Alice im Wunderland

Ballett mit Orchester

Alles beginnt mit einem weißen Kaninchen. Eigentlich nichts Ungewöhnliches in einem Park, aber eines mit Taschenuhr weckt dann doch die Neugierde. So auch die von Alice, die dem Häschen in seinen Bau folgt, und dort plötzlich in ein Wunderland gelangt, welches vor Paradoxa und Absurditäten nur so strotzt. Sprechende Tiere und lebendiges Spielzeug, gewohnte Größenverhältnisse sind auf den Kopf gestellt, Kaninchen, Grinsekatze, Hutmacher und alle anderen

DREI HÖRBEISPIELE
Claude Debussy: Clair de lune [aus: Suite Bergamasque (bearbeitet von W.L. Gleichmann)]
Emanuel Chabrier: Tempo di Marcia, molto risoluto e giocoso [aus: Joyeuse marche for orchestra]
Maurice Ravel: I. Prélude à la nuit [aus: Rhapsodie espagnole]
Ausführende: siehe nebenstehende Besetzung
Bewohner des Wunderlands scheinen der Logik abgeschworen zu haben. Daverwundert das Herrscherehepaar kaum noch, welches mit Flamingos und einem Igel Croquet spielt und Todesurteile ausspricht, die sofort wieder in Begnadigungen umgewandelt werden. Alice ist fasziniert, aber auch verwirrt von den Bewohnern des Wunderlands. So ist es Enttäuschung und Erleichterung zugleich als das fantastische Abenteuer endet und sie aus ihrem Traum wieder im ordentlichen, aber auch etwas langweiligen Park erwacht.

Tomasz Kajdanski und Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von Wolfgang Kluge wollen die Freude am Träumen und Fantasieren erlebbar machen. Die Geschichte von Lewis Carroll spielt in solch bezaubernder Weise mit Logik und Verrücktheiten von Träumen, dass sich Kinder ebenso wie Erwachsene dafür begeistern.

Inszenierung und Choreographie Tomasz Kajdanski
Musikalische Leitung Wolfgang Kluge
Bühne und Kostüme Dorin Gal
Projektionen Enrico Mazzi
Dramaturgie Sophie Walz

Alice Laura Costa Chaud
Weißes Kaninchen Juan Pablo Lastras-Sanchez / Sokol Bida
Maus Charline Debons / Anna Jo
Dodo Joshua Swain
Papagei Sokol Bida / Friedemann Kriener a.G.
Adler Annelies Waller
Zwillinge Humpty Dumpty Thomas Ambrosini / Enea Bakiu
Raupe Jonathan Augereau
Frosch, Diener der Herzogin Anna Jo
Fisch, Diener der Herzogin Joshua Swain
Herzogin Annelies Waller
Köchin Charline Debons
Grinsekatze Mélanie Legrand
Hutmacher Joe Monaghan
Siebenschläfer Anna-Maria Tasarz
Hase Jonathan Augereau
Drei Karten Anna Jo / Jonathan Augereau / Enea Bakiu
Königin Anna-Maria Tasarz
König Sokol Bida / Friedemann Kriener a.G.
Herz-Bube Joshua Swain
2 Igel Anna Jo / Bobby Bernstein
Schildkröte Thomas Ambrosini
Hummer Joshua Swain
Karten, Austern, Prolog Gesellschaft Ballettensemble des Anhaltischen Theaters

