Die Drei von der Tankstelle

Musikalische Komödie von Sepp Tatzel nach einem Ufa-Filmklassiker
von Franz Schulz & Paul Frank
Musik: Werner Richard Heymann/ Liedtexte: Robert Gilbert

Drei junge Männer werden von der Krise voll erwischt und sind über Nacht pleite. Überall hängt der Kuckuck und die Konten sind gepfändet. Aber ein Freund bleibt immer ein Freund, auch wenn die Welt zusammenfällt: Sie verkaufen ihr Auto, pachten eine Tankstelle, verlieben sich in dieselbe Frau. Lilly aber hat ihren eigenen Kopf. Nur gut, dass Mama G Rat weiß. In ihrem Nachtclub treffen alle erstmalig zusammen. Dabei wird die Freundschaft der drei Verehrer auf eine harte Probe gestellt.

ZWEI HÖRBEISPIELE
»Ein Freund, ein guter Freund«
»Hallo, du süsse Frau«
Musik: Richard Heymann, Text: Robert Gilbert, Ausführende: siehe nebenstehende Besetzung
Doch was wäre eine Komödie aus den 30er Jahren mit singend-tanzenden Schauspielern und einer Live-Band der Extraklasse, ohne ein Happy End?

Dieser Theaterabend bleibt nicht in der Krise stecken, sondern macht sich auf, zu beweisen, dass man mit Witz, ein wenig Liebe und viel guter Musik auch das tiefste Jammertal überleben kann! In der Inszenierung von Maria Viktoria Linke und der Choreografie von Joe Monaghan erleben Sie ein spritziges und gut aufgelegtes Ensemble mit Susanne Hessel, Jan Kersjes, Thorsten Köhler, Matthieu Svetchine und Stephan Korves. Lassen Sie sich von den Rhythmen der dreißiger Jahre und Evergreens wie „Ein Freund, ein guter Freund“, “Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen“, „Hallo! Du süße Frau“ mitreißen!
www.heymann-musik.de

Inszenierung Maria Linke
Mentorin Andrea Moses
Ausstattung Jelena Nagorni / Samuel Hof
Musikalische Leitung Ulf Steinhauer
Choreografie Joe Monaghan
Dramaturgie Holger Kuhla
Die Drei Jan Kersjes / Thorsten Köhler / Matthieu Svetchine
Lilly Susanne Hessel
Doktor Kalmus, Vater Benz, Mama G, Kunde Stephan Korves
Die Combo Ulf Steinhauer / Steffen Gräf / Sven Klette

PRESSESTIMMEN

Wolf-D. Kröning, Bild, 13.12.2010

„Die Drei von der Tankstelle“
Dessaus Klamauk-Show

Da ist er ja wieder, der gute alte DDR-Geruch! Im Alten Theater, ei nem Neubau mit Kita- Feeling, hat man offenbar Wofasept ins Wischwasser gekippt, anders ist das Fluidum schwer hinzukriegen.

Klamauk in Dessau: „Die Drei von der Tankstelle" - nach dem Film-Klassiker von 1930 - als rasante Comedyshow: ein echter Brüller! Silvester kommste nich mehr rin.

Die Premiere ging schon mal gut los: Es wurden mehr Karten verkauft als Plätze vor handen. Da hieß es: nix wie rein! Zig Zu schauer drängelten sich un erlaubt über den Personaleingang hinauf in den Saal – die Garderobiere wurde bleich vor Entsetzen.

Die Stimmung: prächtig! Ein großer Autovermieter (den Namen sag ich nicht) hatte 14 Mitarbeiter ins Theater geschickt; einige von ihnen hatten sich auf dem Weihnachtsmarkt heftigst Mut angetrunken. Man winkte sich zu („Huhu, hier sitz ich!") und versuchte, den Schau spielern mit dazwischengeblökten Tipps hilfreich zu sein - als wäre man in einer Mitmach-Show.

Was so ganz abwegig nicht ist. Regisseurin & Comedy-Fan Maria Linke machte aus der an sich rührenden Komödie eine rohe Klamaukveranstaltung - angeschickert ist die Gaudi um so größer. Die spucken sich sogar an, auf der Bühne, haha!

Susanne Hessel als Babydoll in Hotpants - der Knaller, auch wenn sie nicht singen kann! Stephan Korves als Riesen-Mutti mit ausgestopftem BH? Einfach supa! Und dass Jan Kersjes, Thorsten Köhler und Matthieu Svetchine sich wie besessen abrackern, das imponiert!

