Die Bremer Stadtmusikanten

Märchen der Gebrüder Grimm

Für Menschen ab 4 Jahren


Vier Tiere, Esel, Katze, Hahn und Hund sind ein wenig in die Jahre gekommen und werden aus ihrem alten Leben aussortiert. Wer nicht arbeitet und nichts kann, wird eben einfach davongejagt. Aber was sollen sie jetzt tun, diese Aussortierten? Wie sollen sie überleben, wenn sie keiner mehr liebt und keiner mehr haben will? Und wie und womit sollen sie jetzt ihr tägliches Brot verdienen? Werden Esel, Hund, Katze, Hahn aufgeben? Nein, ganz und gar nicht, denn sie werden sich gemeinsam aufmachen, ihr neues Glück zu suchen. Wo? Na in Bremen! Und was sollen die alten Gesellen dort tun, in ihrer neuen Heimat? Sie werden wohl als Stadtmusikanten versuchen zu überleben!


Vorstellungsdauer: 1h

Inszenierung Ulrike Müller
Ausstattung Jan Lehmann
Musik Fred Kerkmann
Dramaturgie Sabeth Braun

Esel Helmut Parthier
Katze Uta Krieg
Hahn Sebastian Müller-Stahl
Pudel Silke Wallstein / Christel Ortmann

PRESSESTIMMEN

Helmut Rohm, Volksstimme, 26.10.2012

"Die Bremer Stadtmusikanten" auf der Puppenbühne

Ausgemustert, aber ein neues Glück gefunden

"Wohin soll denn die Reise geh'n...", singen zwei kleine Mädchen und ihre Mutti auf dem Weg zu ihrem Auto - offensichtlich noch so richtig beeindruckt vom gerade erlebten Theaterstück "Die Bremer Stadtmusikanten". Im ausverkauften Puppentheater des Anhaltischen Theaters Dessau hatte das Märchen der Gebrüder Grimm in der Regie von Ulrike Müller am Sonntagnachmittag eine von den jüngeren und auch den erwachsenen Zuschauern bejubelte Premiere.
Die Zuschauer erfuhren zunächst sehr eindringlich, wie jemand, der über Jahrzehnte fleißig und engagiert seine Dienste verrichtete, nun alt geworden, auch durch Technik ersetzbar, plötzlich nicht nur nicht mehr gebraucht, sondern noch dazu brutal fortgejagt wird. Wer nicht mehr arbeiten kann, wird aussortiert. Das, was in diesem Tiermärchen so locker erzählt wird, klingt doch irgendwie total realistisch.
Die vier tierischen Protagonisten werden, obwohl im Puppentheater, durch menschliche Darsteller verkörpert. Nur in einigen Szenen - mit dem den Esel wegjagenden Müller und den bösen Räubern in der Waldhütte - kommen gut in die Handlung integrierte Puppen ins spannungsgeladene Spiel. Helmut Parthier und Ute Krieg, beide von Haus aus Puppenspieler, sind Esel und Katze, die beiden Schauspieler Silke Wallstein und Sebastian Müller-Stahl verkörpern Pudel und Hahn. In ihren die Art charakterisierenden Kostümen (Ausstattung Jan Lehman) und mit den pointierten tiertypischen Verhaltensweisen in Sprache und Spiel, dargeboten mit gängigen Liedern, machten sie den Zuschauern ihre zumindest zunächst missliche Lage recht deutlich. Regisseurin Ulrike Müller setzt dabei auf eine ausgewogene Symbiose aus Humor und kurzweiliger Unterhaltung mit ernsthaften Denkansätzen. Während sich die Kleinen mächtig über geworfene Gegenstände, fliegende Federn, gut nachgemachte Tierlaute, selbst über aktionsreiches Wegjagen unbedarft freuen, denkt vielleicht mancher Erwachsene bei den Begriffen "entlassen" oder "arbeitslos", an Arbeitsagentur oder Hartz IV.
Besonders eindrucksvoll und emotional nachhaltig gelingt der Inszenierung, die für das Zusammenleben notwendige Toleranz und gegenseitige Rücksichtnahme den Zuschauern nahezubringen. Es ist köstlich zu erleben, wie die verschiedenen Essgewohnheiten und andere Verhaltensweisen präsentiert werden. Letztendlich gilt: Nur gemeinsam sind wir stark. Dann können wir nicht nur die Räuber verjagen, hier mit einem Eierzufallstreffer, sondern auch Karriere als künftige Bremer Stadtmusikanten machen. Wenn man es auf die Spitze treibt, könnte man gemeinsames gewerkschaftliches Handeln und den Weg zur Selbständigkeit als die entscheidenden Problemlösungen ableiten. Doch: Letztendlich sind diese "Bremer Stadtmusikanten" ein die Sinne anregendes, auf der Puppentheaterbühne auch mit den Kulissen, Licht und Musik einfallsreich gemachtes Märchen. Die Aufführungen finden noch bis zum 26. Dezember fast täglich mit wechselnden Anfangszeiten vormittags beziehungsweise um 15 Uhr statt.

Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung, 23.10.2012

Gestapelt sind sie stark

ANHALTISCHES THEATER Puppenbühne präsentiert die "Bremer Stadtmusikanten".

Dieses Gesindestück dürfte entsprechend der demografischen Entwicklung zunehmend gesellschaftliche Relevanz erfahren. Wem altersgerechtes Servicewohnen versagt bleibt, wer weder Räubers Beute noch Erwerbsminderungsrente bezieht, sollte seinen Enkeln dieses Märchen früh vor Augen halten - oder mit Zuwachs der verlorenen Möglichkeiten Freunde um sich versammeln für die Alters-WG. Denn nur gestapelt sind sie stark: "Die Bremer Stadtmusikanten".

Lückenlose Bewegung

Ausverkauft war die Premiere am Sonntag im Puppentheater Dessau. Ulrike Müller, die im vergangenen Jahr Tom Lanoyes "Mamma Medea" hoch konzentriert auf der schiefen Ebene zum Antike-Projekt "Metamorphosen" in Dessau inszenierte, setzt nun das Grimmsche Märchen in Fahrt, mit aufgebügeltem Text, als Schauspiel, ohne Puppen beinah, abgesehen vom Müller, einer Handpuppe, und den Räubern vielleicht, die als Schatten in Comic-Manier vor dem Gesang der nun nutzlosen Nutztiere erzittern. Da mag man spekulieren über Nutzen und Nachteil der Aussperrung der Puppen aus dem Puppentheater und lamentierten, dass zur fristlosen Kündigung des tierischen Gesindes nun die Kurzarbeit der ästhetischen Möglichkeiten trete. Die Menschen-Puppen, die Tiere-Menschen, das wäre ein redendes Konzept gewesen, welches im Ansatz stecken bleibt. Auf der Habenseite ist ein bewegtes Schauspiel zu verbuchen, lückenlose Bewegung, als große Wanderung oder feingliedriges Straucheln. Bevor der Hahn die Bühne betritt, fliegen die Federn, der Rausschmiss findet backstage statt und mittendrin.

Und wie sich die kokette Katze kraulen lässt, in köstlich launischen Bildern zur Musik. Das gefeuerte Personal stellt sein Geschick jeweils in einem Lied vor, welches zuweilen hausbackenes Resümeelied bleibt, manchmal mit der gleichnishaften Freiheit eines Gassenhauers spielt. Nun gut, sie wollen Stadtmusikanten werden und singen viel. Warum der Hund ein Pudel ist? Er spielt mit der verlorenen Eleganz der Vergangenheit, setzt die Erinnerung in die Gegenwart und hält, ausgestoßen selbst, doch am Wertesystem fest. Was vergibt man sich, wenn man nicht mehr kann, wie man konnte? Diese Konsonanten müssen erst einmal unter dieser Perücke hervorgespielt werden; und zugleich bleibt der Hund den Kindern auch noch keck. Diese mögen wohl die Typen: Die kokette Katze spielt mit der flüssigen Grazie eines Leoparden. Der alte Esel serviert, die Ohren anlegt, die ganze Liebenswürdigkeit der Unterart. So erweisen sich die Puppenspieler im Schauspiel als kongenial. Und der alte Hahn würde wohl doch noch einen guten Broiler geben, gar nicht zäh, ein jugendlich bewegter Greis, der samt Leiter flüchtet, gluckt und flattert. - Die Bühne trägt als märchenhafter Kulissenvorhang Vollmond und andere Beschaulichkeiten in Ausschnitten. Die Hütte der Räuber kann aufgeklappt werden. Und immer wieder gibt es schöne lichte Momente: Wenn die Musikanten heimlich ins Fenster schauen, spielen sie stille Post verkehrt herum, wobei der Letzte ganz selbstverständlich die unversehrte Botschaft sagt. Auch die Vertreibung der Räuber erscheint argwöhnisch verkehrt herum. Denn diese Stadtmusikanten krakeelen nicht, sondern singen beinah akkurat intoniert die Räuber in die Flucht.

