Der Protagonist/ Der Bajazzo (I Pagliacci)

Oper von Kurt Weill / Oper von Ruggero Leoncavallo

Der Opernabend, mit dem das 19. Kurt Weill Fest in Dessau eröffnet wird, koppelt Kurt Weills Erstlingsoper »Der Protagonist« mit einer der berühmtesten Opern des italienischen Verismo: »Der Bajazzo«. Beide Werke führen ins Milieu der Schauspieler und Komödianten. In beiden Werken durchdringen sich Bühne und reale Lebenswelt.

VIER HÖRBEISPIELE
Bajazzo: Din-Don-Chor
Bajazzo: Vesti la giubba
Protagonist: Ankündigung der Pantomime
Protagonist: Duett junger Herr – Schwester
Ausführende: siehe nebenstehende Besetzung

Der Dichter Georg Kaiser und der Komponist Kurt Weill haben ihren Einakter, der 1926 mit sensationellem Erfolg an der Dresdner Semperoper uraufgeführt wurde, im alten England angesiedelt. Der namenlose Prinzipal und Protagonist einer Komödiantentruppe ist von seinem Beruf besessen. Nur seine Schwester, die er sehr verehrt, vermag es, ihn von der Lüge seiner Masken immer wieder zur Wahrheit zu führen. Sie hat ihn nie belogen, doch verschweigt sie ihm diesmal ihre Beziehung zu einem jungen Mann. Vor dem Herzog soll der Protagonist am Abend eine Pantomime aufführen. Er probiert mit seinen Leuten die gewünschte deftige Posse. Die Schwester, die auf eine günstige Gelegenheit gewartet hat, ihm ihren Geliebten vorzustellen, nutzt die heitere Stimmung für ein Geständnis. Doch der Herzog verlangt nun plötzlich nach einem ernsten Stück mit dem Protagonisten als eifersüchtigem Ehemann. Als in der Probe dazu seine Schwester wieder erscheint, verwechselt er Spiel und Realität und ersticht sie. In Leoncavallos »Pagliacci« steht ebenfalls der Prinzipal und Protagonist einer Schauspielertruppe im Mittelpunkt. Canio weiß, dass seine Ehefrau Nedda ihm untreu ist. In der abendlichen Komödie spielt er Bajazzo, den gehörnten Ehemann. Während der Vorstellung wird aus dem Spiel Ernst: Canio-Bajazzo tötet Colombine-Nedda.

IN KOOPERATION MIT DEM KURT WEILL FEST DESSAU

Musikalische Leitung Antony Hermus
Inszenierung André Bücker
Ausstattung Oliver Proske
Dramaturgie Sophie Walz
Choreinstudierung Helmut Sonne
Choreographie Gabriella Gilardi
DER PROTAGONIST
Der Protagonist Angus Wood
Seine Schwester KS Iordanka Derilova
Der junge Herr Wiard Witholt
Der Hausmeister des Königs David Ameln
Der Wirt Ulf Paulsen / Stephan Biener
1. Schauspieler Cezary Rotkiewicz
2. Schauspieler Adam Fenger / Christian Most
3. Schauspieler Ines Peter / Anne Weinkauf
DER BAJAZZO
Canio Sergey Drobyshevskiy
Nedda KS Iordanka Derilova
Tonio Ulf Paulsen
Peppe David Ameln
Silvio Wiard Witholt
1. Bauer Tomasz Czirnia / Jerzy Dudicz
2. Bauer Filippo Deledda / Alexander Dubnov

PRESSESTIMMEN

Andreas Hauff, Oper und Tanz, Mai/Juni 2011

Authentische Darstellung von Wahnsinn "Der Protagonist" beim Kurt Weill Fest Dessau

Abseits von „Dreigroschenoper", „Mahagonny" und den "Sieben Todsünden" haben es Kurt Weills Bühnenwerke immer noch schwer. Das liegt nicht nur an den Argus-Augen der Kurt-Weill-Foundation und der Unkenntnis der Theatermacher, sondern auch an der Geschwindigkeit, mit der Weill selbst auf die Zeitläufte reagierte. Im „Windkanal" der Weimarer Republik verlief die Entwicklung in Politik, Gesellschaft und Kultur wie im Zeitraffer.

Weills Opern-Erstling, der am 27.3.1926 in Dresden uraufgeführte expressionistische Einakter „Der Protagonist", beeindruckte die Zeitgenossen kaum weniger als Alban Bergs „Wozzeck", der dreieinhalb Monate zuvor in Berlin herausgekommen war. Doch während Berg dann bis zu seinem Tod 1935 an „Lulu" arbeitete, entwickelte Weill in der Zwischenzeit den populären Songstil, ohne den kein Weill-Fest denkbar wäre, integrierte diesen in größere Bühnenwerke und experimentierte weiter - auch nachdem er sich 1933 gezwungen sah, Deutschland zu verlassen. Im Ohr blieben dem deutschen Publikum fast nur die Songs der „Dreigroschenoper".

Die Entscheidung, zum 19. Kurt-Weill-Fest in Dessau den "Protagonisten" mit Leoncavallos beliebtem „Bajazzo" („I Pagliacci") von 1892 zu kombinieren, sorgt nicht nur für die Repertoire-Fähigkeit der Aufführung am Anhaltischen Theater, sondern stellt auch Weills Einakter in den Kontext damaliger Opernspielpläne. Man darf vermuten, dass schon Georg Kaisers Schauspiel „Der Protagonist", das wenig verändert der Oper als Vorlage diente, eine Reaktion auf das Bajazzo-Sujet darstellte. Dort tötet Canio, Chef einer vierköpfigen Schauspieltruppe, seine Frau Nedda während einer Aufführung - aus Eifersucht wegen ihrer Affäre mit einem Unbekannten.

Der Protagonist, ebenfalls Chef einer vierköpfigen Schauspieltruppe (diesmal im Shakespeare-England), fällt ähnlich aus der Rolle, wenn er während einer Probe seine Schwester umbringt. André Bücker, Regie führender Intendant des Anhaltischen Theaters, findet in dieser Konstellation eine inzestuöse Beziehung. Wichtiger ist, dass der hypernervöse Darsteller die Schwester braucht, um den Realitätskontakt nicht zu verlieren. Sie hat allerdings seit einiger Zeit einen Liebhaber. Wissend um die psychische Labilität ihres Bruders, nutzt sie die Probe einer heiterdeftigen Ehebruchs-Pantomime, um ihm die Neuigkeit mitzuteilen. Als sie ihm kurze Zeit später den Mann vorstellen will, hat der Auftraggeber, ein Herzog, inzwischen ein Stück mit tragischem Ausgang bestellt. Und während der Protagonist mit seinen Leuten spontan die Umkehr des heiteren Sujets improvisiert, steigert er sich so sehr in die Rolle des eifersüchtigen Ehemanns, dass er im Affekt die eigene Schwester ersticht.

