Bastien und Bastienne

Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, für Bläserquintett bearbeitet von Boris Cepeda.
Text nach dem Französischen von Friedrich Wilhelm Weiskern in der Fassung von Jana Eimer.

Die Schäferin Bastienne glaubt sich von ihrem Freund Bastien betrogen und verlassen. In ihrer Herzensnot fragt sie den Zauberer Colas um Rat. Der meint, sie solle sich den Anschein geben, einen anderen zu lieben. Und als Bastien bald darauf zu Bastienne zurückkehren will, zeigt sie ihm die kalte Schulter. Doch der Streit dauert nicht allzu lange. Beide versöhnen sich und preisen den weisen Zauberer Colas. – Zwölf Jahre alt war Wolfgang Amadeus Mozart, als er 1768 das kleine Singspiel „Bastien und Bastienne“ komponierte. In unserer Inszenierung können die kleinen Zuschauer miterleben, wie der Knabe Wolferl an dem Stück arbeitet. Aus den Gesprächen mit seiner älteren Schwester Nannerl erfahren sie ganz nebenbei, was alles zu einer Oper gehört.

Musikalische Leitung Boris Cepeda
Inszenierung Jana Eimer
Bühne Nicole Bergmann
Kostüme Katja Schröpfer
Dramaturgie Ronald Müller

Wolferl Laetitia Hippe
Nannerl Hannah Fricke
Bastienne Cornelia Marschall
Bastien David Ameln
Colas Thorsten Köhler

PRESSESTIMMEN

Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 04.02.2012

„Bastien und Bastienne“ wird in Dessau neu erzählt

Welch ein großes Glück, dass sich dieses Wunderkind einst der Erwachsenen erbarmte: Wenn die Musik für "Bastien und Bastienne" nicht vom zwölfjährigen Wolfgang Amadeus Mozart geschrieben worden wäre, hätte man das Libretto der Herren Weiskern, Müller und Schachtner gewiss längst in der Rumpelkammer entsorgt. So aber bleibt die "Operetta", wie Junior-Komponist Wolferl das Werklein titulierte, eine kleine Kostbarkeit - als Gesellenstück des werdenden Meisters.
Um daraus freilich einen gültigen Theaterabend zu machen, sollte man das Schäferspiel als Treibmittel für ein zuckersüßes Soufflé begreifen. Am Anhaltischen Theater Dessau hat Jana Eimer nun ein Rezept gefunden, das die Anekdote um die zankenden Liebenden und den bösen Zauberer Colas um eine biografische Ebene bereichert. Erzählt nämlich wird das Spiel in Mozarts Kinderzimmer, wo der Knabe seiner älteren Schwester Nannerl den Fortgang der Handlung skizziert und sich dabei gelegentlich selbst am Cembalo begleitet. So entsteht in der heiteren Helligkeit von Nicole Bergmanns Bühne und Katja Schröpfers Kostümen ein doppelbödiges Spiel, das von einem höher gestellten Holzbläserquartett plus Horn begleitet wird.

Boris Cepeda hat die Musik so farbenreich arrangiert, dass man die Streicher nicht vermisst. Der Ton ist leicht und galant, die Solisten Cornelia Marschall (Bastienne) und David Ameln (Bastien) musizieren mit den Instrumenten um die Wette ... und doch gibt es andere Kräfte, die hier das Spiel machen. Da ist zunächst Torsten Köhler, der sich als singender Schauspieler neben den schauspielernden Sängern mehr als behauptet.

Sein Colas ist ein Hütchenspieler der Gefühle, der mal als Zwerg und mal als Riese erscheint und seinen Spielfiguren wahlweise Löckchen oder Hörner aufsetzt. Dass er im meterhohen Zylinder ein springlebendiges Kaninchen (Marc Wodler) verbirgt, erinnert nicht von ungefähr an den verrückten Hutmacher aus "Alice im Wunderland" - so, wie manche Szene zwischen den Geschwistern Parallelen zu Peter Shaffers "Amadeus" aufweist.

Denn auch der Regisseurin gelingt es in ihrer Fassung, neben Spaß eine Fülle an Informationen zu übermitteln. Und dafür hat sie mit Laetitia Hippe (Wolferl) und Hannah Fricke (Nannerl) zwei junge Darstellerinnen, die manchen Profi das Fürchten lehren können: Wenn der Musikus das Stück in Einzelstimmen zerlegt, wenn er mit der Schwester rückwärts parliert oder das nicht ganz stubenreine Schlaflied "Bona nox" anstimmt, sind diese Miniaturen ästhetisch oder historisch beglaubigt.
Und doch ist das keine musikgeschichtliche Lektion, sondern in erster Linie ein großes Vergnügen: Die Kinder illustrieren und kommentieren das närrische Treiben der Erwachsenen, sie mischen sich selbstbewusst ins Geschehen und erzählen mit großer Sicherheit ihre eigene Geschichte. Und so rundet sich die Bagatelle von Bastien, Bastienne und Colas doch noch zu einer spannenden Geschichte. Herr Mozart hätte an dieser Hommage gewiss seine helle Freude gehabt.

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