Sozialutopische Wünsche

Auch wenn die Hansestadt sich das Märchen zum Wahrzeichen wählte, in Bremen kommen die Stadtmusikanten nie an. "Etwas Besseres als den Tod findest du überall", lautet einer der Kernsätze des Märchens, welches sozialutopische Unterschicht-Wünsche des 19. Jahrhunderts formuliert und in allen Schichten aktuell bleibt. Aber was soll ein alter Esel heute tun, da nicht einmal, wie im Prolog des Müllers angezeigt, junge Esel nützlich scheinen? Die Räuber berauben? Aber Achtung: Im Wald wohnen sie nur noch auf der Bühne.

Helmut Rohm, Volksstimme, 26.10.2012

"Die Bremer Stadtmusikanten" auf der Puppenbühne

Ausgemustert, aber ein neues Glück gefunden

"Wohin soll denn die Reise geh'n...", singen zwei kleine Mädchen und ihre Mutti auf dem Weg zu ihrem Auto - offensichtlich noch so richtig beeindruckt vom gerade erlebten Theaterstück "Die Bremer Stadtmusikanten". Im ausverkauften Puppentheater des Anhaltischen Theaters Dessau hatte das Märchen der Gebrüder Grimm in der Regie von Ulrike Müller am Sonntagnachmittag eine von den jüngeren und auch den erwachsenen Zuschauern bejubelte Premiere.
Die Zuschauer erfuhren zunächst sehr eindringlich, wie jemand, der über Jahrzehnte fleißig und engagiert seine Dienste verrichtete, nun alt geworden, auch durch Technik ersetzbar, plötzlich nicht nur nicht mehr gebraucht, sondern noch dazu brutal fortgejagt wird. Wer nicht mehr arbeiten kann, wird aussortiert. Das, was in diesem Tiermärchen so locker erzählt wird, klingt doch irgendwie total realistisch.
Die vier tierischen Protagonisten werden, obwohl im Puppentheater, durch menschliche Darsteller verkörpert. Nur in einigen Szenen - mit dem den Esel wegjagenden Müller und den bösen Räubern in der Waldhütte - kommen gut in die Handlung integrierte Puppen ins spannungsgeladene Spiel. Helmut Parthier und Ute Krieg, beide von Haus aus Puppenspieler, sind Esel und Katze, die beiden Schauspieler Silke Wallstein und Sebastian Müller-Stahl verkörpern Pudel und Hahn. In ihren die Art charakterisierenden Kostümen (Ausstattung Jan Lehman) und mit den pointierten tiertypischen Verhaltensweisen in Sprache und Spiel, dargeboten mit gängigen Liedern, machten sie den Zuschauern ihre zumindest zunächst missliche Lage recht deutlich. Regisseurin Ulrike Müller setzt dabei auf eine ausgewogene Symbiose aus Humor und kurzweiliger Unterhaltung mit ernsthaften Denkansätzen. Während sich die Kleinen mächtig über geworfene Gegenstände, fliegende Federn, gut nachgemachte Tierlaute, selbst über aktionsreiches Wegjagen unbedarft freuen, denkt vielleicht mancher Erwachsene bei den Begriffen "entlassen" oder "arbeitslos", an Arbeitsagentur oder Hartz IV.
Besonders eindrucksvoll und emotional nachhaltig gelingt der Inszenierung, die für das Zusammenleben notwendige Toleranz und gegenseitige Rücksichtnahme den Zuschauern nahezubringen. Es ist köstlich zu erleben, wie die verschiedenen Essgewohnheiten und andere Verhaltensweisen präsentiert werden. Letztendlich gilt: Nur gemeinsam sind wir stark. Dann können wir nicht nur die Räuber verjagen, hier mit einem Eierzufallstreffer, sondern auch Karriere als künftige Bremer Stadtmusikanten machen. Wenn man es auf die Spitze treibt, könnte man gemeinsames gewerkschaftliches Handeln und den Weg zur Selbständigkeit als die entscheidenden Problemlösungen ableiten. Doch: Letztendlich sind diese "Bremer Stadtmusikanten" ein die Sinne anregendes, auf der Puppentheaterbühne auch mit den Kulissen, Licht und Musik einfallsreich gemachtes Märchen. Die Aufführungen finden noch bis zum 26. Dezember fast täglich mit wechselnden Anfangszeiten vormittags beziehungsweise um 15 Uhr statt.

Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung, 23.10.2012

Gestapelt sind sie stark

ANHALTISCHES THEATER Puppenbühne präsentiert die "Bremer Stadtmusikanten".