PRESSESTIMMEN

Dr. Joachim Lange, halleforum.de, 19.06.2012

Im Wunderland der Phantasie
Halleforum.de / Halle Saale Tomasz Kaidanskjs sorgt mit seinem neuen Ballett "Alice im Wunderland" für Begeisterung bei allen Altersklassen.
Neben dem Ballett Rossa in Halle und der Gonzalo Galgueras Truppe in Magdeburg hat sich in Dessau über viele Jahre hin die dritte, leistungsstrake Ballett-Truppe in Sachsen-Anhalt etabliert. Auch der jetzige Ballettdirektor der Landeshauptstadt prägte einige Jahre die Tanzsparte des Anhaltischen Theaters. Unter wechselnden Choreographen und trotz immer knapper werdender Kassen. Stets aber mit eigenem Profil.
Als Tomasz Kajdanksi von Eisenach nach Dessau kam, musste er also nicht bei Null anfangen, sondern konnte auf eine gute Tradition aufbauen und eigene Akzente setzen. Dabei versteht er sich auf die ehrgeizige, anspruchsvolle Herausforderung (Lulu, Nachtasyl), genauso wie auf die große Show. Seine Nibelungenversion (Siegfriedsaga) zu einem musikalischen Ring-Querschnitt war zugleich das musikalische Aufwärmen der Anhaltischen Philharmonie für Wagners Tetralogie, bei der die Dessauer mit der Götterdämmerung ja ernst machen. Und auch, wenn Kajdanksi das Publikum vor allem unterhalten will, ist das intelligent gemacht. Seine Version von "Alice im Wunderland" ist so ein Tanzvergnügen für die ganze Familie. Und das ist keineswegs despektierlich gemeint. Denn zu den Qualitätsmerkmalen von Kajdankis Kreationen gehört eine kenntnisreiche und durchdachte Musikauswahl. Auch diesmal, zumal das Orchester im Graben sitzt und unter Leitung von Wolfgang Kluge mit Schwung und Lust bei der Sache ist.
Nun gehört Lewis Carrolls berühmte Geschichte, seit sie 1865 das erste Mal erschien, zu den erfolgreichsten Erbstücken aus dem victorianischen England für die ganze Welt. Die Liste der Übersetzungen und Filmadaptionen ist ellenlang – im Grunde kann niemand den Abenteuern ausweichen und muss, früher oder später, dem weißen Kaninchen, der Grinsekatze, Hampty und Dumpty oder der Kartenspiel Königin über den Weg laufen und all diese Figuren mit den Augen der träumenden Alice bestaunen. Ausstatter Dorin Gal hat das gesamte Wunderland-Personal nicht nur mit witzig phantasievollen Kostümen ausgestattet, sondern auch eine Bühne gebaut, die im Hintergrund mit den ziemlich gut gemachten Videos von Enrico Mazzi eine zusätzliche Traum- und Assoziations-Dimension eröffnet. Der bunte, sportiv und erzählend ertanzte Bilderbogen beginnt im Kinderzimmer der kleinen Alice. Die Uhr zeigt auf Fünf vor Zwölf. Ungelöste Hausaufgaben schwirren durch den Raum, Gestalten ohne Kopf mit eckigen Körpern erscheinen. Was wie von Erwin Wurm beigesteuert aussieht, könnten gut die Eltern oder Lehrer sein, die nicht wirklich für Alice da, also kopflos sind. Bis das weiße Kaninchen auftaucht und die (Flucht-)Reise ins (Traum-)Wunderland mit einen entschlossenen Sprung durch die Wand beginnt. Die Wände verschwinden dann sowieso und wir lernen, nach und nach, in den insgesamt 17 Bildern und in knapp zwei Stunden, das ganze Personal kennen. Nach der Pause dann auch die böse, eigentlich aber eher kapriziöse Königin, mit ihrem Hang zum Köpfen lassen. Am Ende, wenn der von Joe Monaghan mit virtuoser Grazie und Beweglichkeit porträtierte Hutmacher nach einem Riesentumult sowohl seinen Kopf als auch seinen monströsen Hut weiter da behalten darf, wo er hingehört, verschwindet diese Traumwelt wieder. Da entpuppt sich bei Kajdanski das Kinderzimmer als Ballettsaal und die Traumgestalten als Vorlage für den Wunsch des Mädchens nach der großen Bühne. Vielleicht als Tänzerin. Mit dieser Pointe und der Botschaft, dass alles Theater auch ein Kindertraum ist, schließt sich der Kreis, dieser musikalisch klug begleiteten Traum-Tänzerei.
Für den inneren Rhythmus, den Wechsel zwischen verträumter Reflexion und dramatische Zuspitzung sorgt die sich nicht anbiedernde, aber effektvolle Musikcollage aus Werken von Charles Ives, Claude Debussy, Georges Biszet, Maurice Ravel, Jacques Ibert, Jules Massenet, Emmanuel Chabrier, Erik Satie, Camille Sain-Saens und Jaques Offenbach. Dieser frankophone Mix hat aber nichts esoterisches, sondern ist so ausgewählt, als wäre er für "Alice im Wunderland" komponiert. Immer die mädchenhaft, traumleicht tanzende Laura Costa Chaud als Alice im Blick, freut man sich über jedes witzige Auftauchen von Juan Pablo Lastras-Sanchez als weißes Kaninchen im Schottenrock, auf die großäugige Raupe von Jonathan Augereau, den faszinierenden Hutmacher, die so herrlich zickige Königin von Anna-Maria Tasarz, die Grinsekatze, die Kartenarmee und all die anderen. So wie Charlie Debons quietschgelbe Köchin mit Sturmfrisur natürlich nicht kochen kann, so ertanzen sie in Dessau (mit typischer Alice–Logik) alle zusammen ein wunderbares, märchenhaft erzähltes, für jeden bekömmliches Wunderland-Menü! Was natürlich ausführlich bejubelt wurde.