Die schönen Songs („Ein Freund, ein guter Freund", „Erst kommt ein großes Fragezeichen“, „Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen") werden so gefühllos heruntergeschmettert, wie's sich für Comedy gehört. Nichts greift hier ans Herz - soll's ja aber auch nicht. Spaß will man haben!

Helmut Rohm, Volksstimme, 13.12.2010

"Die Drei von der Tankstelle" feierte Premiere am Anhaltischen Theater Dessau Gute-Freunde-Geschichte voller Ideen, Tempo, Satire und Kurzweil
Eine bejubelte Premiere erlebte am Sonnabendabend die musikalische Komödie "Die Drei von der Tankstelle" nach dem gleichnamigen UFA-Filmklassiker der 1930er Jahre von Sepp Tatzel auf der Studiobühne des Anhaltischen Theaters Dessau. "Hallo, hier sind wir. Was kostet die Welt?" Noch amüsieren sich Leander, Rocco und Paul köstlich, als der mit einer (symbolischen) Kuckucksmaske verkleidete Dr. Kalmus ihnen erzählt, dass der amerikanische Finanzmogul Bernard Madoff wegen Anlagenbetrugs für 150 Jahre ins Gefängnis muss.
Totale Ernüchterung und Handlungsstarre erst, als die Freunde erfahren, dass ihre Anlagen bei Madoff lagen – und auch sie dadurch total pleite sind. Was nun? Traurig-pessimistisch klingt ihr Lied "Ein Freund, ein guter Freund...". Dann die zündende Idee, eine Tankstelle zu eröffnen. Wiederaufstieg nach oben!? Sie werden: "Die Drei von der Tankstelle". Ihr Lied klingt nun schon wieder optimistischer.
Durchaus gelungen setzen Regisseurin Maria Viktoria Linke und ihr Team die landläufig bekannte Story auf der relativ kleinen Studiobühne um. Modern im Stil einer großen Show in einem einfallsreich gestalteten wandelbaren Bühnenbild (Ausstattung Jelena Nagori/Samuel Hof). Mit Livemusik einer Drei-Mann-Combo (Ulf Steinhauer, Steffen Gräf, Sven Klette), beim Finale mit Trompetensoli von Arne Lagemann.
Und insbesondere mit ideen- und temporeichem, mitunter lautem Spiel und Gesang der Mimen. Pfiffige Regieeinfälle befördern die Handlung, Überzeichnungen und Überhöhungen sind gewollt. Komik, Satire und Tanz (Choreografie Joe Monaghan) par exellence. Machmal allerdings auch nahe am Nervigen.
Jan Kersjes (Leander), Thorsten Köhler (Rocco) und Matthiew Svetchine (Paul) geben den drei ganz verschiedenen Typen faszinierende Ausstrahlung. Sie präsentieren deren Gefühle mit jeder Faser ihres Körpers und höchster Kondition auf einem weitgeöffneten Stimmungstablett. Es läuft doch nicht so gut mit der Tankstelle.
Lilly bringt Unruhe in die Männerfreundschaft
Erst Lilly, von Susanne Hessel als etwas affektierte, reiche, mit erotischer Ausstrahlung versehene junge Frau, aber gleichwohl berührend rein liebend dargestellt, bringt Abwechslung, Hoffnung und insbesondere höchste Unruhe in die Männerfreundschaft.
Ihr Papa Benz greift ein. Bei ihrer getrennt lebenden Mama holt sie Rat. Wie ist die scheinbar verfahrene Geschichte ins Reine zu bringen? Stephan Korves präsentiert begeisternd sowohl Papa und Mama, zu Beginn auch Dr. Kalmus.
Im symbolischen Gewirr der Modellstraßen vor der großen Zapfsäule, von der eine lebensgroße Rühmann-Pappfigur grüßt, nimmt alles einen guten Verlauf. Lilly entscheidet sich letztendlich für einen. Kuss. "Ein Freund, ein guter Freund..." – Happy End, auch für die beiden anderen.
Viel Beifall und Bravos gibt es für flotte eindreiviertel Stunden kurzweiliger Unterhaltung.

Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 13.12.2010

Heitere Herrenpartie

Was sagt es eigentlich über den Gang der Geschichte, wenn eine Ufa-Operette aus dem Jahr 1930 nach acht Jahrzehnten noch immer aktuell ist? Wenn man mit süßen Liedern wie "Erst kommt ein großes Fragezeichen" oder "Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen" schon wieder die bittere Realität von Banken-Crash und Arbeitslosigkeit übertönen muss?