Die Oper schließt nicht mit diesem veristischen Knalleffekt, sondern einem eigenartigen Epilog: Der Protagonist bittet die Wachen, die fällige Verhaftung erst nach der Aufführung vorzunehmen, und verspricht dafür als künstlerischen Hochgenuss die denkbar authentische Darstellung von Wahnsinn. Weill geht mit diesem eigenartigen Szenario sehr bewusst um. Während die vielstimmig polyphone Partitur expressionistisch aufgeladen erscheint, steht die heitere Pantomime in einem neoklassizistischen Tonfall, und in der tragischen Pantomime mischen sich beide Stile. Diese musikalische Ebene wird noch mit einer Art instrumentalem Theater kombiniert, denn das zwölfköpfige Blasorchester des Herzogs wechselt zwischen Bühne und Orchestergraben. Wenn Weill dem Protagonisten am Ende einen veristischen Tonfall unterlegt, entlarvt er damit das Klischeehafte des übersteigerten Geniekultes.

Das Regieteam (mit Ausstatter Oliver Proske und Choreografin Gabriella Gilardi) verzichtete auf die Bläserwanderung und ersetzte die herzoglichen Musikanten durch junge Statisten mit Spielzeuginstrumenten. Sie stammten aus dem Kinderchor, der seinen eigentlichen Auftritt im „Bajazzo" hatte. Überhaupt gelang sehr sinnfällig die Verklammerung der beiden Opern. Ein kleiner, als Tod kostümierter Statist, stach zu Beginn des „Protagonisten" das Messer in die Bühne, mit dem beide Frauen in nahezu identischen Bühnenpositionen ermordet wurden, und beschloss mit seiner Verbeugung auch den „Bajazzo". Der komödiantische Geist der heiteren Pantomime im ersten Stück fand im zweiten seine ironische Korrespondenz beim feierlichen Kirchgang, bei dem Männer und Frauen mehrfach die Partner wechselten.

Oliver Proskes Bühnenbild wartete im „Protagonisten" mit witzigen Details auf, und durch das Herunterklappen einiger Bauelemente wurde aus dem großen Wirtshaussaal nach der Pause eine innerstädtische Silhouette. Anrührend und mit starker stimmlicher Ausstrahlung sang Iordanka Derilova die beiden weiblichen Hauptrollen. Den männlichen Affekttäter teilten sich Angus Wood als Protagonist und Sergey Drobyshevskiy als Canio. Beide sangen und agierten ausgezeichnet. Auch die übrigen Darsteller einschließlich des von Helmut Sonne einstudierten Opernchors überzeugten rundum. Unter dem neuen GMD Antony Hermus spielte die Anhaltische Philharmonie mit Präzision, Farbenreichtum und Ausdruckswillen, wie man sie an größeren Häusern nicht besser erwarten könnte.

Andreas Hauff, nmz Neue Musikzeitschrift, April 2011

Die Türen sind geöffnet, ein Protagonist betritt die Bühne

Von Dessau aus blickte die 19. Ausgabe des Kurt-Weill-Festes auf „Berlin im Licht"

Durchaus hintergründig ist das Logo des 19. Kurt-WeilI-Festes zu verstehen: Eine Nickelbrille, wie der Komponist sie trug, wirft den Schatten des Brandenburger Tores. "Berlin im Licht" lautet das diesjährige Motto, "Berlin im Licht" hieß ein Song, den Weill im September 1928 für die gleichnamige Werbeveranstaltung der Berliner Gas- und Elektrizitätswerke schrieb, und „Berlin im Licht" hieß Ende der 1980er-Jahre ein Programm des Ensemble Modern unter dem Wiener Dirigenten, Komponisten und Chansonier H.K. Gruber.
Seit Jahren gastiert das Ensemble Modem immer wieder beim Weill-Fest. In diesem Jahr war es sogar als vielköpfiger und vielstimmiger „Artist-in-Residence" zu erleben und nutzte die Gelegenheit, sich an vier Terminen in ganz verschiedenen Facetten zu präsentieren. Auch das alte „Berlin im-Licht-Programm" unter Gruber war wieder zu hören, allerdings mit etwas weniger Weill, dafür einigen politischen Liedern von Hanns Eisler. Man habe sich bemüht, Weill "als Prisma" zu benutzen, erklärte Roland Diry, Klarinettist und Hauptgeschäftsführer des Frankfurter Ensembles, beim einleitenden Festivalcafe. Im Rahmen dieses lebendigen Künstlergesprächs spielte der junge Geiger Filip Michal Saffray Musik für Violine solo von George Antheil, Paul Hindemith und dem deutsch-französischen Geiger Henri Marteau, der 1908 Nachfolger Joseph Joachims an der Berliner Musikhochschule geworden war. Ein Konzert in der Marienkirche mit der Sängerin und Stimmartistin Salome Kammer kombinierte unter der Überschrift .Nachtgesänge" Schönbergs „Pierrot Lunaire", Eislers „Palmström", Hindemiths „Die junge Magd" und die Suite aus Strawinskys „Geschichte vom Soldaten". Im Bauhaus schließlich gab es Bläsermusik in Trio- und Quintettbesetzung der Weill Zeitgenossen Zemlinsky, Eisler, Schulhoff, Pavel Haas und Cage unter dem Motto „Round About Weill", Weill als "Türöffner" in die verschiedensten Richtungen, wie Festival-Intendant Michael Kaufmann es nennt, ist sicher eine ausgesprochene Chance und Stärke des Dessauer Festivals. Man stelle sich einen ähnlich erhellenden Pluralismus bei den Bayreuther Festspielen vor: Wagner plus Brahms im Sinfoniekonzert, „Lohengrin" neben „Genoveva", „Pariser Leben" und der zweite Akt von „Parsifal" , Teile aus dem „Ring" in Verbindung mit Stockhausens „Licht!". Andererseits zeigt der Vergleich mit Bayreuth auch die Dessauer Schwäche. Undenkbar wäre es, den Musikdramatiker Wagner auf seine Instrumentalwerke und populäre Ausschnitte aus den Opern zu reduzieren. Beim Bühnenkomponisten Weill aber kämpfen die Intendanten des Weill-Festes seit Jahren darum, nicht immer wieder die etablierte „Dreigroschenoper", das „Mahagonny"-Songspiel, die gleichnamige Oper oder die „Sieben Todsünden" zu wiederholen. Doch vor einer Aufführung der übrigen Opern, Operetten und Musicals stand lange Jahre die Zurückhaltung des Anhaltischen Theaters und der New Yorker Kurt Weill Foundation. So darf man schon als großen Schritt werten, dass diesmal am Anhaltischen Theater nicht nur die Vorjahresproduktion von Weills Broadway-Erfolg „One Touch of Venus" zu sehen war, sondern auch die gewichtige Neuinszenierung einer weiteren Rarität: Intendant André Bücker und GMD Antony Hermus kombinierten Ruggiero Leoncavallos beliebten Einakter „Paliacci" (auch "Der Bajazzo") mit Weills frühem expressionistischem Einakter „Der Protagonist" von 1924/25 - eine bislang noch nirgends gewagte Zusammenstellung, die nicht nur Repertoirefähigkeit nach dem Festival verheißt, sondern auch den inneren Bezug der beiden Stücke freilegt, In beiden Fällen geht es um die Tötung einer Frau im Affekt durch einen Schauspieler in Aktion.
Während allerdings Canio im „Bajazzo" seine Frau im Rahmen einer Aufführung umbringt, nachdem Tonio ihm ihre Untreue hinterbracht hat, tötet der Protagonist in Georg Kaisers Libretto zu Weills Oper seine eigene Schwester bei einer Probe, während der er sich in krankhafte Eifersucht gesteigert hat.
Und während bei Leoncavallo der Vorhang unmittelbar nach der Tragödie schließt, liefert Kaisers Held noch den zynischen Kommentar eines egomanen Künstlers zu seiner eigenen Tat ab. Kaiser dürfte mit diesem Szenario seinen eigenen Schrecken über den Realitätsverlust eines übersteigerten Expressionismus verarbeitet haben. Weill wiederum kritisiert die dramaturgischen Tricks des italienischen Verismo, wenn er dem Protagonisten am Ende dessen musikalischen Tonfall unterschiebt. Das Regieteam (mit Ausstatter Oliver Proske und Choreografin Gabriella Gilardi) kam im „Protagonisten" den Intentionen der Autoren sehr nahe und schaffte es zudem, die bei den Stücke auf intelligente Weise zu verklammern. Auch die von den Zeitgenossen bezeugte enorme Bühnenwirksamkeit des Weill'schen Opernerstlings war zu spüren. Angus Wood kam mit der anstrengenden Titelrolle darstellerisch und sängerisch ausgezeichnet zurecht, und die Anhaltische Philharmonie spielte mit Präzision, Farbenreichtum und Ausdruckswillen, wie man sie auch von renommierteren Orchestern selten hört.
Einen gewichtigen Seitenblick in puncto Musiktheater tat das Festival mit Edmund Nicks Radio-Stück „Leben in dieser Zeit", das als Gastspiel der Staatsoperette Dresden unter dem Dirigat von Ernst Theis zu erleben war. Erich Kästner war 1929 mit einem Hörspielentwurf an die Schlesische Funkstunde Breslau herangetreten. Weill, mit anderen Arbeiten ausgelastet, hatte die Komposition abgelehnt und Nick, den damaligen musikalischen Leiter des Breslauer Senders, empfohlen. Formal eine Kantate für Chor, Solisten und Orchester, inhaltlich ein lebendiges Kaleidoskop aus der Sicht eines kritischen Moralisten, hatte das Hörspiel einen solchen Erfolg, dass der Komponist 1931 eine Konzert- und eine Bühnenfassung anfertigte. Interessanterweise klingen in der Partitur musikalische Stilebenen an, derer sich Weill erst später bediente. Man findet den Chanson-Tonfall, den Weill im Pariser Exil kultivierte, aber auch den amerikanischen Stil der ersten Musicals „Johnny Johnson" und „Knickerbocker Holiday". Sogar das lärmende Großstadt-Szenario von „Street Scene" kündigt sich als Idee bei Nick schon an. Kästners Texte haben sich überdies erstaunlich frisch gehalten. Dass viele Menschen anstelle des Herzen ein Telefon tragen, erscheint im Zeitalter der mobilen Kommunikation sogar noch aktueller.
Dessau als „Wiege der klassischen Moderne" - der Slogan, mit dem die Bauhausstadt seit einer Weile wirbt, bewahrheitet sich immer wieder. Wie es um die Zukunft der Dessauer Kulturlandschaft bestellt ist, bleibt vorerst offen. Hatten im Vorjahr die Blut-und-Tränen-Liste des Oberbürgermeisters und die darauf folgenden Demonstrationen für Nervosität gesorgt, so herrschte diesmal vor den Landtagswahlen die gespannte Ruhe des Abwartens. Der Schlüssel für die Zukunft des Anhaltischen Theaters und damit auch des Weill-Festes liegt bei der neuen Landesregierung.