Joachim Lange, Leipziger Volkszeitung, 19.06.2012

Alles nur ein Kindertraum

Tomasz Kaidanskis sorgt mit seinem neuen Ballett "Alice imWunderland" in Dessau für Begeisterung in allen Altersklassen Neben Halle und Magdeburg hat sich in Dessau die dritte, leistungsstarke Ballett-Truppe in Sachsen-Anhalt etabliert. Unter wechselnden Choreographen und trotz immer knapper werdender Kassen, stets aber mit eigenem Profil. Als Tomasz Kajdanksi von Eisenach nach Dessau kam, musste er also nicht bei Null anfangen, sondern konnte auf eine gute Tradition aufbauen. Seine Version von "Alice im Wunderland" ist ein Tanzvergnügen für die ganze Familie. Zu den Qualitätsmerkmalen von Kajdankis Kreationen gehört eine kenntnisreiche und durchdachte Musikauswahl. Auch diesmal, zumal das Orchester im Graben sitzt und unter Leitung von Wolfgang Kluge mit Schwung und Lust bei der Sache ist.
Nun gehört Lewis Carrolls berühmte Geschichte, seit sie 1865 das erste Mal erschien, zu den erfolgreichsten Erbstücken aus dem victorianischen England für die ganze Welt. Die Liste der Übersetzungen und Filmadaptionen ist ellenlang - im Grunde kann niemand den Abenteuern ausweichen und muss, früher oder später, dem weißen Kaninchen, der Grinsekatze, Hampty und Dumpty oder der Kartenspiel-Königin über den Weg laufen und all diese Figuren mit den Augen der träumenden Alice bestaunen.
Ausstatter Dorin Gal hat das gesamte Wunderland-Personal nicht nur mit witzig fantasievollen Kostümen ausgestattet, sondern auch eine Bühne gebaut, die im Hintergrund mit den ziemlich gut gemachten Videos von Enrico Mazzi eine zusätzliche Traum- und Assoziations-Dimension eröffnet. Der bunte, sportiv und erzählend ertanzte Bilderbogen beginnt im Kinderzimmer der kleinen Alice. Die Uhr zeigt auf Fünf vor Zwölf. Ungelöste Hausaufgaben schwirren durch den Raum, Gestalten ohne Kopf mit eckigen Körpern erscheinen. Was wie von Erwin Wurm beigesteuert aussieht, könnten gut die Eltern oder Lehrer sein, die nicht wirklich für Alice da, also kopflos sind. Bis das weiße Kaninchen auftaucht und die (Flucht-)Reise ins (Traum-)Wunderland mit einen entschlossenen Sprung durch die Wand beginnt. Die Wände verschwinden dann sowieso, und wir lernen in knapp zwei Stunden das ganze Personal kennen. Nach der Pause dann auch die böse, eigentlich aber eher kapriziöse Königin, mit ihrem Hang zum Köpfen lassen. Am Ende, wenn der von Joe Monaghan mit virtuoser Grazie und Beweglichkeit porträtierte Hutmacher nach einem Riesentumult sowohl seinen Kopf als auch seinen monströsen Hut weiter da behalten darf, wo er hingehört, verschwindet diese Traumwelt wieder. Da entpuppt sich bei Kajdanski das Kinderzimmer als Ballettsaal und die Traumgestalten als Vorlage für den Wunsch des Mädchens nach der großen Bühne. Vielleicht als Tänzerin. Mit dieser Pointe und der Botschaft, dass alles Theater auch ein Kindertraum ist, schließt sich der Kreis dieser musikalisch klug begleiteten Traum-Tänzerei. Für den inneren Rhythmus, den Wechsel zwischen verträumter Reflexion und dramatischer Zuspitzung, sorgt die sich nicht anbiedernde, aber effektvolle Musikcollage aus Werken von Charles Ives, Claude Debussy, Georges Biszet, Maurice Ravel, Jacques Ibert, Jules Massenet, Emmanuel Chabrier, Erik Satie, Camille Sain-Saens und Jaques Offenbach. Dieser frankophone Mix ist so ausgewählt, als wäre er für "Alice im Wunderland" komponiert. Immer die mädchenhaft, traumleicht tanzende Laura Costa Chaud als Alice im Blick, freut man sich über jedes witzige Auftauchen von Juan Pablo Lastras-Sanchez als weißes Kaninchen im Schottenrock, auf die großäugige Raupe von Jonathan Augereau, den faszinierenden Hutmacher, die so herrlich zickige Königin von Anna-Maria Tasarz, die Grinsekatze, die Kartenarmee und all die anderen. So wie Charlie Debons quietschgelbe Köchin mit Sturmfrisur natürlich nicht kochen kann, so ertanzen sie in Dessau (mit typischer Alice-Logik) alle zusammen ein wunderbares, märchenhaft erzähltes, für jeden bekömmliches Wunderland-Menü! Was natürlich ausführlich bejubelt wurde.