In Sepp Tatzels Bühnen-Bearbeitung des Film-Klassikers "Die Drei von der Tankstelle" sind jedenfalls nur wenige Stellschrauben zu justieren, um sie aus der Weltwirtschaftskrise in der Zeit der Weimarer Republik in die deutsche Gegenwart zu verlegen. Dass man das Gewinde im Alten Theater Dessau nun gelegentlich ein wenig überdreht, ändert nichts am vergnüglichen Ausgang des Premierenabends.

Die Herren Willy, Kurt und Hans, die im Nachkriegs-Remake auf die Namen Peter, Robert und Fritz umgetauft worden waren, heißen hier Leander, Rocco und Paul - aber pleite sind sie nach ihrer einjährigen Lustreise erneut. Der Gerichtsvollzieher zerschneidet mit ihren Kreditkarten den Lebensfaden, lediglich der Bentley ist ihnen noch geblieben und liefert das Startkapital für die Wir-AG an der Ausfallstraße. Aber ist es in diesen Zeiten wirklich eine gute Idee, noch eine weitere Tankstelle zu errichten? Von einer einzigen Stammkundin, die noch dazu ziemlich kapriziös zu sein scheint, können drei Männer auf Dauer jedenfalls nicht leben.

Jelena Nagorni und Samuel Hof haben der Regisseurin Maria Viktoria Linke ein Bühnenbild gebaut, das sich mit wenigen Handgriffen zur Carrera-Rennbahn aufklappen lässt. Links steigen die Literpreise, rechts steht die Sperrholz-Zapfsäule, in der Mitte spannt sich ein Looping zum Show-Fenster vor dem gemalten Großstadt-Panorama. Dass sich zwischen den Fahrspuren Abgründe auftun, hilft beim szenischen Zuschnitt der wechselnden Schauplätze, in der Südkurve wahrt die Combo mit Ulf Steinhauer, Steffen Gräf und Sven Klette den Überblick. Es ist ein Raum, der die Autonomie des Theaters behauptet - und damit ideale Bedingungen für das Triumvirat der Hauptdarsteller schafft. Namentlich Jan Kersjes und Thorsten Köhler haben sich in Dessau mit ihrer eigenen Kino-Reihe "Trash am Montag" längst einen Ruf als Cineasten erspielt und zugleich ihre Begabung zur Improvisation bewiesen. In zwei großen Monologen dürfen sie nun das Stück an die Rampe und ins Heute ziehen - mit absurden Spekulationen über den Geschäftssinn oder über die Sozialromantik von Ein-Euro-Jobs. Dass man den Abend damit freilich auch angreifbar macht, wenn allzu glühweinselige Zuschauer die Aufforderung zur Interaktion wörtlich nehmen, war bei der Premiere nicht zu übersehen. Es spricht aber für die Souveränität des eingespielten Duos, dass sie selbst absurdeste Zwischenrufe auffangen und spontan in Spielmaterial umwandeln können.

Zwischen diesen beiden Irrlichtern ist Matthieu Svetchine der liebenswerte Verlierer, der zunächst die Nieten und am Ende doch den Hauptgewinn zieht - in Gestalt von Lilly, die mit hohem Rocksaum und tiefem Ausschnitt in sein Leben tritt. Susanne Hessel ist in ihrer verführerischen Frechheit die perfekte Herzensbrecherin, die auch ihren schlaksigen Eltern (Stephan Korves in zwei seiner fünf Rollen) mühelos über den Kopf wächst. Und dass alle Darsteller nicht nur die zartbittere Süße der Songs von Robert Gilbert und Werner Richard Heymann treffen, sondern in Joe Monaghan auch noch einen Choreografen mit großem Feingefühl für ihre tänzerischen Möglichkeiten gefunden haben, lässt die Revue-Elemente zu wirklichen Höhepunkten werden. Da braucht sich keiner hinter dem Pappkameraden mit dem Konterfei von Heinz Rühmann zu verstecken, der am Zapfhahn die Stellung hält - selbst wenn Kersjes den gut geölten Ton des Zelluloid-Zeitalters besonders treffend imitiert.

Dass es zwischendurch manchmal nach Mariachi und Spaghetti-Western klingt, mag man als Verweis auf den Fortschritt der Filmgeschichte und die Globalisierung des Petroleumhandels verstehen. Doch noch immer zieht sich durch die Geschichte, die nie mehr als Vorwand für eine heitere Herrenpartie war, das alte Leitmotiv: "Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt".

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