R. Erkens, Opernglas, April 2011

Zum Auftakt des diesjährigen Kurt-Weill-Festes in Dessau präsentierte die Festivalleitung in Kooperation mit dem Anhaltischen Theater eine ungewöhnliche, aber höchst spannungsreiche Kombination zweier Kurzopern: Weills Operndebüt „Der Protagonist“, 1926 unter Fritz Busch in Dresden uraufgeführt, eröffnete den Premierenabend, gefolgt von Leoncavallos Repertoireklassiker „Pagliacci“. Der unterschiedliche Bekanntheitsgrad der Werke sticht sogleich ins Auge und legt die Vermutung nahe, dass hier der alte dramaturgische Kniff angewendet wurde, durch ein populäres Werk im zweiten Teil des Abends das Publikum bei der Stange zu halten und das Risiko leerer Sitzreihen zu verringern. Andere, stilistisch geschlossenere Kombinationsvarianten mit dem „Protagonisten“ wären mithin denkbar: Etwa Busonis „Arlecchino“, in dessen kompositorischem wie musikdramaturgischem Fahrwasser Weill eben auch schwimmt, oder mit seiner eigenen Ergänzung, die er zusammen mit dem Dramatiker Georg Kaiser zwei Jahre später für Leipzig komponiert hat, nämlich der komischen Oper „Der Zar lässt sich fotografieren“. Doch ausschlaggebend waren für die Verantwortlichen wohl inhaltliche Bezüge, die in den Werken Weills und Leoncavallos vorhanden sind und die in verblüffender Deutlichkeit in dieser Produktion zutage traten. Das machte den Abend sehenswert. Die Werke allerdings gemäß ihrer historischen Entstehung aufzuführen, hätte dem Abend einen weitaus höheren intellektuellen Reiz verliehen. Denn was bei Leoncavallo in veristischer Ausdruckästhetik endet, ist bei Weill ins Pathologisch-Moderne gewendet. Die Zuschauer nach einem solchen Schlussbild aus dem Theater gehen zu lassen, wäre die raffiniertere, möglicherweise auch ergreifendere Variante gewesen.
Regisseur Andre Bücker unterstrich die Verbindungslinien beider Stücke durch das Bild des Todes, das hinter der Schauspielermaske hervorlugt. Das mit (zu) vielen kleindimensionierten Spielereien ausgestattete Bühnenbild von Oliver Proske bot einen sicheren Rahmen, wobei die Symbiose von Bühnenraum und Personenregie in den „Pagliacci“ weitaus besser glücken wollte als im „Protagonisten“. Besonders die Theater-auf dem-Theater-Szenen bei Weill, zwei recht langatmige Pantomimen, gerieten zur derben Klamotte ohne rechten Witz und Charme, eingeengt in kleine Spielkammern, in denen die Effekte häufig verkümmerten. Der Funke wollte nicht zum Publikum überspringen. Bei Leoncavallo dagegen sollte dann alles passen, sowohl der Klamauk zwischen Colombina und Arlecchino (mit schönem tenoralen Glanz gesungen von David Ameln) wie die (wiederum kleindimensionierte) Überraschung eines sich plötzlich drehenden Esstisches.
Zwei Stücke also mit gleicher Aussage und gleichem Ausgang: Für diese vereinheitlichende Lesart variierte der Regisseur auch das Schlussbild der „Pagliacci“, indem Silvio (wie der junge Herr im „Protagonisten“ neben der Schwester) neben der erstochenen Nedda bestürzt niederkniet und nicht von Canio erstochen wird. Wiard Witholt verkörperte in beiden Werken die Rolle des jungen Geliebten mit weichem, lyrischem Bariton. Überhaupt lag der größte Reiz bei der Suche nach Gemeinsamkeiten in der analogen Besetzung der Partien, soweit dies stimmtechnisch möglich erschien. lordanka Derilova in den Rollen Schwester / Nedda konnte dabei sowohl stimmlich wie auch darstellerisch vollends überzeugen. Farbenreich, kräftig und zugleich geschmeidig ist ihr Sopran, der es ihr erlaubte, beide Partien mit ihren unterschiedlichen Anforderungen schön und interessant zu gestalten.
Die Männer an ihrer Seite konnten da nicht ganz mithalten. Angus Wood, der im ersten Teil die Partie des Protagonisten übernahm, mangelte es noch an Darstellungsvermögen, wie es diese Rolle erfordert. Sein Tenor ist bei leichtem Verlust der Strahlkraft in den Höhenlagen zuverlässig, zeigte aber wenig Fähigkeit zur charismatischen Interpretation. Die sich ins Pathologische steigernde Eifersucht, durchmischt mit inzestuöser Fixierung auf die Schwester, wurde nicht ausreichend ausgespielt. Darstellerisches Feuer besaß dagegen Sergey Drobyshevskiy als Canio fast im Übermaß: Sein Monolog "Recitar!. .. Mentre preso dal delirio" wurde zum musikdramatischen Höhepunkt des Abends, da er die Tragik der Situation schauspielerisch meisterlich bewältigte und einen sicheren Instinkt für den großen veristischen Stimmausbruch hat. Schade nur, dass er durch mangelnde Präzision weniger exponierte Passagen verschluderte.
In den Rollen des Wirts und des Tonio war Ulf Paulsen zu hören. Am Pult der Anhaltischen Philharmonie stand GMD Antony Hermus, der lebendig und mit sicherem Niveau den Premierenabend leitete.