Manuela Schreiber, Mitteldeutsche Zeitung, 18.06.2012

Wo das weiße Kaninchen wohnt

Wer kennt sie nicht, die Abenteuer der "Alice im Wunderland"? All die absurden Figuren, die darin auftauchen? Die nichts tun, was in unserer realen Welt sinnvoll erscheint? Ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben sich Alice und ihre Freunde, das weiße Kaninchen mit dem Wecker um den Hals, der verrückte Hutmacher oder die Grinsekatze so wie etwa "Der kleine Prinz" oder auch "Grimms Märchen".

Lewis Carroll hatte diesen Dauerbrenner der phantastischen Literatur 1865 erstmals veröffentlicht. Seitdem ist das Interesse an der bildgewaltigen Auseinandersetzung mit einem kindlichen Traumerlebnis ungebrochen. Das Ballettensemble des Anhaltischen Theaters Dessau hat sich nun dieses Stoffes angenommen. In der Choreografie von Ballettchef Tomasz Kajdanski war am Samstagabend eine Uraufführung zu besichtigen, die sich vor allem als eine Produktion für die ganze Familie empfiehlt. Entsprechend jung war das Publikum und dieser Fakt kann als großes Plus des Stückes gelten. Von philosophischer oder gar tiefenpsychologischer Herangehensweise an diese bekannte Geschichte wird allerdings vollkommen abgesehen. Quasi eins zu eins werden Alices Abenteuer geschildert als Traumerzählung eines einsamen Kindes, das auf einer anderen Ebene viele Freunde findet und am Schluss sogar die strengen Eltern in seine Phantasiewelt zu führen vermag. Ein Märchen also. Allerdings hingebungsvoll getanzt, vor allem von der verblüffend mädchenhaft wirkenden Laura Costa Chaud in der Titelrolle.

Die Leichtigkeit ihrer Bewegungen, das Grazile ihrer Sprünge und der Witz im Nachahmen ihrer skurrilen Freunde verstärkte den kindhaften Charme. Ihr zur Seite brillierte Joe Monaghan als Hutmacher in phantastischer Aufmachung (Dorin Gral, Kostüme und Bühne) und mit starker Tanzleistung. In dieser Figur geht der Choreograf sogar über Lewis Carroll hinaus, in dem er in dieser die aufbrechende Sexualität der Alice spiegelt und beide als Liebespaar anlegt. Ansonsten tummelt sich alles, was dazu gehört, jeweils mit eigenen charaktervollen Bewegungsmustern, sei es das weiße Kaninchen (Juan Pablo Lastras-Sanches), die grinsende Katze (Mélanie Legrand), die Raupe (Jonathan Angereau) oder die Königin der Spielkarten (sehr böse und sexy Anna-Maria Tasarz).

Die Bühne und deren recht schlichte Bauten boten als Augenschmaus eine optische Vertiefung durch die phantastischen Projektionen von Enrico Mazzi auf der Rückwand. Egal, ob als Sommerhimmel mit Da Vincischen Flugobjekten oder labyrinthischen, sich drehenden Kuben - hier gelang der wirkliche Eintritt in eine andere Welt. Die Musik verlieh dieser Ebene klangliche Tiefe. Sie kam live von der Anhaltischen Philharmonie mit Wolfgang Kluge am Pult. Passgenau folgte sie als spätromantisch-impressionistisches Pasticcio von Bizet bis Satie dem Handlungsverlauf und war ein weiterer Erfolgsgarant dieses vielbeklatschten Premierenabends.

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