Der gestiefelte Kater

Weihnachtsmärchen nach den Brüdern Grimm

Premiere am 28. November 2014, Großes Haus


Es ist ein zeitlos schönes Märchen von einer kuriosen Freundschaft zwischen Mensch und Tier: Nachdem sich der Kater ein Paar Stiefel über die Pfoten gezogen hat, verwandelt er sich in einen vorlauten Freund des armen Müllersohnes. Und ehe man sich versieht, zieht das ungleiche Paar durch die Lande, trifft auf faule Jäger und einen feisten Hofmarschall, einen verarmten König und eine selbstbewusste Prinzessin – und zuletzt auch auf die böse Zauberin des Schattenreichs, die das einst blühende Land fest im Griff hat. Aber was ist schon das Böse gegen den Witz eines Katers und den Mut eines jungen Mannes? Bevor es jedoch in diesem Mantel-und-Degen-Märchen zu einem Happy End kommt, wartet eine letzte Prüfung auf unsere Helden…

»Der gestiefelte Kater« kommt als bewährt zauberhaftes Weihnachtsmärchen auf die große Dessauer Bühne und steckt randvoll mit Witz und Abenteuer für kleine Menschen, mit Liebe, Reimen und mitreißenden Liedern, Licht- und Schattenspiel, verblüffenden Tier- und Menschverwandlungen – und einem mit allen Wassern gewaschenen Kater. Brrr-miau!


MDR Sachsen-Anhalt v. 2.12.2014

Inszenierung David Ortmann
Bühne Justus Saretz
Kostüme Alrune Sera
Musik Jan Kersjes
Buch Sabeth Braun / David Ortmann
Dramaturgie Sabeth Braun / Andreas Hillger
Fechten Sebastian Müller-Stahl

Maurice, der Kater Patrick Wudtke
Jonas, ein Müllerssohn Patrick Rupar
Prinzessin / Älterer Bruder / Krötenfänger Katja Sieder / Barbara Fressner
König / Alter Müller / Jäger 1 Dirk Greis
Hofmarschall / Jäger 2 Sebastian Müller-Stahl
Zauberer / Kutscherin / Schuhverkäufer / Jäger 3 Christel Ortmann

PRESSESTIMMEN

Der Kater als des Pudels Kern, Mitteldeutsche Zeitung, 29.11.2014

Der Kater als des Pudels Kern
David Ortmann inszeniert "Der gestiefelte Kater".

von Thomas Altmann

Die Zeit der Märchen sei eine andere gewesen, eine mit Kutsche und König, eine Zeit, in der selbstverständlich Frösche geküsst oder hundert Jahre geschlafen worden wäre. So blättert der Prolog märchenhafte Indizien in einem Schattenriss auf, führt wunderbar pur zurück ins Nie und Nimmer dieser Zeit, um mit dem Märchen die Vorweihnachtszeit zu eröffnen. "Der gestiefelte Kater - nach den Brüdern Grimm" feierte, inszeniert von David Ortmann, Premiere, gestern im Anhaltischen Theater Dessau. In der Vorlage von Charles Perrault endet der Kater als Snob, der nur noch aus Spaß an der Freude auf Mäusejagd geht. Die Brüder Grimm machten aus dem findigen Emporkömmling, der den Müllersohn zweckdienlich wie eine Marionette führte, eine anrührende Erlösungsgeschichte aus unverschuldeter Armut.

Wachsende Freundschaft

Die Bearbeitung von David Ortmann und Sabeth Braun erzählt nun die Geschichte einer ungleich wachsenden Freundschaft im Märchenkampf gegen das Böse. Kein Schnurren, kein Schwanz: Nur im Schattenriss ist der gestiefelte Gevatter ein Tier. Das auf der Bühne geschusterte Statussymbol macht den Kater vollkommen zum Menschen, auf dass sich niemand im Grimmschen Schloss wundern muss. Dabei behält Patrick Wudtke in seinen geschmeidigen Bewegungen alle Zuschreiben aus der Hexenküche. Mehr noch: Der Kater schleicht wie des Pudels Kern um den armen Müllerburschen, indem er Züge des Mephistopheles trägt. So wird der Kater zum verwegenen Verführer, der keine Seele fordert und sich endlich umarmen lässt, nachdem der Müllersohn seine Passivität lebensrettend abgelegt hat. Patrick Rupar spielt diesen in wunderbar bewegter Unschuld, offenherzig bis in die letzte Locke, ein Müller ohne Mehlstaub. Hier gibt es keine Hauruck-Heirat, sondern eine in Aussicht gestellte unmögliche Liebe, Unkenrufe auf die Expansion des Bösen oder schräge Intermezzi der Einfalt im Wald der erfolglosen Rebhuhn-Jäger. Jan Kersjes Zwischenmusiken klingen wie entzuckerte Hoftänzchen und eingedampfte Romanzen. Schön, wenn die Trompetensignale im bankrotten Königreich misstönend Mitleid heischen. Bei den ersten Liedzeilen zuckt man ein wenig, weil das Märchen nun emotionale Anleihen aus dem schluchzenden Genre des Musicals auffährt. Glücklicherweise brechen Musik und Text (David Ortmann) den Auswuchs des Gefühls dann doch bis hin zur Offenlegung der Banalität des Bösen durch die Zauberin, gespielt von Christel Ortmann. Sie begeistert im permanenten Rollentausch, von der dampfenden Femme fatale bis hin zur guten Seele, zum Mädchen für alles im verarmten Hofstaat.