Udo Badelt, Opernwelt, April 2011

Berlin, Paris, New York
Das Kurt Weill Fest in Dessau will die Stationen seines Namenspatrons verfolgen

Dieser Platz trägt seinen Namen zu Recht: Stille herrscht auf dem Friedensplatz vor dem Anhaltischen Theater. Die gleiche Stille, die inzwischen in so vielen ostdeutschen Klein- und Mittelstädten zur Regel geworden ist. Auch Dessau ist zu groß für diejenigen, die geblieben und nicht nach Bayern oder Baden-Württemberg abgewandert sind. Abends belebt sich der Platz, Taxis kommen an, später erhellt ein Feuerwerk den Nachthimmel. Das Kurt Weill Fest wird eröffnet, und plötzlich merkt man, dass es in Dessau sehr wohl noch eine Stadtgesellschaft, ein Kulturbürgertum gibt.

Seit 1993 feiert es seinen berühmten Sohn - und versichert sich damit auch der eigenen Geschichte und Identität. Weill hat in Dessau nur die ersten 17 Jahre seines Lebens verbracht, bevor er nach Berlin ging, um Musik zu studieren. Im Nationalsozialismus spielt er als Jude natürlich keine Rolle, zumal er Deutschland früh verlassen hat. Aber auch in der DDR war er vergessen – verdrängt vom alles überschattenden Hanns Eisler. Erst nach der Wende hat man sich an ihn erinnert. Jetzt, nach Ende der Intendanz von Johannes Felsenstein, entfaltet sich das Weill-Fest mit neuer Energie. André Bücker ist Nachfolger Felsensteins und Michael Kaufmann, Ex-Intendant der Essener Philharmonie, Intendant des Festes.

Und doch stellt sich die Frage: Wie lange kann Kurt Weill allein das zehntägige Festival tragen? Schon jetzt versucht Kaufmann, den monothematischen Zuschnitt zu weiten. Mit dem Motto „Berlin im Licht“ unternimmt er einen ersten Schritt aus der Dessauer Nabelschau. Das Motto spielt auf einen Song an, den Weill 1928 anlässlich einer Beleuchtungsausstellung in Berlin geschrieben hat. Kaufmann will sukzessive die drei wichtigsten Stationen von Weills Leben in den Mittelpunkt stellen. 2012 soll Paris folgen, 2013 New York, wo Weill eine zweite Karriere als Musical-Autor gelang. Was kommt danach? Kaufmann ist nicht bange. „Als Festivalmacher“, sagt er, „ist es unsere Aufgabe, Geschichten zu erzählen. Es geht darum, vernünftige Kontexte herzustellen. Ich denke nicht, dass uns da der Stoff ausgeht.“ Künftige Kontexte deutet er nur an: etwa die Frage, warum Weill immer wieder zur Bühne zurückgekehrt ist und mit dem entstehenden Rundfunk eher wenig anfangen konnte - und inwiefern das bei der Interpretation heutiger medialer Tendenzen hilfreich sein kann.

Mit 570 000 Euro ist das Budget wahrlich bescheiden. Beachtlich, was damit auf die Beine gestellt wird: ein differenziertes Programm aus zwei Opern- und einer Musical-Aufführung, Konzerten der Anhaltischen Philharmonie und des Ensemble Modern, Familienkonzerten, Aufführungen von Filmen aus dem Berlin der 20er Jahre und Raritäten, etwa ein Konzert, das die Orgelfugen Johann Sebastian Bachs mit denen des Bauhausmeisters Lyonel Feininger kontrastiert. Beachtlich auch die Eröffnungspremiere im Anhaltischen Theater. Sie lässt vermuten, dass hier ein ganzes Haus hinter dem Festival steht. Weill schrieb seine erste Oper „Der Protagonist“ auf ein Libretto von Georg Kaiser. Sie wurde 1926 uraufgeführt und ist nur knapp eine Stunde lang. Andre Bückers Idee, sie mit Leoncavallos „Bajazzo“ zusammenzuspannen, ist bestechend. Nicht nur, weil der „Bajazzo“ aus der ewigen Ehe mit Mascagnis „Cavalleria rusticana“ befreit wird, sondern auch, weil die inhaltlichen Parallelen zwischen den im Abstand von rund 30 Jahren entstandenen Stücken frappant sind. Beide spielen Theater im Theater; in beiden wird die weibliche Hauptfigur aus Eifersucht von ihrem Bruder (Protagonist) bzw. Ehemann (Bajazzo) umgebracht.