Dieses Gesindestück dürfte entsprechend der demografischen Entwicklung zunehmend gesellschaftliche Relevanz erfahren. Wem altersgerechtes Servicewohnen versagt bleibt, wer weder Räubers Beute noch Erwerbsminderungsrente bezieht, sollte seinen Enkeln dieses Märchen früh vor Augen halten - oder mit Zuwachs der verlorenen Möglichkeiten Freunde um sich versammeln für die Alters-WG. Denn nur gestapelt sind sie stark: "Die Bremer Stadtmusikanten".

Lückenlose Bewegung

Ausverkauft war die Premiere am Sonntag im Puppentheater Dessau. Ulrike Müller, die im vergangenen Jahr Tom Lanoyes "Mamma Medea" hoch konzentriert auf der schiefen Ebene zum Antike-Projekt "Metamorphosen" in Dessau inszenierte, setzt nun das Grimmsche Märchen in Fahrt, mit aufgebügeltem Text, als Schauspiel, ohne Puppen beinah, abgesehen vom Müller, einer Handpuppe, und den Räubern vielleicht, die als Schatten in Comic-Manier vor dem Gesang der nun nutzlosen Nutztiere erzittern. Da mag man spekulieren über Nutzen und Nachteil der Aussperrung der Puppen aus dem Puppentheater und lamentierten, dass zur fristlosen Kündigung des tierischen Gesindes nun die Kurzarbeit der ästhetischen Möglichkeiten trete. Die Menschen-Puppen, die Tiere-Menschen, das wäre ein redendes Konzept gewesen, welches im Ansatz stecken bleibt. Auf der Habenseite ist ein bewegtes Schauspiel zu verbuchen, lückenlose Bewegung, als große Wanderung oder feingliedriges Straucheln. Bevor der Hahn die Bühne betritt, fliegen die Federn, der Rausschmiss findet backstage statt und mittendrin.

Und wie sich die kokette Katze kraulen lässt, in köstlich launischen Bildern zur Musik. Das gefeuerte Personal stellt sein Geschick jeweils in einem Lied vor, welches zuweilen hausbackenes Resümeelied bleibt, manchmal mit der gleichnishaften Freiheit eines Gassenhauers spielt. Nun gut, sie wollen Stadtmusikanten werden und singen viel. Warum der Hund ein Pudel ist? Er spielt mit der verlorenen Eleganz der Vergangenheit, setzt die Erinnerung in die Gegenwart und hält, ausgestoßen selbst, doch am Wertesystem fest. Was vergibt man sich, wenn man nicht mehr kann, wie man konnte? Diese Konsonanten müssen erst einmal unter dieser Perücke hervorgespielt werden; und zugleich bleibt der Hund den Kindern auch noch keck. Diese mögen wohl die Typen: Die kokette Katze spielt mit der flüssigen Grazie eines Leoparden. Der alte Esel serviert, die Ohren anlegt, die ganze Liebenswürdigkeit der Unterart. So erweisen sich die Puppenspieler im Schauspiel als kongenial. Und der alte Hahn würde wohl doch noch einen guten Broiler geben, gar nicht zäh, ein jugendlich bewegter Greis, der samt Leiter flüchtet, gluckt und flattert. - Die Bühne trägt als märchenhafter Kulissenvorhang Vollmond und andere Beschaulichkeiten in Ausschnitten. Die Hütte der Räuber kann aufgeklappt werden. Und immer wieder gibt es schöne lichte Momente: Wenn die Musikanten heimlich ins Fenster schauen, spielen sie stille Post verkehrt herum, wobei der Letzte ganz selbstverständlich die unversehrte Botschaft sagt. Auch die Vertreibung der Räuber erscheint argwöhnisch verkehrt herum. Denn diese Stadtmusikanten krakeelen nicht, sondern singen beinah akkurat intoniert die Räuber in die Flucht.

Sozialutopische Wünsche

Auch wenn die Hansestadt sich das Märchen zum Wahrzeichen wählte, in Bremen kommen die Stadtmusikanten nie an. "Etwas Besseres als den Tod findest du überall", lautet einer der Kernsätze des Märchens, welches sozialutopische Unterschicht-Wünsche des 19. Jahrhunderts formuliert und in allen Schichten aktuell bleibt. Aber was soll ein alter Esel heute tun, da nicht einmal, wie im Prolog des Müllers angezeigt, junge Esel nützlich scheinen? Die Räuber berauben? Aber Achtung: Im Wald wohnen sie nur noch auf der Bühne.

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