Mit Rollentausch

Generell liefert der Rollentausch der bewegten Inszenierung Bewegung. Dirk Greis spielt den alten Müller, einen Jäger und den liebenswert trotteligen König. Sebastian Müller-Stahl gibt einen Jäger und den Hofmarschall, einen turtelnden Intriganten. Katja Sieder spielt den Krötenfänger, den älteren Bruder und zudem, nicht burschikos, erfrischend geradeaus, eine Bilderbuch-Prinzessin.

Nach Märchenmaß

Die Kostüme (Alrune Sera) sind nach Märchenmaß geschneidert. Die Bühne (Justus Saretz) verlagert die Orte, schiebt sie in-, gegen- und nebeneinander: Das Königsschloss ein Pavillon, das Schloss der Zauberin eine rote Wand, die Kutsche ein qualmendes Märchen-Vehikel und am Horizont landet schnurgerade ein schütter gewachsener Schilfstreifen. Die Verzauberung wächst im Schattenspiel zu einem bedrohlichen Spiel der Größen. Wenn die Maus gefressen ist, wird der Hofmarschall zur Kröte. Die Kutscherin verliebt sich wunderbar in den König. Und zur Hochzeit gesellt sich eine Freundschaft.

TERMINE Noch wenige Karten

Viele Termine des Weihnachtsmärchens "Der gestiefelte Kater" sind bereits ausverkauft. Deshalb wird empfohlen, sich die Karten an den Theaterkassen vorab zu sichern.

Für folgende Termine sind noch Karten für das Weihnachtsmärchen "Der gestiefelte Kater" erhältlich: 2. Dezember, 14 Uhr, 3. Dezember, 12 Uhr, 12. Dezember, 10 Uhr, 16. Dezember, 19 Uhr, 17. Dezember, 12 Uhr, 23. Dezember, 18 Uhr (nur noch Restkarten), 25. Dezember, 16 Uhr, 5. Januar, 15 Uhr, 6. Januar, 16 Uhr.

"Der Fantasie größten Lauf lassen", Zerbster Volksstimme, 01.12.2014 (Vorbericht)

"Der Fantasie größten Lauf lassen"

Anhaltisches Theater Dessau zeigt dieses Jahr als Weihnachtsmärchen "Der gestiefelte Kater"

von Helmut Rohm

"Für mich ist das eine große Geschichte über Freundschaft, und es macht mir viel Spaß, das zu inszenieren", sagt David Ortmann. Er führt Regie beim Weihnachtsmärchen "Der gestiefelte Kater" am Theater Dessau, das am Freitag Premiere hatte.

Märchen, überhaupt Regie auf der großen Bühne - für den jungen Regisseur David Ortmann ist das eine Premiere. Und gleich mehrfach eine Herausforderung. "Die große Bühne hat eine ganz andere Logik, als wenn ich im Alten Theater im Studio inszeniere. Man muss viel mehr schauen, wer steht wo, wie kriege ich das alles groß, wie kriege ich das hin, wenn die Kinder ganz links oder ganz rechts sitzen, die ganzen technischen Sachen", sagt er. Dann sei da die Verantwortung für die Schauspieler. Bis auf die beiden Haupthelden, den Müllersohn Jonas und den Kater, spielen alle drei, vier Rollen. Und es sind auch Lösungen zu finden für die märchenhaften Dinge. "Das ist nicht, dass man schnipst und dann ist alles da."