Mit Verve und vollem Einsatz werfen sich Dessaus GMD Antony Hermus und die Anhaltische Philharmonie in Weills unablässig nach vorn treibende Klänge, die voller rasch aufeinanderfolgender Farb- und Stimmungswechsel sind, durchzuckt von dumpf-bedrohlichen Paukenschlägen und punktierten ostinaten Figuren. Eine Musik, die nicht schwelgt - anders als der metallisch timbrierte Sopran von lordanka Derilova, die in beiden Stücken die weibliche Hauptrolle mit Bravour ausfüllt. Angus Wood, der eifersüchtige Protagonist, ist dagegen ein zu freundlicher Mann. Der Wahnsinn seiner Figur wird zu keiner Sekunde so glaubhaft wie bei Sergey Drobyshevskiy als Canio im „Bajazzo“. Andre Bücker zeigt erneut, dass er als Regisseur ein Händchen für Personenführung hat.
Denkt Kaufmann angesichts der Weill-Kompetenz, die dieser Abend unter Beweis gestellt hat. über Kooperationen mit anderen Stadttheatern nach 7 Vorstellen kann er sich das gut, sagt er. Aber jetzt, im Frühstadium der Intendanz von Andre Bücker, sei es wichtig, dass dieser erst einmal dem Haus ein eigenes Profil verleiht. Anders als das Theater ist das Kurt Weil Fest nicht direkt betroffen von der großen Spardebatte, die Dessaus Oberbürgermeister Klemens Koschig vor einem Jahr vom Zaun gebrochen hat und die immer noch anhält. Das Fest wird größtenteils von Sachsen-Anhalt und nur zu einem geringen Teil von der Stadt bezuschusst. Bedrohlich ist die Lage dennoch, denn auch dem Land geht es schlecht. In seiner Eröffnungsrede hat Ministerpräsident Wolfgang Böhmer mal wieder laut darüber nachgedacht. Gelder an den Publikumszuspruch zu binden. Kaufmann schüttelt es natürlich angesichts solcher Ideen. Denn sie laufen darauf hinaus, dass bald landauf, landab nur noch die „Zauberflöte“ gezeigt wird. „Leider sind es meist gerade die Kulturfreunde, die schweigen“, sagt er. „Sie müssen begreifen, dass es um ihr kulturelles Erbe geht, aber dass sie dafür auch etwas tun müssen.“ Deshalb hält er die Debatte in Dessau auch für 50 wichtig. Deutschland wird geprägt von Städten dieser Größe. Ein Modellfall also.

Alexander Hauer, Der Opernfreund, 16.03.2011

Der Protagonist & I Pagliacci

Zur Eröffnung des Kurt Weill Festes gab sich das Anhaltische Theater die Ehre zwei Opern über tödlich endeten Realitätsverlust zu geben. Weills selten gespielte Oper „Der Protagonist“ und Leoncavallos „I Pagliacci“.

Zweimal die „gleiche“ Oper, zweimal Frauenmord aus Eifersucht. Weills Protagonist, 1926 in Dresden mit unglaublichen Erfolg uraufgeführt, beschäftigt sich weniger mit dem Mord, sondern eher mit der Frage: Wieweit dürfen Mäzene und Gönner in den laufenden Theaterbetrieb eingreifen. André Bücker kümmert sich aber weniger um diese Frage, die heute aktueller ist als je, sondern richtet seinen Focus auf das kriminalistische Geschehen. Im beweglichen Bühnenbild von Oliver Proske versucht er Gründe für den Mord zu finden.

Der Protagonist, Angus Wood, reist mit seiner Truppe und seiner Schwester, in Shakespeares Zeiten eher unüblich umher. Von einem zwielichtigen Wirt, Ulf Paulsen, werden sie argwöhnisch empfangen. Die Schwester, des Protagonisten, Iordanka Derilova, lässt ihren Liebhaber, Wiard Withold, nachkommen. Sie möchte den jungen Mann ihrem Bruder vorstellen. Man probt für den ortsansässigen Adel eine Komödie. In der ausgelassenen Probenstimmung sagt sie ihrem Bruder, dass sie einen Freund habe. Er lacht sie aus und wünscht ihn zu sehen. Sie geht um ihn zu holen. Aus einer Laune heraus, lässt der Herzog durch seinen Haushofmeister ausrichten, dass er lieber eine Tragödie sehen möchte. Schnell wird das Lustspiel um geprobt. Als die Schwester mit ihrem Liebhaber erscheint, verwechselt der Protagonist Sein mit Schein und ersticht die in seinen Augen Untreue.

Antony Hermus kommt mit der spröden, dem Moderne der zwanziger Jahre verhafteten Musik Weills bestens zu recht. Er leitet Orchester und Sänger mit schier schlafwandlerischer Sicherheit um die Klippen und Untiefen dieser Partitur. Iordanka Derilova und Angus Wood sind das (latent inzestiöse) Geschwisterpaar, beide kommen mit der hochdramatischen Partie im Zwölfton-Stil bestens zurecht. Wiard Withold als charmanter Liebhaber gewinnt mit sanftem Bariton. Ulf Paulsen kann als Wirt in einer sehr kurzen Partie überzeugen.

Der zweite Teil des Opernabends kam gefälliger daher. Die eher sentimentalen Verismoklänge Leoncavallos sind geläufiger. Aber auch hier lauert das Böse. Der Prolog von Ulf Paulsen weist schon darauf. Kaum merklich verwandelt sich der sympathische „Prolog“ in Tonio, bei Bücker kein bedauernswerter Behinderter, sondern ein hintertriebenes Dreckschwein. Sergey Drobyshevskiy gibt hier Canio, den Chef der Theatertruppe, Iordanka Derilova seine Frau Nedda. Wiard Witholt ist auch hier der Liebhaber. Von Nedda abgewiesen untergräbt Tonio das Verhältnis von Silvio und Nedda. Das Ende ist bekannt. Die Anhaltische Philharmonie überzeugt auch im Verismofach genauso wie in der Moderne. Das Gesangspersonal wird von Bücker in guter Schauspielmanier geführt. Viel Wert wird auf ausdrucksstarkes Spiel gelegt, ohne dabei die gesanglichen Künste zu vernachlässigen. Die Szenen von Nedda mit ihrem ungeliebten Mann sind dabei genauso glaubwürdig, als auch ihre Amour fou mit Silvio. Der angesagte Sergey Drobyshevskiy teilte sich klugerweise seine Kräfte für das „Ridi, pagliaccio“ auf, gewann dann aber auf ganzer Linie. Der Abend war dann der Triumpf der Stimmen und des Orchesters. Der Chor unter Helmut Sonne und der bezaubernde Kinderchor unter der Leitung von Dorislava Kuntschewa singen auf höchstem Niveau. Bückers Inszenierung lässt beide Stücke authentisch wirken, wenn ich persönlich auf den Auftritt der Komödiantentruppe im „Bajazzo“ per Fesselballon und das Kinderorchester, die Seiffener Engelchen ließen freundlich grüßen, im Zwischenspiel auch verzichten könnte. Für Freunde des selten gespielten Weill abseits der „Dreigroschenoper“ und „Mahagonny“ ein Muss, für Freunde des Verismo sicherlich eine Option.

George Loomis,The New York Times, 08.03.2011

Music Review

Kurt Weill Festival Focuses on One Man, With Many Beats

DESSAU, GERMANY — Despite near universal recognition of his genius, opportunities to experience works by Kurt Weill are not what they ought to be. Opera companies regularly take up “The Rise and Fall of the City of Mahagonny,” a masterpiece of his German years, but it never quite fits in as a repertory piece, whether because of Bertolt Brecht’s quirky libretto or the music’s popular idioms. After emigrating and reinventing himself as a Broadway composer, he met with deserved success, but none of his musicals achieved iconic status. And his instrumental compositions take second place to his stage works. Weill’s multiplicity of styles still seems to throw people off.

Those in major musical centers can nevertheless stay put and Weill’s works will come their way. For those who desire more, one possibility is theKurt Weill Festival in Dessau, where Weill was born in 1900 (he died in New York 50 years later.) The young composer’s talents quickly took him beyond Dessau — his last work there was in 1919 as assistant to the conductor Hans Knappertsbusch — but in 1993 a festival was established in his honor, which now embraces some 50 events over 17 days.

