wie der voluminöse Schlussgesang, wenn alle Mitwirkenden "Ja das Studium der Frauen ist schwer ..." skandieren", ehe stürmischer Beifall und Bravorufe einsetzen. Was ohne Hannas Trick geschehen wäre, das möge der Zuschauer weiterdenken.

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