David Ortmann stellt sich all dem gern. "Beim Märchen darf man der Fantasie größten Lauf lassen, das macht wahnsinnigen Spaß." Der wird befördert davon, dass das Weihnachtsmärchen die wichtigste Produktion der Dessauer Theaterspielzeit ist, von den Zuschauerzahlen her. Das macht vom Etat manches möglich, "den tollen Wald, die Mühle... Und zu wissen, es wird so viele Vorstellungen geben für so vielen Menschen, die es angucken, das ist natürlich ein Traum".

Für den Regisseur hat die Märcheninszenierung aber auch noch einen besonderen biografischen Aspekt. Sein Vater Hans-Jürgen Müller-Hohensee hat in seinem langjährigen Engagement am Haus nicht nur viele Märchen gespielt, sondern sie auch selbst inszeniert, darunter auch den Gestiefelten Kater. "Es ist toll, da anknüpfen, mit ihm sprechen zu können, in dieser Tradition zu stehen."

Gemeinsam mit Sabeth Braun hat David Ortmann das Buch für die Dessauer Inszenierung geschrieben. Dicht an der Grimm´schen Fassung bleiben sie. "Aber wir haben auch viel dazu erfunden", immerhin dauert die Vorstellung einschließlich der Pause fast zwei Stunden. Da begegnen die kleinen Zuschauer - sie sollten mindestens sechs Jahre alt sein - und die größeren auch einem Krötenforscher, einem Hofmarschall, einem Schuhverkäufer und vielen anderen Figuren. "Im Märchen heißt es, der Kater bekommt die Schuhe, aber ich muss den Weg zeigen, wo sie herkommen", erklärt der Regisseur.

Wichtig war den Autoren auch, der Moral der Geschichte nachzuspüren. Bei Grimms laute die so ein bisschen, dass erfolgreich sei, wer die Leute nach Strich und Faden belüge. In Dessau dagegen ist nicht allein der Kater der Held, sondern auch Müllersohn Jonas, und beide haben Stärken und Schwächen. "Für mich ist es eine große Geschichte über Freundschaft", erklärt David Ortmann.

Patrick Wudtke spielt die Hauptrolle im Dessauer Weihnachtsmärchen. "Das gehört mindestens einmal im Jahr an jedes Theater", ist er überzeugt. Eine Inszenierung am Kleisttheater in Frankfurt/Oder war für ihn, damals fünfjährig, ein Märchen-Schlüsselerlebnis. Der 25-jährige Schauspieler denkt, dass das Märchen auf der Bühne "viel bewegen, viel machen kann mit Kindern, dass es einfach viel Zauberei ist". Sein Kater ist "im Grunde seines Kerns ein Guter", beschreibt Patrick Wudtke die Interpretation seiner Rolle. Quasi ein Mensch, der einen Kater in sich trägt, "natürlich ein Schlitzohr, aber auch, selbst, wenn er es nicht ist, ein Edelmann. Er hat diese Gebärden, dieses Höfische, Vornehme, schon Ritterliche fast". Viele "körperliche Sachen" wird es geben, akrobatische Nummern etwa. Auch gefochten wird auf der Dessauer Bühne. Und gesungen. Jan Kersjes hat nicht nur die Zwischenmusiken geschrieben, sondern auch Lieder, die die Darsteller singen. "Das ist sehr schön", freut sich David Ortmann, von dem die Texte stammen, "das sind noch mal so kleine Augenschmunzler Richtung Musical. Im besten Fall gehen die Kinder auch mit zwei, drei Melodien auf den Lippen raus".

Die Ortmann´sche Generation ist nicht nur mit den Defa-Märchenfilmen, sondern auch mit denen Walt Disneys sozialisiert. Wie traditionell kann, wie modern muss da eine Märcheninszenierung im Theater heute sein? Recht entscheiden will sich der Regisseur da nicht. "Ich versuche, den Grimm´schen Ton zu treffen, aber auch die Kinder immer wieder in ihrem Heute abzuholen", verweist er auf kleine eingebaute Modernismen. "Wenn das zusammengeht, stellt sich die Frage vielleicht gar nicht mehr." Wie es zusammengeht, ist am Dessauer Theater bis zum 6. Januar fast täglich, manchmal auch bei zwei Vorstellungen pro Tag, zu erleben. Die nächsten Termine, für die es noch Karten gibt, sind der 2. Dezember um 14 Uhr, der 3. Dezember um 12 Uhr sowie der 12. Dezember um 10 Uhr. Karten für "Der gestiefelte Kater" sowie weitere Informationen sind unter 0340/251 13 33 oder im Internet unter www.anhaltisches-theater.de erhältlich.

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