Dessau, which has a population of only 80,000, has another artistic claim to fame as the locale of the Bauhaus School of architecture in the 1920s and early ’30s. But Dessau’s East German heritage is all too evident today in its drab appearance. For those who go for music, the main structure is the Anhaltisches Theater, an imposing stone structure from the Nazi period built when plans existed for a big population increase. Seating 1,100, it somehow escaped the bombing that flattened most of the city and currently operates as a typical German regional theater. The festival is dependent on it for its theatrical performances, but, as the festival’s artistic director Michael Kaufmann said in an interview, the theater also recognizes a mission to perform Weill’s works, so cooperative collaboration is the rule.

This year brought “Der Protagonist,” Weill’s first opera and a great success at its 1926 Dresden premiere conducted by Fritz Busch. With a lurid subject drawn from a play by Georg Kaiser (who wrote the libretto), the one-act work is a choice example of the sensationalistic, psychologically oriented operas popular during the Weimar Republic. It concerns a theatrical troupe run by the Protagonist, an actor who is overly protective of his Sister. Unable to distinguish between illusion and reality, he kills her after she tells him she has a fiancé; at the close, he calls the murder his greatest theatrical performance. The brilliant score contains two extensive pantomimes conceived as entertainment for a Duke — the first a farce, the second (because of changed circumstances announced “Ariadne”-style by the Duke’s Major Domo) tragic. Brittle, sarcastic woodwinds characterize the first pantomime, to which Weill adds ominous strings for the second. Elsewhere an atonal style often prevails, creating musical diversity in which popular elements play no role.
André Bücker’s production is straightforward but adds some original touches, like having the troupe’s members wear blond wigs at a crucial point to resemble the Sister, thereby compounding the Protagonist’s confusion. Angus Wood’s strong, clear tenor and convincing acting made for an accomplished portrayal of the Protagonist, and Iordanka Derilova, an Isolde with the company, sang Sister with a gleaming dramatic soprano voice. The orchestra led by Antony Hermus dealt ably with Weill’s rich score.

“Der Protagonist” was done at the Santa Fe Opera in 1993, and, its grim subject notwithstanding, deserves to be more widely seen. In Dessau, it was paired with Leoncavallo’s “Pagliacci,” another opera about an itinerant dramatic troupe.

The children’s pantomime “Zaubernacht,” another early work, was performed in the handsomely restored Marienkirche in accordance with Weill’s musical intentions, thanks to the recent discovery of orchestral parts at Yale University. Expertly played by 10 members of the Arte Ensemble, a group drawn from the NDR Radio Philharmonic, it emerged as an enchanting divertimento-like sequence of numbers in a gentle neo-Classical style. Lasting nearly an hour, “Zaubernacht” involves the familiar story of children awakening during the night to witness wondrous sights. Choreography by the Nina Kurzeja Dance Theater involved a man with a horse’s head, a woman in a skeleton costume and a doll wearing a pink minidress.

The Broadway hit “One Touch of Venus” returned to the Anhaltisches Theater in Klaus Seiffert’s production last year. The 1943 musical demonstrates that Weill — who escaped Nazi oppression by ultimately settling in 1935 in New York — not only mastered Broadway style but that he supplied a peerless model for others. With lyrics by Ogden Nash, “Venus” stems from the days before Rodgers and Hammerstein sentimentalism took over, when musicals truly scintillated verbally. The madcap book by S.J. Perelman about a barber bringing a statue of Venus to life might seem dated, so it was no great loss that spoken dialogue was in German. But too many of Nash’s words did not come through, although it was good to hear the piece with real singers (the mezzo Ulrike Mayer) was Venus, Angus Wood — fresh from “Der Protagonist” — was the barber) and a real orchestra (conducted by Daniel Carlberg). Imme Kachel’s sets suggested Edward Hopper.

Hearing works by Weill’s contemporaries is part of the festival mix, and I caught part of a concert by the prestigious Ensemble Modern, including a compelling performance by the mezzo Salome Kammer of Hindemith’s highly expressive song cycle from 1922 “Die junge Magd.”

Mr. Kaufmann, the artistic director, focuses each year’s festival on a particular city that featured in Weill’s career, while also drawing on works that have had their premiere elsewhere. Berlin was favored this year, while next year brings Paris, a way station en route to New York that witnessed several notable pieces. A wealth of other music by this prolific and fascinating composer exists to supplant them.

Richard Erkens, Märkische Allgemeine, 01.03.2011

[....]“Zum Auftakt ein doppeltes Debüt: Die Anhaltische Philharmonie unter ihrem Chefdirigenten Antony Hermus bereichert erstmalig die Musikerriege des Festivals und präsentierte in der Kombination der Weillschen Debütoper „Der Protagonist“ mit dem Repertoire-Klassiker „Pagliacci“ von Leoncavallo einen musikalisch wie inhaltlich spannenden Abend. Der Theater-auf-dem-Theater-Effekt und das Thema Eifersucht verbinden beide Stücke. Was in der Routine der Schauspieler als bloß fingierte Unterhaltung und derbe Posse erscheint, nämlich der eheliche beziehungsweise platonische Seitensprung, wird plötzlich zur eigenen Realität. Grenzen verschwimmen und Masken fallen, dann folgt die Katastrophe. Bei Leoncavallo unter veristischen Vorzeichen, bei Weill modern und ins Pathologische gesteigert. Die Zusammenstellung dieser Operneinakter faszinierte auch deshalb, weil beide zentralen Sopranpartien von Iordanka Derilova verkörpert wurden. An ihr entzündete sich die männliche Eifersucht und erlosch auf tragische Weise“[....]

Helmut Rohm, Volksstimme, 28.02.2011

Kurt-Weill-Fest beginnt mit Doppel-Opernabend am Anhaltischen Theater Dessau

Protagonist trifft Bajazzo: Viel Beifall und viel Distanz
Ein mitreißender Auftakt des 19. Kurt-Weill-Festes war es nicht. Vor allem in der Stückewahl für den Eröffnungsabend lag das – aber auch in der Umsetzung. Am ausverkauften Anhaltischen Theater hatten am Freitag in Kombination Kurt Weills erste, 1926 uraufgeführte Oper "Der Protagonist", komponiert mit 25 Jahren, und "Der Bajazzo" (I Pagliacci) von Ruggero Leoncavallo in der Inszenierung von André Bücker Premiere.
Ein Messer im vorderen Bühnenboden, mit Spotlicht stets mehr oder weniger durchweg präsent, lässt Schlimmes ahnen, macht zumindest neugierig. Und in beiden Stücken schlägt Spiel in Realität um, werden Liebe und auch geistiges Beherrschen anderer zu Verzweiflung, zu rasender Eifersucht, steigern sich zum Wahnsinn – und zum Mord.
Beide Opern, deren Entstehung 36 Jahre auseinander liegt, weisen Handlungsparallelen auf. Beide Male sind es freie Theatergruppen auf Gastspielreisen. Die Chefs, mal als Protagonist, mal als der Bajazzo, sind die jeweiligen Hauptdarsteller. Ihre Beziehungen zu Frauen bergen Dramatik, gleichsam tödlich endende Tragödie. Der Protagonist (Angus Wood) liebt seine Schwester (Iordanka Derilova). Ob nur schwesterlich oder mehr schon inzestuös, wird nicht ganz klar, soll es vielleicht auch nicht. Der als Bajazzo agierende Canio (Sergey Drobyshevskiy) liebt seine Ehefrau Nedda (auch die Derilova) eigentlich nicht, sieht sie wohl mehr als sein von ihm beherrschtes Eigentum. Es geht um Theater auf dem Theater, und der Parallelität gibt Bühnenbildner Oliver Proske Optik. Der Zuschauer wird in beiden Stücken in ein dem gewaltigen stationären Bühnenportal angepasst fortgesetztes variables Wandsystem geführt, das sich fast nur abstrakt in eine englische Kneipe der Shakespeare-Zeit verwandelt und beim "Bajazzo" zu einer italienischen Piazza wird, auf die das Volk zu einer Aufführung kommen soll.
Iordanka Derilova und Angus Wood gelingt es im "Protagonisten" nur teilweise, die Exzessivität der inneren zerrissenen Gefühlswelt erlebbar zu gestalten. André Bückers slapstickartige "Einwürfe" mit stark angetrunkenen Mimen, Auf- und Abgängen, angedeuteten Tanzeskapaden könnten mit Weills Intention zu darstellerischer Verknüpfung in Vielfalt gedeutet werden, wirken jedoch zu aufgesetzt. Da sind die pantomimischen Aktionen in den von der Truppe gespielten Stücken schon wirkungsvoller. Die Anhaltische Philharmonie unter ihrem GMD Antony Hermus intoniert die Weillsche Musik in ihrem spröden, illusionslosen und expressionistischen Stil. Musik, die von der Moderne Anfang der 20er Jahre beeinflusst wird. Gesang, der eher rezitativ und schon ein wenig songartig daher kommt. Wenig Aktion auf der Bühne. Einige Besucher verlassen die Premiere nach wenigen Minuten, einige mehr in der Pause. Bei vielen, die bleiben, ist Distanz zum Erlebten.
Mehr aktive Bewegung kommt mit dem "Bajazzo" (im italienischen Original und wie bei Weill auch mit Obertiteln) auf die Bühne. Die Musik ist flüssiger, die Melodien "angenehmer". Chor (Leitung Helmut Sonne) und Kinderchor (Leitung Dorislava Kuntschewa) mischen aktionsvoll mit. Die Bühne verwandelt sich mehr. Die Künstlertruppe wird mit einem Ballon eingefahren. Mit etwas Verwunderung versuchen die Zuschauer wohl, den Tanz des Volkes, das Warum des am Orchestergrabenrand "musizierenden" Kinderorchesters einzuordnen. Da sind die putzigen Holzvögel zu Neddas inniger Vogelfreiheitsarie eher hinzunehmen. Sergey Drobyshevskiy und Iordanka Derilova kommen gut in Szene. In beiden Opern haben Ulf Paulsen (Wirt und Tonio), David Ameln (Hofhausmeister und Peppe) sowie Wiard Witholt (junger Mann und Silvio) bravourös agiert.
Der große Schlussbeifall rührt vor allem vom "Bajazzo" her. Auch der Weillsche "Der Protagonist" profitiert damit vom so entstandenen positiveren Gesamt-Premieren-Eindruck. Die nächste Aufführung gibt es am 5. März um 17 Uhr.

Joachim Lange, Frankfurter Rundschau, 28.02.2011

Ein Mord gehört dazu

Das Kurt-Weill-Fest in Dessau startet mit einem Operndoppel aus „Der Protagonist“ und Leoncavallos „I Pagliacci“: Leider hatte man nicht den Mut diesen kraftvollen Weill mit einem seiner Zeitgenossen zu kombinieren. Für den 36 Jahre älteren "Bajazzo" von Leoncavalli sprach die Ähnlichkeit des Sujets.
Der heute kaum noch vorstellbare Uraufführungseifer, den das Dresdner Musikleben im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts auszeichnete, beschränkte sich keineswegs auf die Novitäten des Hausheiligen Richard Strauss. Neben Ferrucio Busonis „Doktor Faust“ und Paul Hindemiths „Cardillac“ gehörte 1926 auch Kurt Weills erste Oper „Der Protagonist“ in diese Reihe.
Dass der damals 26-jährige Schüler Busonis mit diesem Einakter selbstbewusst seinen eigenen Moderne-Ehrgeiz an den Tag legte, davon vermittelte jetzt, bei der Eröffnung des 19. Kurt-Weill-Festes in Dessau, vor allem der dortige GMD Anthony Hermus vom Graben aus zumindest einen Eindruck. Weills Musik verbindet die noch lebendige Tradition mit der vitalen Nervosität und dem Tempo seiner Zeit. Dieser Opernerstling machte ihn zu einem Hoffnungsträger für die Erneuerung des Genres. Nachhaltig berühmt gemacht haben ihn allerdings zwei Jahre später die geradezu volkstümlichen Songs der „Dreigroschenoper“.

Logischer Ausgangspunkt

Nachdem es „Der Protagonist“ vor acht Jahren schon einmal in Bregenz zu Festspielehren gebracht hatte, ist er nun der aktuelle Festival-Beitrag des Anhaltischen Theaters. Da man dort in den nächsten Jahren die drei Lebensstationen des 1933 vor den Nazis zunächst nach Paris und dann 1935 nach Amerika geflohenen Weill nachzeichnen will, ist sein „Protagonist“ der logische Ausgangspunkt. Allerdings hatte man nicht den Mut, diesen kraftvollen, durchaus ambitionierten Weill mit einem seiner Zeitgenossen zu kombinieren. Für den 36 Jahre älteren „Bajazzo“ von Leoncavallo sprechen allenfalls dessen Popularität und die Ähnlichkeiten des Sujets.
Es geht in beiden Stücken um einen egomanischen Schauspieler, der sich zu einem Eifersuchtsmord hinreißen lässt. Dabei bleibt die große Bühne, die Canio immerhin hat, als er seine untreue Nedda umbringt, seinem Bühnenbruder im Geiste, dem Protagonisten aus Georg Kaisers Stück und Weills Oper, wohl versagt. Der lässt sich nämlich schon bei der Probe im Gasthaus zum Mord an der heiß und über die erlaubten Grenzen hinaus geliebten Schwester hinreißen. Dass er dann auch noch die Justiz darum bittet, ihn erst nach der Vorstellung zu verhaften, weil das wohl die beste Rolle seines Lebens würde, ist die Pointe einer Selbstüberhebung, die den Exzentriker eben doch nur zum Mörder und nicht zum genialen Mimen macht.
Mit der szenischen Verschränkung beider Stücke, für die sich Intendant André Bücker bei seiner Inszenierung entschied, werden das Einheitsbühnenbild von Oliver Proske und die diffus unbestimmten Kostüme zu einer Falle.

Peinliche Choreographie

Die Verlängerung der Holzvertäflung des Bühnenportals, eine kleine Bühne auf der Bühne im Hintergrund und diverse ausfahrbare Schubkästen oder abklappbare Dächer bieten eben noch lange keine mordlüsterne Wirtshausatmosphäre für den Protagonisten, auch wenn der Wirt blutüberströmt und mit Hackebeil herumgeistert. Dass Canio und seine Truppe mit dem Ballon einschweben, bleibt genauso aufgesetzt wie die peinliche Choreografie des Chores beim Kirchgang. Wenn dann noch eine Kinderkapelle im Zwischenspiel aufmarschiert und tut als ob, dann streift die Szene so den Kitsch, wie man es in Dessau zum Glück sonst nicht vorgesetzt bekommt. Bestritten wird der Abend mit hauseigenen Kräften. Am überzeugendsten sind Ulf Paulsen erst als Wirt und dann als intriganter Tonio und Wiard Witholt, in beiden Fällen in der Rolle des Liebhabers. Iordanka Derilova macht sich mit ausgestellt schnippischer Geste die beiden gemeuchelten Frauengestalten (zu) dramatisch zu eigen.
Angus Wood hat als Protagonist zwar Kondition, aber kaum Dämonie, und Sergy Drobyshevskiy konzentriert sich (mit Erfolg) auf sein „Lache Bajazzo“. Immerhin, wenn es sonst an diesem Abend schon keinen echten Grund zur Freude gab. Das Publikum ließ sich die Festspiellaune nicht verderben und jubelte.

Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 27.2.2011

Der Tod macht die Musik

DESSAU-ROSSLAU/MZ. Die Welt ist eine Bühne ist eine Welt: Hinter dem Vorhang bauscht sich eine weitere Gardine, das Portal verlängert sich bis zum Horizont, die Kostüme sind von den Alltagskleidern nicht zu unterscheiden - und die Schauspieler überschminken vor dem Spiegel ihre Masken. Die Selbstverhandlung des Theaters auf dem Theater, die sowohl in Kurt Weills "Der Protagonist" als auch in Ruggero Leoncavallos "I Pagliacci" ein zentrales Motiv darstellt, verdoppelt die Illusion mit dem Ziel ihrer Zerstörung. Und wenn am Ende beider Opern ein realer Mord geschieht, dann zeigt dies auf fatale Weise die Vermischung von Kunst und Leben - und ist doch wieder Theater. Die Verknüpfung der beiden Werke bescherte dem Dessauer Kurt-Weill-Fest nun einen großen Eröffnungsabend im Anhaltischen Theater. Erstmals seit der Jubiläumsproduktion des "Kuhhandel" im Jahr 2000 inszenierte ein Hausherr wieder selbst - und anders als die anmaßende Karikatur seines Vorgängers zeigte André Bücker eine vielschichtige Deutung, die sich in den Dienst des selten gespielten Weill-Erstlings von 1926 und des Vorläufers von 1892 stellte. Einen wesentlichen Anteil am Gelingen des Konzepts hatte dabei das Bühnenbild von Oliver Proske.

Die Holzschachtel, in der die warme Farbe und die Ornamentbänder des Bühnenportals aufgenommen werden, entpuppt sich mit fortschreitendem Geschehen als magische Box voller Fenster und Türen, Schubladen und Verstecke. Da können sich Wände zum Kreuzgang einer Kirche öffnen, da kippen Dächer aus dem Himmel und da schieben sich Balkone in den Raum - eine Fülle von Spielorten und -anlässen, die von der Regie dankbar angenommen wird.

Als dramaturgische Klammer setzt Bücker zudem eine symbolische Figur: Ein Kind mit Schädelmaske rammt zu den ersten Klängen einen Dolch in die Mitte der Vorbühne, das Mord-Instrument ist von Anfang an präsent - und fortan macht der Tod die Musik. Auch das Orchester des Herzogs, mit dem der Protagonist sein Stück in Szene setzen soll, erscheint als Gruppe von Knochenmännern. Wenn im zweiten Teil der Kinderchor auf stummen Saiten spielt, spiegeln sich diese lärmenden Leichen in lautlosen Lebenden - so, wie sich die Handlung der Stücke vielfach wechselseitig reflektiert.

Das zieht sich bis in die Stimmfarben der Hauptfiguren hinein: In beiden Fällen ist der Prinzipal der Theatertruppe ein Tenor, der heimliche Liebhaber ein Bariton - und das Opfer ein dramatischer Sopran. Hinzu gesellen sich Boten und die niederen Chargen des Ensembles sowie - im Falle des "Pagliacci" - das Publikum. Mit Wiard Witolt (Junger Herr / Silvio), Ulf Paulsen (Wirt / Tonio) und David Ameln (Hausmeister / Peppe) kann das Haus auf ausschließlich eigene Kräfte zurückgreifen, die hinter wechselnden Masken gemeinsame Triebkräfte ihrer Gestalten sicht- und hörbar machen - in Abwandlung des Satzes aus Georg Kaisers Libretto "Figur ist gleich, nur grenzenlose Verwandlung gilt!".

Mit Angus Wood als Protagonist und Sergey Drobyshevskiy als Canio werden zudem zwei hoch gestimmte Herren aufgeboten, deren Timbres sich bei einer optimalen Disposition des Bajazzo noch besser ergänzen dürften. Immerhin findet Leoncavallos Held im Moment des größten Schmerzes auch zu jener Kraft, mit der Drobyshevskiy zuletzt in der "Turandot" begeisterte. Angus Wood hingegen hält nicht nur der ambitionierten Klangsprache des damals 25-jährigen Komponisten und dem elaborierten Text seines Librettisten stand, sondern bewährt sich mit seinen Mitspielern Cezary Rotkiewicz, Christian Most und Anne Weinkauf auch in den beiden großen, zentralen Pantomimen.

Mit diesen stummen Szenen hat Weill eine bleibende Herausforderung über mehr als 100 Takte geschaffen. Gabriella Gilardi füllt diese gewaltigen Intermezzi mit den Mitteln eines derben Volkstheaters, das bereits auf die obligatorischen Commedia-Szenen im "Pagliacci" verweist - und choreografiert dort dann einen Kirchgang, der auf die forcierten Auftritte der Theatermacher im "Protagonisten" zurückdeutet. Der leuchtende Solitär aber ist einmal mehr Iordanka Derilova, die an diesem Abend den doppelten Bühnentod stirbt, nachdem sie in beiden Stücken starke, liebende Frauen zum Leben erweckt hat. Wenn sie als Nedda verzweifelt versucht, aus dem echten Konflikt mit Canio in die Harmlosigkeit der Komödie zurückzufinden, dann schließt sich ein Kreis - und man hört Leoncavallos Finale mit an Weill geschulten Ohren.

Beide Klangsprachen sind bei Antony Hermus in besten Händen, selbst wenn die Anhaltische Philharmonie am Ende ein wenig mit ihrer Konzentration zu kämpfen hat. Der nervöse, kleinteilige Gestus des jungen Weill fordert eben doch Tribut, gemeinsam mit den von Dorislava Kuntschewa und Helmut Sonne exzellent gearbeiteten Chören aber gelingt eine großartige Ensemble-Leistung. Und beiläufig wirkt das Ganze auch wie eine Antwort auf die Festakt-Ansprache des scheidenden Ministerpräsidenten Wolfgang Böhmer, der einmal mehr freihändig über An- und Zuspruch der Theater im Land sinniert hatte. Hier stimmt beides!

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